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Tatsache oder Trugschluss: Macht Schokolade Pickel?

Wer unter Pickeln oder gar Akne leidet und zur Schokolade greift, erntet oft mahnende Blicke. Denn eine gängige Annahme lautet: Süßes und Fettiges lasse Pickel sprießen. Doch müssen Naschkatzen deshalb wirklich ein schlechtes Gewissen haben?

Von Lea Wolz

Macht Schokolade Pickel?

Macht Süßes Pickel und sollte, wer unreine Haut hat, besser auf Schokolade verzichten?

Macht abends essen dick? Ist es schädlich, den Deckel des Joghurtbechers abzulecken? Gibt es süßes Blut? Der stern nimmt in loser Reihenfolge Alltagsmythen unter die Lupe.

Macht Schokolade Pickel?

Die Auflösung

Es ist schon verflixt: Gerade dann, wenn man dabei ist, das andere Geschlecht zu entdecken, sprießen die Pickel. Fast jeder Jugendliche kennt das Problem. Denn mit der Pubertät beginnt der Körper vermehrt das männliche Sexualhormon Androgen herzustellen. Das wirkt sich auch auf die Haut aus: Die Talgdrüsen wachsen und kurbeln die Produktion von Hautfett an.

Das ist zwar gut gemeint: Haut und Haar sollen so geschmeidig gehalten werden, doch mitunter übertreiben es die Drüsen. Die Haut wirkt fettig. Verstopfen dann abgestorbene Hautzellen die Ausgänge der Talgdrüsen, können bestimmte Bakterien in den Drüsen dafür sorgen, dass Entzündungen entstehen. Rote, entzündete Pickel bilden sich.

Wie sehr jemand zu Pickeln neigt, hängt allerdings von vielen Faktoren ab. Nicht nur die hormonellen Umstellungen spielen eine Rolle, auch eine genetische Veranlagung wirkt sich aus. Daneben beeinflusst auch der Lebenswandel die Entstehung von Pickeln.

Wer unter unreiner Haut oder gar einer schweren Akne leidet, bekommt daher nicht selten den Ratschlag, auf Fettiges und Süßes zu verzichten. " Schokolade macht Pickel", heißt es. Doch stimmt das wirklich? Und ist es sinnvoll, auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten?

"In meine Sprechstunde kommen viele Patienten, die berichten, dass ihre Akne schlimmer wird, wenn sie süß und fettig essen", sagt Maja Hofmann, Oberärztin an der dermatologischen Klinik der Charité in Berlin. "Allerdings gibt es dazu keinerlei wissenschaftliche Belege - oft zur Freude der Jugendlichen." Die Ärztin, die an der Charité auch die Aknesprechstunde leitet, gibt ihren Patienten daher einen pragmatischen Rat mit auf den Weg: "Wer das Gefühl hat, dass ihm der Verzicht auf Schokolade hilft, der sollte sie meiden." Nicht zuletzt, da eine gesunde Ernährung ganz generell auch das Immunsystem positiv beeinflusse.

Auch Volker Steinkraus, Leiter des Dermatologikums in Hamburg, hat die Erfahrung gemacht, dass ihm viele seiner Patienten erzählen: 'Wenn ich Süßes esse, wird mein Hautbild schlechter.' Er hält es daher für durchaus möglich, dass sich Schokolade auf Pickel auswirkt. "Auch wenn es dafür keine wissenschaftlich harten Belege gibt." Über Jahrzehnte hinweg habe man ausgeschlossen, dass die Ernährung einen Einfluss auf Akne habe. "Nun beginnt man das - zumindest leicht - zu revidieren", sagt Steinkraus. 

Naschkatzen Philipp Weber und Nicky Wong


Milch besser nur in Maßen

Während es für Schokolade und fettige Lebensmittel allerdings keinen Nachweis gibt, dass ihr Verzehr sich direkt auf das Pickelrisiko auswirkt, raten Hautärzte bei anderen Lebensmitteln zu Zurückhaltung: "Milch sollten Aknepatienten nicht übermäßig verzehren", sagt Hofmann. "Gegen ein Glas pro Tag spricht nichts, viel mehr sollte es aber nicht sein." Auch Steinkraus rät seinen Patienten, nicht übermäßig viel Milch zu sich zu nehmen. "Bei jungen Menschen, die eine schwere Akne haben und schon zum Frühstück einen halben Liter Milch trinken und dazu noch ein Müsli essen, empfehle ich, das deutlich einzuschränken", sagt er.

Denn hier gibt es zumindest Hinweise, dass Milch und Milchprodukte zur Entstehung und Verschlimmerung der Akne beitragen können. Ursache dafür könnte sein, dass Milch die Konzentration von IGF-1 im Körper ansteigen lässt, ein insulinähnliches Hormon, das während der Pubertät ohnehin schon vermehrt vorkommt und für das Wachstum des Körpers sorgt. Kontrollierte Studien, die den Zusammenhang belegen, fehlen allerdings.

"Dennoch deuten seit einigen Jahren ernstzunehmende Untersuchungen darauf hin, dass eine ständige Ausschüttung von Insulin oder insulinähnlichen Faktoren möglicherweise das Krankheitsbild der Akne verschlechtert oder Hautunreinheiten begünstigt", sagt Steinkraus. Auf Lebensmittel, die den Blutzucker schnell in die Höhe treiben zu verzichten, kann daher ebenfalls von Vorteil sein. Weißbrot und weißer Reis oder Nudeln zählen etwa dazu.  

Steinkraus warnt allerdings davor, den Nutzen einer Ernährungsumstellung bei Akne zu überschätzen. "Allein dadurch lässt sich das Problem nicht beseitigen." Wichtig sei eine gute und schnelle Behandlung. "Damit lässt sich heute nahezu allen Patienten helfen."

Um das Pickelproblem in den Griff zu bekommen, empfiehlt Hofmann neben der Behandlung  eine gute Hautpflege, mit Produkten, die für Aknehaut geeignet sind. "Viele machen den Fehler und greifen zu Mitteln für sensible Haut", sagt die Ärztin. Diese seien jedoch oft zu fettreich. Auch von stark beworbenen Reinigungsmitteln für unreine Haut hält sie nichts. "Diese trocknen die Haut zu sehr aus." Bevor jemand viel Geld in ungeeignete, teure Pflegeprodukte steckt, rät sie daher: "Einmal zum Hautfacharzt gehen und sich beraten lassen."

Fazit: Macht Schokolade Pickel? 

Wissenschaftliche Belege, dass Süßes und Fettiges die Pickel sprießen lässt, gibt es nicht. Wer dennoch das Gefühl hat, seine Haut verschlechtere sich dadurch, kann natürlich darauf verzichten. Zurückhaltend sollten von Pickeln Geplagte allerdings bei Milch sein. Hier gibt es zumindest Hinweise, dass diese Produkte dazu beitragen können, dass Akne entsteht oder sich verschlimmert. Lohnenswert kann es auch sein, auf Lebensmittel zu verzichten, die den Blutzucker schnell in die Höhe treiben - Weißbrot, Reis oder Nudeln etwa. Ob eine Ernährungsumstellung hilft, kann jeder selbst ausprobieren. Überschätzen sollte man den Einfluss allerdings nicht. Bei Akne ist es wichtig, diese frühzeitig zu behandeln - damit keine Narben entstehen.