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"Sputnik V" "Sehr seltsame Muster": Wissenschaftler zweifeln an russischer Studie zu Corona-Impfstoff

HINWEIS: DIESER BEITRAG WIRD OHNE SPRECHER GESENDET. O-TÖNE VON BUNDESFORSCHUNGSMINISTERIN ANJA KARLICZEK (CDU): "Und nach wie vor müssen wir uns darauf einstellen, dass es erst Mitte nächsten Jahres einen Impfstoff gibt, mit dem weite Teile der Bevölkerung geimpft werden können." "Sicherheit hat an dieser Stelle absolute Priorität. Ein Impfstoff kann nur zur Anwendung kommen, wenn der erwiesenen Nutzen deutlich höher ist als die möglichen Risiken. Denn am Ende werden nur sichere Impfstoffe auch von den Menschen akzeptiert. Und wir wollen natürlich, dass auch nur sichere Impfstoffe den Menschen zur Verfügung gestellt werden. Und von dieser Linie werden wir in Deutschland und in Europa nicht abweichen, und ich hoffe, dass alle Staaten so vorgehen. " O-TÖNE VON BUNDESGESUNDHEITSMINISTER JENS SPAHN (CDU): "Und was mir drittens wichtig ist, das möchte ich noch mal sagen, weil ich immer noch erlebe, auch in den letzten drei, vier Wochen in zahlreichen Veranstaltungen einmal mehr, dass gelegentlich anderes behauptet wird. Es wird zu einer freiwilligen Impfung kommen. Wir sind sehr, sehr zuversichtlich, dass wir das Ziel einer ausreichend hohen Impfquote freiwillig erreichen mit einer hohen Akzeptanz für Impfungen. Wir brauchen 55 bis 65 Prozent der Bürger, die sich impfen lassen, um dort auch insgesamt eine Immunität, eine Herden-Immunität, wie man es ja nennt, zu erreichen." "Was die Frage angeht des russischen Impfstoffes würden wir manchmal gerne mehr wissen wollen, weil die Transparenz noch nicht abschließend da ist. Es gibt immer wieder Austausch auf den unterschiedlichen Ebenen zwischen den Instituten. Da gibt es auch durchaus gute traditionelle Kontakte. Aber die Frage, was tatsächlich uns zugänglich gemacht wird an Informationen und was nicht - gilt übrigens nicht nur für die Entwicklung in Russland, es gibt ja auch in China Impfstoff-Entwicklungen - ist nicht immer so, dass man das Gefühl hat, es ist absolute Transparenz."
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Russland hat mit "Sputnik V" als erstes Land der Welt einen Impfstoff gegen das Coronavirus zugelassen. Die Studie dazu wirft bei internationalen Wissenschaftlern Fragen und einige Bedenken auf.

Nach der Veröffentlichung einer Studie zu dem neuen russischen Corona-Impfstoff mit dem Namen "Sputnik V" im medizinischen Fachblatt "The Lancet" hagelt es international Kritik von Forschern. Wegen der vielen Fragen hat die Zeitschrift nun die Autoren der russischen Impfstudie zu einer Stellungnahme aufgerufen. Sie seien eingeladen worden, auf offene Fragen zu antworten, sagte eine Sprecherin der Fachzeitschrift am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Wir verfolgen die Situation weiterhin genau."

Hintergrund ist ein offener Brief von rund 40 internationalen Wissenschaftlern. Sie äußern darin erhebliche Zweifel an der Studie. Nach ihrer Ansicht wirft "die Darstellung der Daten einige Bedenken auf". Die Forscher um den Molekularbiologen Enrico Bucci fordern von Moskau den Zugriff auf die Originaldaten für eine vollständige Untersuchung. Die Erwartungen der Bevölkerung an einem wirksamen Impfstoff seien verständlicherweise hoch, hieß es zur Begründung.

"Es ist so, als würde man einen Würfel werfen und mehrmals genau dieselbe Zahlenfolge erhalten."

Das in Russland entwickelte Serum gegen das Coronavirus war das weltweit erste, das für eine breite Anwendung in der Bevölkerung zugelassen wurde. Bereits nach der Freigabe Mitte August gab es international Kritik, weil sie vor Abschluss wichtiger Tests erfolgte. Das russische Team hatte seine Studie über das Vakzin zu Monatsbeginn in dem Fachblatt "The Lancet" veröffentlicht. Zuvor hatten mehrere deutsche Medien über die Kritik an der Studie berichtet.

"Die Daten enthalten sehr seltsame Muster", sagte Bucci dem Portal "Moscow Times". Er verwies zum Beispiel auf Ergebnisse, die die Bildung von Antikörpern beschreiben. Dabei gebe es gleiche Werte für verschiedene Gruppen von Patienten. So viele Duplikate seien höchst unwahrscheinlich, sagte er. "Es ist so, als würde man einen Würfel werfen und mehrmals genau dieselbe Zahlenfolge erhalten."

Die russische Staatsagentur Tass meldete, dass die Entwickler des Impfstoffes in Moskau bereits Antworten auf Fragen an das Blatt geschickt hätten, die "für ihre westlichen Kollegen von Interesse waren". Nach russischer Darstellung erzeugt der Impfstoff Antikörper. Er sei auch frei von schwerwiegenden Nebenwirkungen. Kremlchef Wladimir Putin sagte, auch seine Tochter habe sich impfen lassen.

fs DPA

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