Ausstellungsreihe "Mahlzeit"
Essen in der Kunst: Museum Gunzenhauser als "Feinkunsthalle"

Das Museum Gunzenhauser in Chemnitz widmet sich dieses Jahr intensiv dem Thema Essen. Zum Auftakt der Trilogie hat Kuratorin Pau
Das Museum Gunzenhauser in Chemnitz widmet sich dieses Jahr intensiv dem Thema Essen. Zum Auftakt der Trilogie hat Kuratorin Pauline Tigges eine ganze Etage des Museums in eine "Feinkunsthalle" verwandelt. Foto
© Hendrik Schmidt/dpa
Jeder tut es mehrmals am Tag: Essen. Das Museum Gunzenhauser macht nun eine ganze Etage zur "Feinkunsthalle". Vorbild für die Präsentation der Kunst ist dabei der Supermarkt.

Weißkohl, Tomaten, Pilze, Äpfel und Birnen: Die Obst- und Gemüseabteilung im Chemnitzer Kunstmuseum Gunzenhauser ist gut bestückt. Für die Ausstellung "Feinkunsthalle" konnte Kuratorin Pauline Tigges aus einem großen Fundus von Stillleben schöpfen, hat unter anderem Arbeiten von Alexej von Jawlensky, Paula Modersohn-Becker, Karl Schmidt-Rottluff und Otto Dix ausgewählt. "Bei uns dreht sich dieses Jahr alles um das Thema Essen", erklärt Museumsleiterin Anja Richter. Vom 7. März bis 14. Juni ist nun der erste Teil der Ausstellungstrilogie "Mahlzeit" zu sehen.

Für die Präsentation der Kunst orientieren sich die Ausstellungsmacher an einem ganz alltäglichen Ort: dem Supermarkt. "Der Supermarkt ist für die meisten Menschen heute der zentrale Zugang zu Lebensmitteln", erläutert Kuratorin Tigges. Entsprechend sind auch die Kunstwerke in der Ausstellung angeordnet: Backwaren und Käse gibt es hier ebenso wie Fisch, Fleisch- und Wurstwaren, aber auch Alkoholisches und Kaugummi am Ausgang. Bei den gezeigten Kunstwerken schöpfen die Ausstellungsmacher aus dem Fundus der Chemnitzer Kunstsammlungen, ergänzt durch einige Leihgaben - zusammen mehr als 60 Arbeiten. 

"is DOCH BOCKWURST!" - Positionen zeitgenössischer Künstler 

So bietet die Schau einen epochenübergreifenden Blick auf das Thema Essen: von Stillleben und Genremalerei des 19. Jahrhunderts über Werke der klassischen Moderne bis hin zu Arbeiten zeitgenössischer Künstler. So wird Hinterglasmalerei von Jan Kummer gezeigt, ebenso wie eine Videoarbeit von Marie Lynn Speckert, in der ein Hummer zerlegt und verzehrt wird. Für eine Installation hat Sophie Schmidt Kaugummi-Päckchen zehnfach vergrößert und in der Tradition der Pop-Art ausgestellt. Derweil erinnern die knalligen Arbeiten Osmar Ostens mit Sprüchen wie "Eiersallat tut gut!" und "is DOCH BOCKWURST!" an Slogans von Werbeplakaten. 

Die Ausstellung will die Vielfalt von Essensdarstellungen in der Kunstgeschichte zeigen und nach der Repräsentation von Konsum- und Kulturgeschichte von Lebensmitteln in der Kunst fragen. Dabei bietet sie einen niedrigschwelligen Zugang zu dem Thema. Besucher können auch selbst aktiv werden und sich in einem Mitmach-Raum im Zeichnen eines Stilllebens ausprobieren oder an einem Schwarzen Brett Rezepte austauschen. 

Auftakt für Ausstellungsreihe "Mahlzeit"

Ausgespart wird in der "Feinkunsthalle" allerdings die Eat-Art, jene in den 1960ern begründete Kunstrichtung, bei der Künstler wie Daniel Spoerri, Dieter Roth und Roy Lichtenstein Nahrungsmittel wie Wurst, Schokolade und Gewürze als Material für Kunstwerke nutzten. Die Kunstsammlungen Chemnitz verfügten nicht über solche Arbeiten, bedauern Kuratorin Tigges und Museumsleiterin Richter auf Nachfrage. Auch seien sie aus konservatorischen Gründen schwer als Leihgaben zu bekommen.

Das Museum Gunzenhauser plant in diesem Jahr zwei weitere Ausstellungen zum Thema Essen. Im zweiten Teil der "Mahlzeit"-Reihe werde es um Geschlechterrollen und Essen gehen, kündigte Richter an. Im dritten Teil wird dann Essen als gemeinschaftliches Phänomen beleuchtet.

Kunstsammlungen Chemnitz

dpa