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Umstrittene Anordnung Abtreibungsverbot in Dannenberg: Klinikkonzern kritisiert eigenen Chefarzt

Das Abtreibungsverbot an einer niedersächsischen Klinik sorgte bundesweit für Empörung
Das Abtreibungsverbot an einer niedersächsischen Klinik sorgte bundesweit für Empörung
© Peter Endig/DPA
In der Diskussion um das Abtreibungsverbot an einer niedersächsichen Klinik ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: Nun mischt sich der Klinikkonzern ein - und distanziert sich von der Anordnung.

Das Abtreibungsverbot an einer niedersächsischen Klinik sorgte bundesweit für Empörung: An der Capio Elbe-Jeetzel-Klinik in Dannenberg hatte der neue Chefarzt der Gynäkologie beschlossen, keine Schwangerschaftsabbrüche durchführen zu lassen. Als Grund nannte er seinen christlichen Glauben. Dieser sei mit einer Abtreibung nicht vereinbar.

Auch Klinikchef Markus Fröhling hatte die Entscheidung des Chefarztes zunächst verteidigt: "Laut Gesetz kann kein Arzt zu einem Schwangerschaftsabbruch verpflichtet werden", erklärte er gegenüber dem "NDR". Eine Ausnahme sei, wenn eine medizinische Indikation vorliege, die schwangere Frau sich also etwa in gesundheitlicher Gefahr befinde. Dann würde die Frau "natürlich auch bei uns behandelt", so Fröhling weiter.

Abtreibungsverbot in Dannenberg: Klinikkonzern Capio rudert zurück

Nun allerdings mischt sich der schwedische Klinikkonzern Capio in die Diskussion ein – und distanziert sich von der Anordnung in Dannenberg. "Wir sind mehr als überrascht von dieser Entscheidung", erklärte Geschäftsführer Klaus Wöhrle gegenüber der "Elbe-Jeetzel-Zeitung". Die Aktion sei "abstimmungsbedürftig" gewesen, jedoch habe der Klinikdirektor den Schritt nicht mit der deutschen Spitze des Konzerns abgesprochen. 

Die Kliniken des Konzerns würden weltanschaulich neutral agieren. Der Kurs der Klinik in Dannenberg sei daher ein "Novum" für den Konzern. Ein einzelner Arzt könne eine solche Entscheidung für sich persönlich treffen, nicht aber den Kurs für eine gesamte Abteilung vorgeben, heißt es weiter. Die Entscheidung des Chefarztes in Dannenberg habe zu einer "mehr als misslichen Lage" geführt, die der Konzern nicht mittrage.

Welche Konsequenzen nun folgen sollen und ob das Verbot aufgehoben werde, ließ der Konzern zunächst offen. Man sei dabei, die Sache aufzuarbeiten, erklärte Wöhrle gegenüber der Zeitung.

Schwangerschaftsabbrüche sind nur unter bestimmten Bedingungen straffrei

Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland grundsätzlich strafbar und fallen unter Paragraf 218a des Strafgesetzbuches. Unter bestimmten Bedingungen ist eine Abtreibung jedoch straffrei. So muss die Frau den Schwangerschaftsabbruch verlangen und einen Nachweis darüber erbringen, dass sie sich drei Tage vor dem Eingriff hat beraten lassen. Eine Beratung ist in einer staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatung möglich. Außerdem dürfen seit der Befruchtung nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sein. Beruht die Schwangerschaft auf einer Sexualstraftat, ist ebenfalls eine Abtreibung bis zum Ende der zwölften Woche nach der Befruchtung möglich.

In Ausnahmefällen können Ärzte die Schwangerschaft auch zu einem späteren Zeitpunkt beenden, etwa wenn für die Schwangere Lebensgefahr besteht oder mit einer erheblichen gesundheitlichen Schädigung des Kindes zu rechnen ist.

ikr

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