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Früherkennung: Forscher entwickeln Bluttest für Krebs

Biomarker im Blut könnten dabei helfen, in Zukunft Krankheiten wie Krebs früher zu erkennen. Forscher haben dafür nun einen Bluttest entwickelt. Doch bis er zum Einsatz kommt, ist es noch ein langer Weg.

Krebs lässt sich in vielen Fällen gut behandeln, wenn er frühzeitig erkannt wird. Da die Erkrankung gerade im Anfangsstadium aber meist keine Schmerzen verursacht, wird sie oft erst dann diagnostiziert, wenn es schon fast zu spät ist. Ein neuer Bluttest könnte das nun ändern. In einer Testphase lieferte er eine Trefferquote von rund 90 Prozent.

Fast 50 deutsche Forscher haben an der Studie mitgewirkt, die von dem Bioinformatiker Andreas Keller von der Universität des Saarlandes geleitet wurde. Die Ergebnisse der Untersuchung mit rund 700 Probanden sind im Fachmagazin "Nature Methods" online veröffentlicht.

Für den Test fahndeten die Forscher nach bestimmten Molekülen im Blut von Patienten, die auf schwere Krankheiten wie Multiple Sklerose (MS), Bauchspeicheldrüsenkrebs oder chronische Lungenerkrankungen hinwiesen. Für 14 bislang teils schwer erkennbare Krankheiten konnten die Mediziner so ein Blutprofil erstellen. "Das ist eine wichtige Grundlagenforschung, die schon in wenigen Jahren für Risikopatienten sehr wichtig sein könnte", sagte Jörg Wischhusen von der Frauenklinik der Universität Würzburg, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Biomarker im Blut

Im Blut gibt es mehr als 1400 sogenannte Mikro-Ribonukleinsäuren (Mikro-RNA). Diese regulieren die Genaktivität. Die im Blut ausgelesenen Werte dieser Moleküle ergeben ein bestimmtes Profil: "Wenn beispielsweise RNA 128 hoch geht und RNA 310 dafür fast nicht im Blut zu finden ist, liegt eine bestimmte Erkrankungen vor", erklärt Wischhusen.

Im Rahmen der Studie haben die Forscher herausgefunden, dass etwa 100 dieser Mikro-RNA Aufschluss über bestimmte Krankheiten geben. Die Entdeckung dieser Marker und die darauf aufgebauten Blutprofile für schwere Krankheiten gehören zu den wichtigsten Errungenschaften der Untersuchung.

Die Würzburger Forscher haben für die Studie etwa das Blut von rund 50 Patientinnen mit und ohne Eierstock-Krebs untersucht. "Die Tests haben eindeutig gezeigt, dass bereits im Blut mit etwa 90-prozentiger Sicherheit erkennbar ist, ob die Frau Eierstock-Krebs hat oder nicht", sagte Wischhusen. Das klingt zwar sehr vielversprechend, aber die Forscher sind damit noch längst nicht zufrieden. "Eigentlich bräuchten wir über 99 Prozent für die Marktreife."

Für die Nervenkrankheit Multiple Sklerose und den Bauchspeicheldrüsenkrebs waren die Ergebnisse hingegen sehr gut. Hier lag die Trefferquote laut Wischhusen bei mehr als 99 Prozent.

Die Wissenschaftler hoffen irgendwann, mit einem einzigen Test mehrere Krankheiten zuverlässig diagnostizieren zu können. Doch trotz der positiven Studienergebnisse könne das noch mehrere Jahre dauern, betonen sie. "Da ist noch viel Arbeit, viel Geld und einiges an Untersuchungen notwendig, bis tatsächlich ein marktreifes Produkt die Zulassung erhält", sagt Wischhusen.

lea/DPA / DPA

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