VG-Wort Pixel

Ehec-Studie Risikoreiche Behandlung hat sich ausgezahlt


Menschen die im Frühsommer besonder schwer von Ehec betroffen waren - die mit Nierenversagen und epileptischen Schocks zu kämpfen hatten - erhielten eine Antikörperbehandlung, die nicht erprobt war. Das behandelnde Klinikum in Hamburg zieht jetzt eine überraschend positive Zwischenbilanz.

Die beim EHEC-Ausbruch vor einigen Monaten erprobte Antikörperbehandlung schwerkranker Patienten hat sich als wirksam erwiesen. Das zeigen die Zwischenergebnisse einer klinischen Studie, die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) am Montag in Hamburg vorstellten. "Der Einsatz des Antikörpers Eculizumab hat die Schäden an Nieren, Gehirn und Blutbild der Patienten schnell und deutlich verbessert", sagte Professor Rolf Stahl.

Bei 95 Prozent der 148 in der Studie erfassten Patienten habe es eine komplette Heilung oder teilweise Verbesserung des Krankheitsbildes gegeben, hieß es weiter. Die EHEC-Kranken hatten am sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) gelitten, das Koma, Nierenversagen und Gehirnschäden zur Folge haben kann. "Zum Teil drohten anhaltende Schäden", sagte Professor Christian Gerloff.

Zunächst hatten die Mediziner das Blutplasma der Betroffenen ausgetauscht, doch der gewünschte Erfolg blieb aus. Daraufhin bekamen die Erkrankten den Antikörper Eculizumab - dessen Wirksamkeit damals noch unklar war. Im Verlauf der Behandlung habe sich der Zustand der Schwerstkranken langsam normalisiert, berichtete Gerloff.

Noch kein zugelassenes Medikament verfügbar

Fast alle Patienten seien nach acht Wochen nur noch moderat, leicht oder nicht signifikant behindert gewesen, teilweise sogar symptomfrei. "Das ist ein sensationeller Erfolg." Alle Behandelten waren wieder bei Bewusstsein, brauchten keine Dialyse und hatten keine epileptischen Anfälle. Auch das Blutbild normalisierte sich bei 93 Prozent der Studienteilnehmer.

Bei künftigen EHEC-Fällen werde der Antikörper vermutlich auch helfen, so Gerloff. Allerdings habe es bei der Studie keine Vergleichsgruppe gegeben - das sei die Schwäche, erklärte Stahl. Außerdem sei noch kein Medikament zugelassen. Mitte 2012 sollen die Abschlussergebnisse der Studie vorliegen. Wichtig sei es zudem, den Zustand der Patienten in ein bis zwei Jahren noch einmal zu erfassen und die Daten zu vergleichen, so die Wissenschaftler.

Bundesweit gab es zwischen Mai und August rund 3500 EHEC-Fälle, knapp 850 Patienten erlitten dabei das HUS, rund 50 Menschen starben.

ono/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker