RB Leipzigs Nachwuchschef David Wagner hat den früheren Sportdirektor Ralf Rangnick für die Abschaffung der zweiten Mannschaft kritisiert. "Meiner Meinung nach war das sogar eine Fehlentscheidung", sagte der 54-Jährige dem MDR. Wagner, ein enger Freund des globalen Red-Bull-Fußballchefs Jürgen Klopp, begrüßte dagegen die Einführung der neuen U21-Liga zur kommenden Saison.
Leipzig hatte die zweite Mannschaft unter Rangnicks Führung am Ende der Saison 2016/17 überraschend abgeschafft. Einst hatte Rangnick die U23 als wichtigen Baustein der Nachwuchsförderung gesehen, doch nach einer erneuten Evaluierung lohnte sich die Investition offenbar nicht mehr. "Wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass Aufwand und Ertrag in keinem vernünftigen Verhältnis mehr stehen", sagte Rangnick damals.
Talente sportlich ohne Chance
Die zweite Mannschaft spielte damals in der viertklassigen Regionalliga Nordost. Weil die Lücke zwischen Bundesliga-Profis und der zweiten Mannschaft immer größer wurde, hätten Spieler laut Rangnick "wirklich absolute Ausnahmetalente sein" müssen, um den Sprung nach oben zu schaffen. "Da glauben wir künftig, dass das über den direkten Weg der U19 nach oben auch möglich ist", sagte Rangnick damals.
Trotz großer Investitionen hat es bis heute kein Spieler aus dem Leipziger Nachwuchs nachhaltig zu den Profis geschafft. Aktuell zählen zwar Benno Kaltefleiter, Viggo Gebel und Samba Konaté zum Kader, spielen sportlich aber keine Rolle. Gebel ist verletzt, Kaltefleiter stand erst einmal im Kader, und Konaté hat drei Minuten Spielzeit in der Bundesliga in seiner Bilanz.
Stattdessen wählten Talente den Weg über andere Clubs, um es in die erste Liga zu schaffen. Beispiele hierfür sind die Stuttgarter Ermedin Demirovic und Jeff Chabot, die Kölner Eric Martel und Tom Krauß oder Nicolas Kühn von Como 1907.