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Demenz: Protein löst Alzheimer aus

Bisher lässt sich Alzheimer mit Medikamenten nur verzögern. Doch die Forschung arbeitet schon an Behandlungsstrategien - unter anderem auch Impfungen.

Alzheimer wird vermutlich durch Verklumpungen von Proteinen im Gehirn ausgelöst. Diese so genannten Plaques bestehen überwiegend aus A-Beta-Peptiden, ein Spaltprodukt des Proteins APP.

Bonner Wissenschaftler haben nun entdeckt, dass das Ausgangsprotein APP den Körper gegen die UV-Strahlung der Sonne schützt. Zum Schutz vor dieser UV-Strahlung werden in erster Linien Melanin-Pigmente in die Haut eingelagert. Dieser Farbstoff wird von bestimmten Hautzellen produziert und in den so genannten Melanosomen gespeichert und transportiert. Genau für diesen Transport zu den Zielzellen sorgen offenbar das Protein APP und sein Spaltprodukt.

Protein mit zwei Gesichtern

"Das A-Beta-Peptid könnte der krankheitsauslösende Rest eines ansonsten lebenswichtigen Eiweißstoffs sein", vermutet Professor Volker Herzog vom Institut für Zellbiologie der Uni Bonn. "APP hat zwei äußerst unterschiedliche Gesichter: Es kann sich einerseits als Ursache einer bedrohlichen Erkrankung erweisen, wenn das A-Beta-Peptid freigesetzt wird. Es erfüllt jedoch lebenswichtige Funktionen, wenn es richtig gespalten wird".

Dieser Erkenntnisstand hilft Forschern, geeignete Behandlungsstrategien für die Behandlung der Demenzkrankheit zu entwickeln. Bisher lässt sie sich mit Medikamenten nur verzögern. In einem ersten Ansatz sollen die gefährlichen Plaqueablagerungen im Hirn verhindert werden. Derzeit werden deshalb diverse Hemmstoffe, die eine Plaquebildung bereits im Ansatz blockieren sollen. Eine zweite Strategie versucht, die gefährliche Zusammenballung und Verklumpung mehrerer Plaques durch verschiedene "Plaque Buster" zu verhindern.

Impfung gegen Alzheimer

Möglich sei in Zukunft auch eine Impfung gegen Alzheimer. Das Serum enthielte A-Beta-Peptide. Damit soll die Entstehung der Plaques reduziert werden. Eine erste klinische Studie am Menschen musste jedoch abgebrochen werden, weil 15 der 360 behandelten Patienten als schwere Komplikation eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute bekamen. Dennoch gilt die Immunisierung als aussichtsreich und die Suche nach unschädlichen Impfmethoden läuft.

Einen anderen Ansatz verfolgt die Lipidsenkung. In großen epidemiologischen Studien zeigte sich, dass Menschen, die mit Lipidsenkern (Statinen) behandelt wurden, seltener an Alzheimer erkrankten. Die genauen Zusammenhänge und Wirkungsweisen sind aber noch unklar und werden derzeit weltweit erforscht. Ähnlich sieht es mit entzündungshemmenden Strategien aus. Auch hier ergaben epidemiologische Studien, dass die längere Einnahme bestimmter entzündungshemmender Medikamente das Alzheimer-Risiko offenbar senkt.

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