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Erfurts früherer Bischof Wanke gestorben

Der emeritierte Bischof Joachim Wanke galt als Unterstützter der Ökumene und Brückenbauer zu nicht kirchlichen Mehrheiten im Ost
Der emeritierte Bischof Joachim Wanke galt als Unterstützter der Ökumene und Brückenbauer zu nicht kirchlichen Mehrheiten im Osten. (Archivbild) Foto
© picture alliance / dpa
Er kam als Flüchtlingskind, erlebte die antikirchliche DDR und später an der Spitze des Bistums Erfurt den für Katholiken denkbar höchsten Besuch. Nun ist Altbischof Joachim Wanke tot.

Erfurts emeritierter Bischof Joachim Wanke ist tot. Der 84-Jährige starb am Morgen im Katholischen Krankenhaus in Erfurt, wie das Bistum mitteilte. Er wurde dort bereits seit einigen Tagen auf der Palliativstation versorgt. Wanke war der erste Bischof des 1994 wiedergegründeten Bistums Erfurt. Er galt als eine der prägendsten Gestalten der Katholischen Kirche in der DDR.

Erfurts aktueller Bischof Ulrich Neymeyr nannte Wanke "einen bedeutenden Bischof und Theologen, von dem wegweisende und ermutigende Impulse nicht nur für das Leben der katholischen Kirche in der Diaspora Ostdeutschlands ausgegangen sind, sondern auch für das Leben in der katholischen Kirche in Deutschland."

Gesellschaftlicher Einsatz

Neymeyr würdigte zudem Wankes Einsatz bei den gesellschaftlichen und kirchlichen Herausforderungen, die die Friedliche Revolution 1989 und die Wiedervereinigung Deutschlands mit sich brachten. Auch im Ruhestand habe Wanke nicht nur das Bistum, sondern auch die katholische Kirche in Deutschland immer wieder mit seinen Gedanken und weiterführenden Perspektiven bereichert, so der Bischof.

Noch im April 2025 hatte Wanke am Requiem für den verstorbenen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel im Erfurter Dom teilgenommen.

Vom Flüchtlingskind zum Bischof

Wanke wurde am 4. Mai 1941 in Breslau geboren und kam als Kind nach der Vertreibung der Familie aus Schlesien infolge des Zweiten Weltkriegs nach Ilmenau, wo er aufwuchs. Nach seiner Priesterweihe 1966 begann er seine Priesterlaufbahn im Eichsfeld in Nordthüringen, einer katholischen Insel in der sonst weitgehend atheistischen bis kirchenfeindlichen DDR

Auf das Theologiestudium folgten Promotion und Habilitation, er lehrte auch am Philosophisch-Theologischen Seminar in Erfurt. 1980 wurde er zum Bischof geweiht, danach leitete er seit 1981 als sogenannter Apostolischer Administrator das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen. 

Die Wiedergründung des Bistums Erfurt erfolgte erst nach der Wende. Der damalige Papst Johannes Paul II. ernannte Wanke dann am 8. Juli 1994 zum Bischof für das neu gegründete Bistum Erfurt.

Brückenbauer zwischen Konfessionen

In der DDR hatte Wanke die Bedeutung der Ökumene unmittelbar erlebt und verstand sich als Vermittler zwischen den Konfessionen und als Brückenbauer zur nicht kirchlich geprägten Mehrheit in Thüringen. "Intolerante Christen sind für mich ungläubige Christen", sagte er einmal. 2013 zeichnete ihn die Katholische Akademie Bayern mit dem Ökumenischen Preis aus. Auch der Kontakt zur jüdischen Gemeinde in Thüringen lag ihm am Herzen, so das Bistum.

Schon als Wanke der Oberhirte der Katholiken war, galt das Bundesland als Diaspora. Nur etwa zehn Prozent der Menschen waren katholisch. Inzwischen ist ihr Anteil an der Bevölkerung weiter geschrumpft.

Höhen und Tiefen der Amtszeit

Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählte der Besuch des damaligen Papstes Benedikt XVI. im September 2011 im Bistum mit Messen in Eichsfeld und Erfurt. Am Gottesdienst im Erfurter Dom nahmen damals 28.000 Menschen teil, Wanke begrüßte dabei ausdrücklich auch die evangelischen Gläubigen, die gekommen waren.

Im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen einen Priester während seiner Amtszeit räumte Wanke rückblickend Fehler ein. "Ich wünschte mir, den Vorwürfen wäre damals genauso sorgfältig nachgegangen worden, wie es heute geschieht", wurde Wanke 2018 in einer Mitteilung des Bistums zitiert. "Das habe ich zu verantworten."

2012 nahm Papst Benedikt XVI. Wankes aus gesundheitlichen Gründen gestellten Rücktrittsgesuch an. Eine Herzkrankheit machte ihm bereits länger zu schaffen. Zu seinem Nachfolger wurde schließlich 2014 der heutige Bischof Ulrich Neymeyr ernannt.

dpa