Heimerziehung in der DDR
Steinmeier besucht Gedenkstätte Torgau

Von 1964 bis 1989 wurden rund 4.000 Jugendliche in den "Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau" eingewiesen. (Archivbild) Foto: Hend
Von 1964 bis 1989 wurden rund 4.000 Jugendliche in den "Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau" eingewiesen. (Archivbild) Foto
© Hendrik Schmidt/dpa
Jahrzehntelang sollten in Torgau Jugendliche zu "sozialistischen Persönlichkeiten" umerzogen werden. Bei seinem Besuch vor Ort trifft der Bundespräsident Betroffene.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will sich bei einem Besuch der Gedenkstätte "Geschlossener Jugendwerkhof" in Torgau über die Situation ehemaliger DDR-Heimkinder informieren. Am 22. April kommt er zu einem Rundgang und einem anschließenden Gespräch mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen nach Nordsachsen, wie die Gedenkstätte mitteilte. 

"Die Geschichte der repressiven Heimerziehung wirkt bis heute fort", sagte Manuela Rummel, Leiterin der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit der Gedenkstätte, laut Mitteilung. Die Lebenssituation vieler Betroffener sei nach wie vor äußerst prekär. Auch gesellschaftspolitisch sei die Auseinandersetzung mit diesem Kapitel unumgänglich, da autoritäres Denken, Strafe, Zwang und Kontrolle im Namen der Jugendhilfe wieder Aufwind erführen. 

Treffen als Würdigung für jahrelanges Engagement Betroffener

Besonders wichtig sei das Gespräch mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, ergänzte Gabriele Beyler, Vorstandmitglied des Trägervereins. "Darin sehen wir auch eine besondere Würdigung des jahrzehntelangen Engagements vieler Betroffener – und zugleich ein Zeichen für all jene, die an diesem Tag nicht selbst oder nicht mehr mit am Tisch sitzen können."

Die Begegnungsstätte erinnert seit 1998 an die haftähnlichen Zustände, unter denen die Jugendlichen zu "sozialistischen Persönlichkeiten" umerzogen werden sollten. Der "Geschlossene Jugendwerkhof Torgau" glich mit seinen hohen Mauern, den Wachtürmen, den Diensthunden und den vergitterten Fenstern schon äußerlich einem Gefängnis. Von 1964 bis 1989 wurden laut Angaben der Gedenkstätte 4.046 Jugendliche eingewiesen. Offiziell war es demnach die einzige geschlossene Heimeinrichtung der DDR.

dpa