VG-Wort Pixel

Coronavirus Führen mehr Tests wirklich zu mehr Fällen? Ein Blick in die Daten liefert die Antwort

Coronavirus: Wo stecken sich Reiserückkehrer am häufigsten an?
Seit Beginn der Pandemie sind in Deutschland mehr als zehn Millionen Tests auf das Coronavirus durchgeführt worden
© bitprojects
In Deutschland steigen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus wieder - auch die Zahl der Tests wurde zuletzt massiv hochgefahren. Doch führen mehr Tests automatisch zu mehr Fällen? Ganz so einfach ist es nicht.

Testen, testen, testen – im Kampf gegen die Corona-Pandemie war das lange Zeit die Devise. Auch in Deutschland wurden die Test-Kapazitäten zuletzt massiv hochgefahren. Anfang August trat zudem eine Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikoländern in Kraft. Allein in der 33. Kalenderwoche wurden deutschlandweit mehr als 875.000 Tests durchgeführt, der bisherige Höchstwert in der Pandemie. Die zuständigen Labore funkten jedoch schnell SOS - man käme mit der Auswertung der Proben nicht mehr hinterher, hieß es. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plant nun eine Rückkehr zur ursprünglichen Strategie, wie er am heutigen Mittwoch erklärte: "Wir testen nach Ende der Reisezeit zielgerichtet Patienten mit Symptomen und Menschen mit Kontakt zu Infizierten."

Nicht nur die Zahl der Tests war in den letzten Wochen gestiegen, auch die Zahl der Neu-Infektionen mit dem Coronavirus legte kräftig zu. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete allein heute ein Plus von 1576 neuen Fällen im Vergleich zum Vortag. In den vergangenen Tagen überschritt der Wert sogar die 2000er-Marke. Ein Zusammenhang liegt scheinbar nahe: Führen mehr Tests nicht automatisch zu mehr positiven Fällen? Sind die gesteigerten Test-Kapazitäten womöglich sogar der ausschlaggebende Grund für die erhöhte Zahl an Neu-Infektionen? Das fragen sich derzeit viele.

Ein Blick in die offizielle Statistik (siehe Tabelle unten) des RKI zeigt: Ganz so simpel ist es nicht. In der 28. Kalenderwoche (Anfang Juli) wurden 510.103 Tests durchgeführt, davon waren 2990 positiv. Die sich daraus ergebende Positivenrate liegt bei 0,59 Prozent. Rund fünf Wochen später (Kalenderwoche 33) lag die Anzahl der Tests bei 875.524, wovon 8407 positiv waren. Die Positivenrate betrug 0,96 Prozent. Werden diese Werte miteinander in Zusammenhang gesetzt, zeigt sich: Die Anzahl der Tests stieg in dem beobachteten Zeitrum um 72 Prozent. Die Anzahl der Neuinfektionen dagegen um 181 Prozent. Allein mit der erhöhten Anzahl der Tests ist dieser Unterschied nicht zu erklären. Auch der Anstieg bei der Positivenrate deutet auf ein erhöhtes Infektionsgeschehen hin. 

Kalenderwoche

2020

Anzahl Testungen

Positiv getestet

Positivenrate 

Bis einschl. KW10

124.716

3.892

3,12%

11

127.457

7.582

5,95%

12

348.619

23.820

6,83%

13

361.515

31.414

8,69%

14

408.348

36.885

9,03%

15

380.197

30.791

8,10%

16

331.902

22.082

6,65%

17

363.890

18.083

4,97%

18

326.788

12.608

3,86%

19

403.875

10.755

2,66%

20

432.666

7.233

1,67%

21

353.467

5.218

1,48%

22

405.269

4.310

1,06%

23

340.986

3.208

0,94%

24

326.645

2.816

0,86%

25

387.484

5.309

1,37%

26

466.459

3.670

0,79%

27

504.082

3.080

0,61%

28

510.103

2.990

0,59%

29

538.229

3.483

0,65%

30

570.746

4.464

0,78%

31

578.099

5.634

0,97%

32

730.300

7.256

0,99%

33

875.524

8.407

0,96%

Summe

10.197.366

264.990

Quelle: Robert Koch-Institut (RKI)/Covid-19-Lagebericht vom 19.08.2020

Zahlreiche Infektionen im Ausland

Von 100 Corona-Tests fällt aktuell einer positiv aus. Fünf Wochen zuvor war es dagegen knapp einer von 200. Den Höchsstand bei der Positivenrate gab es im März in Kalenderwoche 14: Damals waren es neun von 100 bei einer Positivenrate von 9,03 Prozent. Dieser Stand ist also trotz des aktuellen Anstiegs noch nicht erreicht. Allerdings ist auch die Stichprobe, aus der die Tests entnommen werden, eine andere: Zu Beginn der Pandemie wurden in erster Linie "begründete Verdachtsfälle" getestet. Zu diesen zählten Menschen, die Kontakt zu einem bestätigten Covid-19-Fall hatten oder innerhalb der letzten 14 Tage in einem vom RKI genannten Risikogebiet gewesen sind und Symptome wie Fieber, Heiserkeit, Husten oder Atemnot aufwiesen. 

Da sich das Virus nun zunehmend in der Bevölkerung ausgebreitet hat, werden heute grundsätzlich alle Menschen mit einschlägigen Symptomen getestet. Auch Reisende, die aus Urlaubsländern zurückkehren, scheinen für den aktuellen Anstieg bei der Positivenrate zu sorgen, wie eine weitere Statistik des RKI nahelegt.

Zuletzt lag der Anteil der Menschen, die sich wahrscheinlich im Ausland mit dem Coronavirus angesteckt haben, bei rund 40 Prozent (KW33). Das entspricht in etwa dem Niveau von März, nachdem der Wert zeitweise auf 0 gesunken war. Mit Beginn der Grenzöffnungen stiegen die Zahlen wieder. Am häufigsten wurden zuletzt Länder des Westbalkans, die Türkei, Bulgarien, Spanien, Rumänien und Polen als wahrscheinliche Infektionsländer genannt.

ikr

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker