Topf & Söhne Dauerausstellung in Erinnerungsort überarbeitet

Die Dauerausstellung im Erinnerungsort Topf & Söhne in Erfurt ist überarbeitet worden. Foto: Martin Schutt/dpa
Die Dauerausstellung im Erinnerungsort Topf & Söhne in Erfurt ist überarbeitet worden. Foto
© Martin Schutt/dpa
In Erfurt konstruierten die Ofenbauer der Firma Topf & Söhne Verbrennungsöfen für das nationalsozialistische Vernichtungslager Auschwitz. Was trieb die dort Beschäftigten zum Mittun bei Verbrechen an?

15 Jahre nach der Eröffnung des Erinnerungsortes Topf & Söhne in Erfurt präsentiert die dortige Dauerausstellung erweiterte Fakten zur Geschichte der Ofenbauer von Auschwitz. In der überarbeiteten Ausstellung würden neben bekannten Forschungsergebnissen neue Erkenntnisse zu den Männern und Frauen gezeigt, die für das tief die nationalsozialistischen Verbrechen verstrickte Erfurter Unternehmen gearbeitet hätten, sagte die Leiterin des Erinnerungsortes, Annegret Schüle. Nach mehrmonatiger Schließung öffnet der Gedenkort mit der neuen Ausstellung ab 25. Januar wieder.

Am Erinnerungsort Topf & Söhne wird die Geschichte der gleichnamigen Erfurter Firma und ihrer Mitarbeiter erzählt, die im Nationalsozialismus unter anderem die Verbrennungsöfen für das Vernichtungslager Auschwitz bauten. Dies geschah nicht unter Zwang. 1942 reichte die Firma einen Patentantrag für einen "kontinuierlich arbeitenden Leichenverbrennungsofen für Massenbetrieb" ein – im Wissen darum, wie in Auschwitz Menschen ermordet wurden. Bald darauf wurde die Erfindung in dem Vernichtungslager eingesetzt.

Die zwei Seiten eines geachteten Ingenieurs

Mit der neuen Dauerausstellung soll Schüle zufolge die Kernbotschaft des Erinnerungsortes stärker verdeutlicht werden: dass Menschen sich mit ihrer ganz alltäglichen Arbeit mitschuldig an der massenhaften Ermordung von Menschen gemacht hatten. Gezeigt wird das etwa am Ingenieur Kurt Prüfer, der in dem Unternehmen eine Schlüsselrolle gespielt hatte und maßgeblich für den Ofenbau der Firma verantwortlich war. In der Stadt Erfurt galt er als Pionier der pietätvollen Feuerbestattung, als ethisch denkender und ehrenvoller Bürger.

Videos von Holocaust-Überlebenden

Bei der Neugestaltung sind unter anderem die meisten der Texte überarbeitet worden, die die ausgestellten historischen Dokumente erklären. Videos mit Interviews, die mit Holocaust-Überlebenden geführt wurden, spielen nun eine große Rolle in der Ausstellung. Arbeitsblätter, mit deren Hilfe sich Schülergruppen mit den historischen Dokumenten auseinandersetzen sollen, seien neu gestaltet worden. Damit reagiert der Erinnerungsort auch auf ein von den Mitarbeitern beobachtetes schwindendes historisches Wissen zum Nationalsozialismus und nachlassende Fähigkeiten zur analytischen Textarbeit.

dpa

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