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Down-Syndrom: Umstrittener Trisomie-Test wird Kassenleistung: Das müssen Sie über die Untersuchung wissen

Nach jahrelangen Diskussionen gibt es jetzt Klarheit: Die Kassen übernehmen die Kosten für Trisomie-Tests bei ungeborenen Kindern - aber ausdrücklich nicht auf breiter Front.

Trisomie-Test: Röhrchen mit Blutproben

Röhrchen mit Blutproben (Archivbild)

DPA

Die gesetzlichen Krankenkassen werden fortan Bluttests für schwangere Frauen zahlen, mit denen unter anderem untersucht wird, ob ein Kind mit Down-Syndrom auf die Welt kommt. Der gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Kassen und Kliniken als oberstes Entscheidungsgremium sprach sich für eine Kostenübernahme aus - wenn auch nur unter strengen Voraussetzungen. Möglich sein soll die neue Kassenleistung "nur in begründeten Einzelfällen" für Frauen mit Risikoschwangerschaften nach ärztlicher Beratung und verbunden mit bestimmten verpflichtenden Informationen. Doch wie aussagekräftig ist der Test? Und welche ethischen Bedenken gibt es? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Tests sind beim Down-Syndrom möglich?

Bis vor einigen Jahren konnten Ärzte Trisomie vor der Geburt nur durch invasive Methoden - etwa die Untersuchung des Fruchtwassers - feststellen. Dieses Verfahren liefert zwar sehr präzise Ergebnisse, kann aber auch zu Komplikationen führen - bis hin zu einer Fehlgeburt. Bei Risikoschwangerschaften zahlen die Kassen den Test - etwa, wenn die Schwangere über 35 Jahre alt ist oder schon ein Kind mit Chromosomen-Anomalie bekommen hat.

Praktisch keine Risiken gibt es bei dem seit 2012 existierenden Bluttest. Diesen Test soll es künftig in begründeten Einzelfällen als Kassenleistung geben.

Wie funktioniert der Trisomie-Bluttest?

Im Blut der werdenden Mutter finden sich außer ihrer eigenen DNA auch Bruchstücke des kindlichen Erbguts, anhand derer sich ermitteln lässt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für eine Trisomie 21 (Down-Syndrom) ist. Dabei wird der schwangeren Frau ab der vollendeten neunten Schwangerschaftswoche Blut aus der Vene abgenommen. Die Bluttests ermöglichen es, die DNA-Spuren des Ungeborenen herauszufiltern und auf Chromosomen-Störungen zu untersuchen.

Menschen mit Down-Syndrom haben in jeder Zelle ein Chromosom mehr als andere, also 47 statt 46. Das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden, statt wie bei anderen Menschen zweifach, daher Trisomie 21.

Gleicht das Testergebnis einer Diagnose?

Nein. Das Testergebnis lässt keine abschließende Diagnose zu, es sagt lediglich mit hoher Wahrscheinlichkeit voraus, ob eine Trisomie 21 vorliegt. Zur Absicherung des Ergebnisses sind weitere Tests geboten - wie etwa eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Plazenta-Punktion, die aber mit dem Risiko einer Fehlgeburt verbunden sind. Es liegt laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bei 0,5 bis 2 Prozent. 

In sehr seltenen Fällen kommen bei dem Bluttest auch falsch-negative Befunde vor. Seltenere Formen wie Trisomie 13 (Pätau-Syndrom) oder Trisomie 18 (Edwards-Syndrom) kann die sogenannte nicht invasive Pränataldiagnostik nicht sicher nachweisen. Bluttests gelten grundsätzlich als weniger zuverlässig als die Fruchtwasseranalyse; ihr großer Vorteil liegt aber in dem sehr geringen gesundheitlichen Risiko.

Welche ethischen Bedenken gibt es gegen die Trisomie-Tests?

Kritiker weisen darauf hin, dass mit der Pränataldiagnostik Leben mit Down-Syndrom als etwas zu Vermeidendes dargestellt werde. Tatsächlich entscheiden sich viele Mütter bei einem entsprechenden Testergebnis für eine Abtreibung. In Dänemark halbierte sich nach Einführung der Trisomie-Tests als Regelleistung die Zahl der so geborenen Kinder.

Insbesondere die genetischen Bluttests wecken Befürchtungen, es könne immer stärker zu einem Auswahlprozess kommen, bei dem es um die Frage geht: Welche werdenden Kinder werden als lebenswert eingestuft und welche nicht? Denn mit den einfacheren und risikoärmeren Bluttests könnte die Hemmschwelle für eine Untersuchung sinken.

Welche Argumente bringen die Befürworter vor?    

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der sich für die Kostenübernahme ausgesprochen hat, verweist insbesondere auf das geringere Risiko dieser Methode. Werden deren Kosten von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen, könnten werdende Eltern darauf verzichten, die riskantere Fruchtwasseranalyse vornehmen zu lassen - die wird schließlich bereits jetzt von den Kassen bezahlt.

ikr/AFP/DPA
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