Humane Papillomaviren sind eine weitverbreitete Gruppe von Viren, die Haut und Schleimhäute infizieren. Einige HPV-Typen gelten als Hochrisiko-Viren, da sie Krebserkrankungen auslösen können. Besonders betroffen sind Gebärmutterhalskrebs, aber auch andere Krebsarten wie Analkrebs, Peniskrebs und bestimmte Formen von Kopf- und Halskrebs.
HPV wird hauptsächlich durch sexuellen Kontakt übertragen. Während die meisten Infektionen harmlos verlaufen und vom Immunsystem selbst bekämpft werden, können bestimmte HPV-Typen Zellveränderungen hervorrufen, die sich über Jahre hinweg zu Krebs entwickeln. Besonders der HPV-Typ 16 und 18 sind für rund 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich.
Bei Jungen und Männern kann eine HPV-Infektion ebenfalls schwerwiegende Folgen haben. Neben Peniskrebs sind vor allem Analkrebs sowie Krebsarten im Kopf- und Halsbereich. Auch Rachen- und Kehlkopfkrebs werden mit Hochrisiko-HPV-Typen in Verbindung gebracht. Besonders in den vergangenen Jahren wurde ein Anstieg von HPV-bedingten Kopf-Hals-Tumoren beobachtet, die oft durch orale Übertragung des Virus entstehen.
Die HPV-Impfung ist eine sichere und effektive Methode, um das Risiko für HPV-bedingte Krebserkrankungen deutlich zu senken. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren, da sie am wirksamsten ist, bevor eine Person sexuell aktiv wird.
Die Impfung kann mehr als 90 Prozent der durch HPV verursachten Krebserkrankungen verhindern. So sank bei jungen Frauen zwischen 20 und 24 Jahren, die als erste die Impfung erhielten, die Gebärmutterhalskrebsrate zwischen 2012 und 2019 um 65 Prozent. Auch HPV-Infektionen und Genitalwarzen sind bei Jugendlichen seit Einführung der Impfung deutlich zurückgegangen.
Bei Kindern und Jugendlichen liegt die Impfung vor allem in den Händen der Eltern. Sie müssen dafür Sorge tragen, dass die Impfintervalle für den vollständigen Schutz auch eingehalten werden. Kinder bis 14 Jahre erhalten zwei Impfungen im Abstand von mindestens fünf Monaten. Ab dem 15 Lebensjahr sind drei Impfdosen für den vollständigen Schutz notwendig, die innerhalb von sechs Monaten verabreicht werden. Die HPV-Impfung bietet einen langanhaltenden Schutz, und bisherige Studien zeigen, dass eine Auffrischungsimpfung derzeit nicht notwendig ist.
Jungs werden bei der HPV-Impfung oft vergessen
Auch wenn die Wirksamkeit der HPV-Impfung offensichtlich ist, sind nur gut die Hälfte aller 15-Jährigen Mädchen in Deutschland vollständig geimpft, zeigen die Daten der Lenkungsgruppe Impfen NaLI. 15 Prozent zumindest eine Impfung erhalten, aber die Serie noch nicht abgeschlossen. Laut BARMER-Arzneimittelreport 2024 ist die jährliche Impfrate bei Mädchen von 2021 auf 2022 um 23,5 Prozent zurückgegangen
Noch dramatischer sieht es bei den Jungs aus, nur ein Viertel von ihnen haben eine HPV-Impfung erhalten, 13 Prozent haben zumindest eine Impfung erhalten, die Serie jedoch nicht abgeschlossen.
Es gibt erhebliche regionale Unterschiede bei den Impfquoten. Die höchsten Impfquoten für vollständig geimpfte 15-jährige Mädchen finden sich in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit jeweils gut 70 Prozent. Etwa 20 Prozent niedriger sind die Quoten in Bayern, Bremen und Baden-Württemberg.
Einer Umfrage des IGES-Institutes zufolge wissen viele Eltern nur wenig über HPV, die Zusammenhänge mit Krebs und der Wirksamkeit der Impfung. Danach wussten 33 Prozent der Eltern von Mädchen und 41Prozent der Eltern von Jungen die HPV-Impfung laut eigener Aussage nicht. Den meisten von ihnen, die die HPV-Impfungen nicht kannten, ist sie jedoch als Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs bekannt. Immerhin wussten 75 Prozent der Eltern der Mädchen und 69 Prozent der Eltern der Jungen, was HPV ist.
Die HPV-Impfquoten liegen in Deutschland noch deutlich unter dem von der EU-Kommission und der WHO angestrebten Ziel von 90 Prozent vollständig geimpfter Mädchen bis 2030.