HOME

Stern Logo Ratgeber Ernährung

Wissenschaftlich erklärt: Heißhunger auf Nudeln: Darum sind wir so verrückt nach Pasta

Spaghetti Carbonara, Penne mit Gorgonzola oder Käse-Makkaroni: Bei Nudeln sind sich alle einig. Doch warum schmeckt Pasta so gut? Wissenschaftler sind dem Phänomen nachgegangen.

Pasta mit Tomatensoße

Einer Portion Pasta kann niemand widerstehen. Doch warum ist das so?

Nudeln sind als Dickmacher verpönt. Das sollte eigentlich Grund genug sein, mit Pasta und Penne maßvoll umzugehen. Doch die wenigsten Menschen können sich zurückhalten, wenn Nudeln auf dem Tisch stehen: Auf die erste Portion folgt meist noch eine zweite. Und selbst wenn man schon satt ist: Ein Löffel Spaghetti passt immer noch rein, oder?

Wissenschaftler haben dem Heißhunger auf Pasta kürzlich nachgespürt und liefern im Fachmagazin "New Scientist" eine interessante Erklärung für das Phänomen: Scheinbar besitzen Kohlenhydrate einen eigenen Geschmack, der sich am ehesten als "stärkehaltig" beschreiben lässt.

Bislang gingen Wissenschaftler davon aus, dass der Mensch fünf verschiedene Geschmacksrichtungen unterscheiden kann: salzig, süß, sauer und bitter. Die Liste wurde vor sieben Jahren um "Umami" erweitert, was einem fleischigen und vollmundigen Geschmack entspricht. Er wird durch die Aminosäure Glutaminsäure hervorgerufen, die unter anderem in Fleisch und Pilzen enthalten ist.

Brot, Reis und Pasta besitzen wohl einzigartigen Geschmack

Doch nach Meinung der Forscher fehlt auf der Liste eine entscheidende Geschmackskomponente: "In jeder Kultur gibt es eine Hauptquelle für komplexe Kohlenhydrate", erklärt Juyun Lim von der Oregon State University in Corvallis gegenüber dem "New Scientist". "Die Vorstellung, dass wir das, was wir essen, nicht schmecken können, ergibt keinen Sinn."

Komplexe Kohlenhydrate stecken beispielsweise in Brot, Vollkornprodukten, Haferflocken, Kartoffeln oder Nudeln. Sie werden auch als Polysaccharide bezeichnet und setzen sich aus Ketten von Zuckermolekülen zusammen. Enzyme im Speichel spalten die Ketten in einzelne Zuckermoleküle auf, die der Mensch als süß wahrnimmt. Ein Effekt, den wohl jeder kennen dürfte, der längere Zeit auf einem Stück Brot herumgekaut hat: Nach einer Weile schmeckt es süß.

Doch Lim glaubt, dass es nicht die Süße ist, die wir schmecken, wenn wir Pasta essen. Ihrer Meinung nach besitzen Kohlenhydrate einen eigenen, spezifischen Geschmack. Ihre These untermauert sie mit einer Studie: Sie und ihr Forscherteam gaben Freiwilligen verschiedene Kohlenhydratlösungen zu trinken. "Sie beschrieben den Geschmack als 'stärkehaltig'", erklärte Lim gegenüber dem "New Scientist". "Asiaten beschrieben es als Reis-ähnlich, Kaukasier dagegen als Brot-ähnlich oder Nudel-ähnlich. Es schmeckt im Grunde genommen nach Mehl."

Interessanterweise nahmen die Testpersonen den Geschmack auch noch wahr, als die Wissenschaftler die Rezeptoren für Süße auf der Zunge blockierten – ein Hinweis darauf, dass es sich tatsächlich um einen eigenständigen Geschmack handelt. Die Wissenschaftler wollen nun durch weitere Studien prüfen, ob die bestehende Liste um den "Kohlenhydrat-Geschmack" erweitert werden muss. Es wäre die sechste Qualität des menschlichen Geschmackssinns. Lim ist sich sicher: "Wir entfernen uns allmählich von der Vorstellung, dass der Mensch fünf verschiedene Grundgeschmäcker besitzt."

Carbonara, Arrabbiata & Co.: Das sind die besten Pasta-Rezepte der Welt
Ein Teller mit dampfender Pasta aglio e olio

Pasta aglio e olio ist ein einfaches, sehr altes Nudelgericht aus Süd- und Mittelitalien. Hier geht es zum Rezept!

ikr
Themen in diesem Artikel