VG-Wort Pixel

Ehec in Frankfurter Erlenbach Trinkwasser ist nicht gefährdet


Hygiene-Experten rätseln weiter über den Ehec-Fund in einem Frankfurter Bach. Die Behörden mahnen zu Besonnenheit. Eine Verbindung des Baches zur öffentlichen Trinkwasserversorgung bestehe nicht, sagte eine Sprecherin des hessischen Gesundheitsministeriums.

Nach dem Fund aggressiver Ehec-Bakterien in einem Frankfurter Bach haben die Behörden zur Besonnenheit aufgerufen. "Eine Verbindung des Baches zur öffentlichen Trinkwasserversorgung besteht nicht", betonte eine Sprecherin des hessischen Gesundheitsministeriums am Samstag. Es habe seither auch keine neuen Krankheitsfälle gegeben. Derzeit werden weitere Gewässerproben aus dem Erlenbach ausgewertet, wie ein Sprecher des Umweltministeriums sagte. Sie sollen Klarheit bringen, ob der Bach - nach einem Einzelfund in der vergangenen Woche - weiterhin mit dem aggressiven Ehec-Erreger O104:H4 belastet ist.

Möglicherweise gelangten die Keime durch eine nahegelegene Kläranlage in das Gewässer. Kläranlangen vermindern nach Angaben der Behörden die im Abwasser enthaltenen Keime, "damit ist das Abwasser aber nicht hygienisch unbelastet". Daher hatte das Umweltministerium am Freitag zwei an den Erlenbach grenzende Höfe und die Besitzer von Kleingärten informiert. Sie dürfen das Wasser vorerst nicht mehr zum Bewässern nutzen und sollen Obst und Gemüse, das mit Wasser aus dem Erlenbach gegossen wurde, nicht mehr verzehren.

Wie kommen Ehec-Keime ins Wasser?

"Normalerweise kommen Ehec im Kot vor allem von Rindern, aber auch anderen Wiederkäuern wie Schafen oder Ziegen vor. In das Abwasser können sie über Schlachthofabwässer oder mit Tierfäkalien verunreinigtes Regenwasser gelangen", erklärt das Umweltbundesamt (UBA). Im aktuellen Fall könnte der Ehec-Stamm O104:H4 jedoch "über menschliche Fäkalien verbreitet werden und darüber auch ins Abwasser gelangen".

Kann Ehec durch Abwasser auf Lebensmittel gelangen?

"Einzelne Ehec können zwar auf diesem Wege auf Salat, Gemüse oder Beeren kommen. Zu einem Infektionsrisiko für den Menschen beim Verzehr dieser Lebensmittel könnte es aber nur kommen, wenn im weiteren Verarbeitungsprozess Bedingungen geschaffen werden, die den Ehec ein Wachstum ermöglichen, so dass für eine Infektion relevante Konzentrationen auftreten", erläutert das UBA.

Seit die Ehec-Neuinfektionen zurückgehen, essen 85 Prozent der Deutschen wieder Gurken, Salat und Tomaten. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der "Bild am Sonntag". Das Emnid-Institut hat für die Zeitung 500 Menschen ab 14 Jahren in Deutschland befragt. Obwohl Sprossen als Ursache des Ehec-Ausbruchs gelten, verzichteten 15 Prozent der Bundesbürger weiterhin auf Gurken, Salat und Tomaten, berichtete die "BamS" vorab am Samstag. Vor dem rohen Verzehr dieses Gemüses war anfangs gewarnt worden. Vor drei Wochen hatte die "Bild am Sonntag" eine ähnliche Umfrage veröffentlicht: Damals gaben 58 Prozent der Bundesbürger an, wegen der Darmbakterien auf rohe Gurken, ungekochte Tomaten und Salat zu verzichten. Besonders ältere Menschen waren vorsichtig: Bei den Menschen ab 60 Jahren ließen 71 Prozent die Finger von rohem Gemüse, bei den 14- bis 29-Jährigen nur 44 Prozent. Seit Ausbruch des aggressiven Darmkeims sind in Deutschland mindestens 38 Menschen gestorben, mehr als zwei Drittel davon in den nördlichen Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen. Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen des Robert Koch-Instituts waren seit Anfang Mai bis Donnerstagnachmittag bundesweit 2610 Ehec-Fälle bekannt und 798 mit dem schweren Verlauf des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS).

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker