Jahresbericht 2025
Antisemitische Vorfälle in Sachsen-Anhalt nehmen weiter zu

Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Sachsen-Anhalt ist 2025 erneut deutlich gestiegen. (Symbolbild) Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Sachsen-Anhalt ist 2025 erneut deutlich gestiegen. (Symbolbild) Foto
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Fünf antisemitische Vorfälle pro Woche: Der neue Bericht zeigt, wie massiv der Hass gegenüber jüdischen Menschen in Sachsen-Anhalt wächst – und wo besonders oft angegriffen wird.

Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Sachsen-Anhalt ist erneut deutlich gestiegen. Die Meldestelle RIAS Sachsen-Anhalt dokumentierte für das Jahr 2025 insgesamt 270 Vorfälle und damit rund ein Drittel mehr als im Vorjahr mit 202 Fällen. Das geht aus dem Jahresbericht der Meldestelle hervor, der in Magdeburg vorgestellt wurde. Im Schnitt wurden damit rund fünf antisemitische Vorfälle pro Woche bekannt. 

Mehr als fünf Vorfälle pro Woche

Unter den erfassten Vorfällen waren ein Fall extremer Gewalt mit schwerer Körperverletzung, zwei weitere körperliche Angriffe, 19 Sachbeschädigungen, vier Bedrohungen, 239 Fälle verletzenden Verhaltens sowie fünf Massenzuschriften, also massenhaft verbreitete antisemitische Nachrichten mit diffamierendem oder belästigendem Inhalt. Nach Einschätzung der Meldestelle hält damit das seit dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 deutlich erhöhte Niveau antisemitischer Vorfälle an.

Besonders stark stieg die Zahl der Vorfälle mit Bezug zum Nahostkonflikt. Sie erhöhte sich von 52 auf 111 Fälle. Die Zahl der dokumentierten Fälle israelbezogenen Antisemitismus stieg von 68 auf 122. Wiederholt seien Jüdinnen und Juden für tatsächliches oder vermeintliches Handeln des Staates Israel verantwortlich gemacht und angefeindet worden.

Hass im Internet gestiegen

Zugleich registrierte die Meldestelle zahlreiche Vorfälle, die sich auf die Verbrechen des Nationalsozialismus bezogen. Dazu gehörten etwa Sachbeschädigungen an Erinnerungsorten und Gedenkzeichen. Deutlich zugenommen haben außerdem antisemitische Vorfälle im Internet. Die Zahl stieg von 39 auf 100 Fälle. Dokumentiert wurden unter anderem antisemitische Kommentare sowie Einschüchterungsversuche gegen jüdische Einrichtungen. 

Von den 270 Vorfällen konnten nach Angaben der Meldestelle 166 einem politischen Hintergrund zugeordnet werden. 81 Fälle wurden dem rechtsextremen Spektrum zugerechnet, 39 dem links-antiimperialistischen Milieu und 30 dem antiisraelischen Aktivismus. Weitere Vorfälle ordnete die Meldestelle verschwörungsideologischen oder islamistischen Hintergründen zu.

Antisemitismusbeauftragter warnt

„Niemals dürfen wir uns daran gewöhnen“, sagte der Antisemitismusbeauftragte des Landes, Wolfgang Schneiß. Die erfassten antisemitischen Vorfälle seien Beweise für Menschenverachtung, für Lüge, Leugnung und Hass.

RIAS Sachsen-Anhalt dokumentiert antisemitische Vorfälle unabhängig davon, ob diese angezeigt werden oder strafrechtlich relevant sind. Erfasst werden unter anderem Beleidigungen, Schmierereien, Bedrohungen, Sachbeschädigungen und körperliche Angriffe.

dpa