Wahlen
Wird ein umstrittener AfD-Mann Landrat in Sachsen-Anhalt?

Im Landratsamt im Saalekreis gibt es bald einen neuen Chef. Foto: Jan Woitas/dpa
Im Landratsamt im Saalekreis gibt es bald einen neuen Chef. Foto
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In Thüringen wurde deutschlandweit der erste AfD-Mann zum Landrat gewählt. In Sachsen-Anhalt könnte das nun auch passieren - drei Monate bevor die AfD dort auch die Landtagswahl gewinnen könnte.

Ein Ministerpräsident von der AfD - das ist ein Szenario, das in Sachsen-Anhalt rund drei Monate vor der Landtagswahl nicht unmöglich erscheint. In Umfragen liegt die Partei mit über 40 Prozent auf Platz eins. Am Wochenende könnte im Saalekreis im Süden Sachsen-Anhalts nun zum ersten Mal ein AfD-Mann Landrat in dem Bundesland werden. Obwohl der Kandidat umstritten ist, erhofft sich die AfD von seinem Sieg Rückenwind für September. 

Gesucht wird zum 1. November die Nachfolge für den amtierenden parteilosen Landrat Hartmut Handschak. Es bewerben sich Sven Czekalla (CDU), Kerstin Eisenreich (Linke), Lars Zaruba (parteilos) und Uwe Arendt (AfD). Gegen Arendt führt die Polizeiinspektion Halle derzeit ein Disziplinarverfahren. Einem Bericht der „Mitteldeutsche Zeitung“ zufolge soll der 59 Jahre alte Polizeibeamte trotz monatelanger Krankschreibung unter anderem Wahlkampfauftritte absolviert haben. In den sozialen Medien stritt der AfD-Mann die Vorwürfe gegen ihn ab. Später äußerte er sich dazu nicht mehr. 

Rückhalt trotz Disziplinarverfahren

Die AfD wird in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft. Dennoch unterstützen zahlreiche Menschen die Politikerinnen und Politiker - auch umstrittene. Als die Vorwürfe gegen ihn wenige Tage vor der Wahl im Saalekreis veröffentlicht wurden, „sind wir am Wahlkampfstand in Merseburg völlig überlaufen worden“, sagt Arendt. Das habe ihn selbst überrascht. Immerhin hätten ihn online Drohungen, Beschimpfungen und Beleidigungen erreicht. 

Czekalla gilt als Arendts schärfster Konkurrent. Der CDU-Politiker richtete seinen Wahlkampf stark auf seine Person aus und sieht den Kampf gegen die AfD nach eigenen Worten als „absolute Herausforderung“. 

Linken-Kandidatin Eisenreich will mit ihrer Kandidatur auch dem Mitte-Links-Spektrum eine Auswahl bieten. Rund 84 Prozent der insgesamt 182.500 Einwohnerinnen und Einwohner des Kreises sind wahlberechtigt. Das endgültige Ergebnis soll am Abend des 9. Junis in einer Sitzung des Kreiswahlausschusses festgestellt werden. Denkbar ist, dass eine Stichwahl nötig wird. Diese würde nach Angaben des Landratsamtes am 28. Juni stattfinden. 

Zweiter AfD-Landrat in Thüringen?

Deutschlandweit war Robert Sesselmann im thüringischen Kreis Sonneberg der erste AfD-Politiker, der zum Landrat gewählt wurde. Im Kreis Saalfeld-Rudolstadt könnte die AfD am Sonntag ein zweites Landratsamt in Thüringen erobern. AfD-Bewerber ist der Landtagsabgeordnete Thomas Benninghaus, der dem Lager von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke zugerechnet wird. Benninghaus hatte bei der Landtagswahl vor zwei Jahren in der Region ein Direktmandat gewonnen. 

Er müsste für einen Erfolg bei der Landratswahl jedoch eine SPD-Hochburg einnehmen: Seit 2014 steht an der Spitze des Landratsamtes im Kreis Saalfeld-Rudolstadt der Sozialdemokrat Marko Wolfram, der sein Amt verteidigen will. Als dritter Bewerber geht im Kreis Saalfeld-Rudolstadt im Südosten Thüringens der Bauingenieur und Erfurter Fachhochschul-Professor Wolfgang Wehr ins Rennen.

dpa