Nach der Beschädigung einer unterirdischen Diesel-Pipeline im Industriepark in Wiebelsheim (Rhein-Hunsrück-Kreis) ist das Ausmaß der Umweltschäden weiter unklar. Wie das Umweltministerium mitteilte, kann die ausgetretene Menge an Dieselkraftstoff bislang nicht abgeschätzt werden. Am Nachmittag nahmen Innenminister Michael Ebling (SPD) und Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) den Schaden in Augenschein.
"Die Kriminalpolizei ermittelt mit Hochdruck, um die Schuldigen an der illegalen Manipulation zu identifizieren", sagte der Innenminister. Aktuell gebe es keine Hinweise auf einen politisch motivierten Sabotageakt. "Den Modus operandi kennen wir aus anderen Bundesländern, hier agierten Täter mit Expertenwissen und krimineller Energie", so Ebling. Zudem hätten sie in Kauf genommen, dass erhebliche Umweltschäden entstehen.
Eine Sprecherin der Kreisverwaltung des Rhein-Hunsrück-Kreises erklärte, der Kraftstoff sei bis zur Schließung der Leckage vor allem über einen nahegelegenen Bach abgelaufen, vereinzelt aber auch in den Boden gesickert. Der Boden werde ausgehoben und zu einer Abfallanlage transportiert, um ihn zu entsorgen, hieß es. Unmittelbar nach dem Vorfall wurden Ölsperren installiert.
Boden abheben, Biber reinigen
Die Umweltministerin dankte den Menschen, "die den Diesel-Geruch gemeldet haben sowie allen Einsatzkräften, die sich darum kümmerten, dass das Leck schnell geschlossen werden konnte und mit Ölsperren dafür sorgten, dass nicht noch mehr Boden und Wasser verseucht werden". Zahlreiche Expertinnen und Experten aus dem Gewässer- und Naturschutzbereich seien vor Ort, um gewählte Maßnahmen zu kontrollieren.
"Es wird weiterhin Öl abgesaugt und kontaminierter Boden abgetragen", sagte Eder. "Zudem wird versucht, die dort ansässigen Biber – eine streng geschützte Art – zu fangen, von Öl zu reinigen und an anderer Stelle wieder auszusetzen, da deren Biberburgen von einem Ölfilm überzogen sind", sagte Eder.
Mehrere Tierarten in Bachnähe möglicherweise betroffen
Die weiteren Auswirkungen auf Natur und Tierarten können nach Informationen der Kreisverwaltung derzeit nicht abschließend beurteilt werden. Größere negative Auswirkungen auf Fische in dem Bach seien bislang nicht feststellbar. Eine gefundene tote Bachforelle sei nicht unmittelbar mit dem ausgetretenen Diesel in Verbindung zu bringen.
Am Mittwoch hatten bislang Unbekannte die unterirdische Pipeline beschädigt. Die Polizei geht von einer absichtlichen Manipulation aus, mit der Diesel abgepumpt werden sollte. Die Kriminaldirektion Koblenz hat eine Ermittlungsgruppe gebildet. Im Zuge des Vorfalls war es auch zu Geruchsbelästigungen gekommen. Eine akute Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung habe nicht bestanden, hieß es.