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Schwere Verläufe : Mit dem Gewicht steigt die Gefahr? Studien zeigen Zusammenhang zwischen Covid-19 und Übergewicht

Was das Coronavirus im menschlichen Körper auslöst, ist nach wie vor nicht vollständig erforscht. Aktuelle Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und schweren Verläufen einer Covid-19-Erkrankung auf.

Mit dem Gewicht steigt nach neuen Studien auch die Gefahr eine schweren Covid-19-Erkrankung (Symbolbild)

Mit dem Gewicht steigt nach neuen Studien auch die Gefahr einer schweren Covid-19-Erkrankung (Symbolbild)

Getty Images

Zu Anfang dachte man noch, bei der durch das neuartige Coronavirus hervorgerufenen Erkrankung Covid-19 handle es sich vor allem um eine Infektion der Atemwege. Doch mit der zunehmenden Forschung wächst in letzter Zeit die Erkenntnis: Die Erkrankung hat deutlich vielschichtigere Folgen für den menschlichen Körper. Ein weiterer Zusammenhang wurde nun von mehreren Studien hergestellt: Sie fanden unter Patienten mit schweren Verläufen einen deutlich überdurchschnittlichen Anteil von übergewichtigen Menschen.

Erste Hinweise lieferten bereits im April Studien aus China und Frankreich. Dort wurde festgestellt, dass bei Patienten, die mit schweren Verläufen im Krankenhaus landeten, die Quote an übergewichtigen oder gar fettleibigen Patienten weit überdurchschnittlich hoch war. Nun hat eine große Untersuchung aus New York diese Erkenntnis noch weiter untermauert.

Übergewicht als größter Risikofaktor nach dem Alter

Die Studie der Grossman School of Medicine der Universität von New York wertete zwischen März und April die Verläufe sämtlicher knapp 4000 Patienten aus, die positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Die klare Erkenntnis: Neben dem Alter, das bereits seit Ausbruch der Pandemie als größter Risikofaktor bekannt ist, stellt Übergewicht bei Personen unter 65 Jahren den größten Risikofaktor dar - noch vor Herz- und Lungenerkrankungen oder dem zu Anfang als besonderer Risikofaktor vermutetem Rauchen.

"Fettleibigkeit ist die am stärksten mit kritischen Verläufen verbundene chronische Erkrankung, mit deutlich höherer Quote als Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenkrankheiten", so die Studie. Und bietet auch einen Erklärungsversuch: "Fettleibigkeit ist ein bekannter Grund für Entzündungen." 

Fast viermal so hohe Gefahr bei Fettleibigkeit

Eine zweite Studie des ebenfalls zur Universität von New York gehörenden Langone Health Centers kam zur gleichen Erkenntnis: Demnach sei bei Covid-19-Patienten unter 60, die einen Body-Mass-Index (BMI) über 30 aufwiesen - also fettleibig waren - doppelt so oft eine Behandlung auf der Intensivstation nötig gewesen als bei Patienten mit einem BMI unter 30. Bei extremer Fettleibigkeit mit einem BMI über 35 stieg diese Wahrscheinlichkeit noch weiter: Diese Kranken mussten gar 3,6 Mal so oft intensiv behandelt werden.

Die Fettleibigkeit scheint auch ein entscheidender Faktor bei der Frage zu sein, ob Patienten künstlich beatmet werden müssen. In der Fachzeitschrift "Obesity" veröffentlichten französischen Studie des Universitätsklinikums Lille war festgestellt worden, dass von 124 untersuchten Patienten mit schwerem Verlauf 85 künstliche Beatmung benötigten. Unter diesen hatten 56 Prozent einen BMI über 30, ganze 38 Prozent sogar einen über 35. Bei den nichtbeatmeten Patienten war der Anteil deutlich niedriger: Nur 12,8 von ihnen waren so extrem übergewichtig.

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Fettzellen als Andockpunkt?

Eine mögliche Erklärung bietet die Studie des Generalkrankenhaus Peking von Anfang April. Man habe den Verdacht, dass das Fettgewebe eine mögliche Andockstation für das Virus sei, erklärt die Studie. Die Andockstelle des Virus, die sogenannten ACE2-Rezeptoren, finden sich in Lunge und Herzen - und eben auch im Fettgewebe. "Die ACE2-Expression war im Fettgewebe höher als im Lungengewebe", zitiert "Scinexx" die chinesische Studie. Demnach könnte das zusätzliche Fettgewebe übergewichtiger und fettleibiger Menschen sie anfälliger machen.

Als alleinige Erklärung taugt das Übergewicht aber sicher nicht. Während sich etwa die geringen Todeszahlen in der alten, aber recht schlanken Bevölkerung Japans noch gut damit erläutern ließen, ist das bei den Unterschieden zwischen Deutschland und Frankreich schon nicht mehr der Fall. Während hierzulande nach Angaben von Statista etwa 23,5 Prozent der Bevölkerung fettleibig sind, sind es in Frankreich nur etwa 17 Prozent. Das spiegelt sich in den Todeszahlen aber nicht wieder: Obwohl beide Länder um die 170.000 bekannte Covid-19-Fälle haben, starben in Frankreich mit 25.000 Erkrankten fast viermal so viele als in Deutschland.

Quellen: Universität New York Studie 1, Studie 2, ObesityScinexx

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