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Früherkennung: Krebsvorsorge - das sollten Sie wissen

Es ist so gut wie beschlossen: Eine Beratung beim Arzt über die Früherkennung bestimmter Krebsarten wird für alle gesetzlich Krankenversicherten ab nächstem Jahr Pflicht. stern.de hat schon mal die wichtigsten Fragen gestellt.

Von Nina Buschek

Für wen und für welche Krebsarten gilt die Beratungspflicht?

Für alle gesetzlich krankenversicherten Frauen ab 20 und Männer ab 45 Jahren. Sie müssen sich vom Arzt über das Für und Wider der Krebsvorsorge beraten lassen. Vorerst bezieht sich die Beratungspflicht nur auf Früherkennungsuntersuchungen von Darm-, Brust- und Gebärmutterhalskrebs.

Kann die Vorsorge Darmkrebs verhindern?

Ja. Denn Darmkrebs entwickelt sich fast immer sich aus gutartigen Schleimhautwucherungen, so genannten Polypen oder Adenomen. Es können Jahre vergehen, bis aus einem harmlosen Polyp eine bösartige Krebsgeschwulst wird, ohne dass der Betroffene etwas davon bemerkt.

Macht ein Tumor erst mit Schmerzen oder Stuhlunregelmäßigkeiten auf sich aufmerksam, ist es oft schon zu spät: Der Krebs hat sich ausgebreitet und viele Behandlungschancen sind vertan. Ihr Arzt kann gutartige Schleimhautwucherungen frühzeitig entdecken und abtragen, damit Darmkrebs erst gar nicht entsteht. Das macht die Früherkennung so wichtig.

Welche Darmkrebstests gibt es?

Es gibt drei Möglichkeiten, einen Tumor im Darm frühzeitig zu entdecken: die Tastuntersuchung, den Test auf verborgenes Blut im Stuhl und die Darmspiegelung.

Bei der Tastuntersuchung fühlt der Arzt den Enddarm vorsichtig mit dem Finger ab. Allerdings ist diese Methode sehr ungenau, da sie nur Veränderungen im unteren Mastdarm erfasst und sehr kleine Geschwülste unentdeckt bleiben.

Weil Darmtumoren manchmal bluten, ist Blut im Stuhlgang immer ein Warnzeichen. Der Test auf verborgenes Blut, der so genannte Okkultbluttest, kann selbst winzige Blutspuren nachweisen, die für das Auge unsichtbar sind. Den Test können Sie leicht zuhause durchführen. Ihr Arzt gibt Ihnen dafür drei Testbriefchen mit, auf die sie innerhalb einer Woche drei Proben auftragen, die Ihr Arzt zur Auswertung in ein Speziallabor schickt. Weil aber nicht jeder Krebs blutet und Blut im Stuhl auch ganz harmlose Ursachen haben kann, ist der Test nicht unumstritten.

Die sicherste Früherkennungsmethode ist die Darmspiegelung.

Muss ich für die Darmspiegelung ins Krankenhaus?

Nein. Die Darmspiegelung kann ein Facharzt für Gastroenterologie, also ein Magen-Darm-Spezialist, genauso in der Praxis durchführen. Bei der Darmspiegelung kann der Arzt den Dickdarm bis zum Zwölffingerdarm von innen untersuchen und verdächtige Veränderungen gleich abtragen.

Dazu führt er ein bewegliches Gerät - etwa so lang wie ein Arm aber nur so dünn wie ein Duschschlauch, das so genannte Endoskop - über den After in den Dickdarm ein. Eine winzige Kamera sendet Videobilder aus dem Körperinneren an einen Monitor, auf dem Arzt und Assistenten ihre Arbeit überwachen.

Bei einem geübten Untersucher und modernen Geräten tut eine Darmspiegelung nicht weh. Damit der Arzt auch etwas sieht, müssen Sie den Darm vorher vollständig entleeren. Dazu bekommen Sie in der Regel ein Abführmittel und müssen mehrere Liter trinken. Diese Prozedur empfinden viele als unangenehm. Wer Angst vor der Darmspiegelung hat, kann auch ein leichtes Medikament zur Entspannung bekommen.

Die Darmspiegelung ist die sicherste Methode, Veränderungen im Darm frühzeitig zu entdecken und gegebenenfalls abzutragen. Deshalb haben alle gesetzlich Krankenversicherten ab dem 56. Lebensjahr Anspruch darauf. Wenn bei der Spiegelung keine verdächtigen Veränderungen festzustellen sind, haben Sie zehn Jahre Ruhe, denn dann ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sich in der Zwischenzeit ein bösartiger Tumor entwickelt. Wer sich für die Darmspiegelung entscheidet, kann auf Tastuntersuchung und Okkultbluttest verzichten.

Warum überhaupt Brustkrebs-Früherkennung?

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Im Jahr 2002 sind in Deutschland nach Schätzung des Robert Koch-Instituts rund 55.100 Frauen neu daran erkrankt. Obwohl die Behandlungsmöglichkeiten heute deutlich besser sind als vor 30 Jahren, sterben in Deutschland immer noch etwa 18.000 Frauen jedes Jahr an einem Tumor der Brust.

Die wirksamste Waffe gegen Brustkrebs ist die Früherkennung, denn je früher der Krebs entdeckt wird, desto besser sind die Therapiemöglichkeiten und desto größer sind die Heilungschancen.

Kann man Brustkrebs vorbeugen?

Ob eine Frau an Brustkrebs erkranken wird oder nicht, kann man nicht voraussagen. Manche Frauen sind erblich belastet - zum Beispiel, wenn die Mutter oder eine Schwester Brustkrebs hat. Aber auch eine früh einsetzende Menstruation, Kinderlosigkeit, die späte Geburt des ersten Kindes oder spät einsetzende Wechseljahre erhöhen das Erkrankungsrisiko. Generell steigt ab dem 50. Lebensjahr die Wahrscheinlichkeit, Brustkrebs zu bekommen.

Dass ein gesunder Lebensstil das Krebsrisiko verringert, gilt als gesichert. Ein Glas Wein zum Essen oder ein kleines Feierabendbier sind erlaubt, aber bitte nicht mehr, denn ab 0,3 Liter Wein oder 0,6 Liter Bier pro Tag steigt das Erkrankungsrisiko. Dass Sport und gesunde Ernährung Krebs verhindern können, ist nicht eindeutig bewiesen, in jedem Fall stärken sie aber Immunsystem und Psyche und sind somit ein Plus bei der Krebsvorsorge.

Welche Brustkrebs- Früherkennungsuntersuchungen gibt es?

Das Wichtigste ist, die Brüste und Achselhöhlen etwa alle vier Wochen systematisch abzutasten. Diese Untersuchung können Sie ganz leicht selbst durchführen, Ihr Frauenarzt zeigt Ihnen, wie das geht.

Der beste Zeitpunkt für die Selbstuntersuchung ist eine Woche nach Beginn der Regelblutung oder, wenn Sie die Pille nehmen, eine Woche nach Beginn der neuen Monatspackung. Dann ist das Gewebe weich und Knoten oder Verhärtungen sind besser tastbar. Wenn Sie sich regelmäßig selbst untersuchen, bekommen Sie bald ein sicheres Körpergefühl und merken schnell, wenn sich Ihre Brust verändert.

Ab dem 30. Lebensjahr sollte sich jede Frau außerdem einmal pro Jahr von Ihrem Frauenarzt abtasten lassen. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen diese Untersuchung.

Frauen zwischen 50 und 69 Jahren haben zusätzlich alle zwei Jahre Anspruch auf eine Röntgenuntersuchung der Brust, die so genannte Mammografie.

Ist die Mammografie gefährlich?

Nein. Die Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust, die selbst kleinste, nicht tastbare Veränderungen sichtbar machen kann. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass für jede Frau, die regelmäßig zur Mammografie geht, das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, um etwa 30 Prozent sinkt. Anders ausgedrückt: Pro 2000 Frauen sterben zwei Frauen weniger.

Bei der Mammografie wird jede Brust von zwei Seiten geröntgt. Um Bewegungen zu vermeiden und die Strahlenbelastung so gering wie möglich zu halten, werden die Brüste zwischen Plexiglasplatten fixiert. Das kann etwas schmerzhaft sein.

Wie zuverlässig ist die Mammografie?

Einerseits bleiben etwa fünf bis fünfzehn Prozent der Tumoren trotz regelmäßiger Röntgenuntersuchung unentdeckt. Andererseits können auch harmlose Veränderungen der Brust in der Mammografie verdächtig aussehen. Bis der Krebsverdacht ausgeräumt ist, müssen die Betroffenen mit Angst und Unsicherheit leben und unnötige Untersuchungen über sich ergehen lassen.

Und natürlich schützt die Mammografie nicht davor, Brustkrebs zu bekommen. Selbst wenn Sie regelmäßig zur Früherkennungsuntersuchung gehen, kann in den zwei Jahren zwischen den Untersuchungen ein Tumor entstehen. Das passiert bei ein bis zwei von tausend Frauen, die an Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen.

Was bringt die gynäkologische Untersuchung bei Gebärmutterhalskrebs?

Gebärmutterhalskrebs ist seit der Einführung des gesetzlichen Früherkennungsprogramms in Deutschland seltener geworden. Das Früherkennungsprogramm ist so erfolgreich, weil der Frauenarzt bei der Untersuchung auch Krebsvorstufen entdecken kann. Werden diese rechtzeitig behandelt, entsteht erst gar kein bösartiger Tumor. Wer regelmäßig zum Gynäkologen geht, betreibt also echte Krebsvorsorge.

Zahlt die Krankenkasse die Untersuchung beim Frauenarzt?

Ja. Jede gesetzlich versicherte Frau ab 20 Jahren hat einmal im Jahr Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung beim Frauenarzt. Der Arzt tastet die inneren Organe zunächst durch die Bauchdecke ab. Über die Scheide kontrolliert er Muttermund, Gebärmutterhals und Gebärmutterkörper. Mit einer Vergrößerungslupe, dem so genannten Kolposkop, sieht Ihr Arzt auch kleinste Veränderungen am Gebärmutterhals mit bis zu vierzigfacher Vergrößerung. Obligatorisch ist außerdem ein Zellabstrich.

Was ist ein PAP-Abstrich?

Zu jeder gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung gehört ein Abstrich. Die Bezeichnung "PAP-Abstrich" geht auf den griechischen Arzt George Nicolas Papanicolaou zurück, der die Methode zur Beurteilung von Zellen Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt hat.

Für den Abstrich entnimmt der Frauenarzt mit einer kleinen Bürste Zellen direkt aus dem Muttermund. Diese werden haltbar gemacht und in einem Speziallabor untersucht. Aus der Beschaffenheit der Zellen kann der Arzt auf krankhafte Veränderungen am Gebärmutterhals schließen - im schlimmsten Fall auf einen bösartigen Tumor. Die meisten Veränderungen sind jedoch harmlos. In der Regel folgen dann weitere Kontrollabstriche.

Wie wichtig ist ein Viren-Test?

Der Test auf Papillomviren, der so genannte HPV-Test, ist keine Standardmethode der Früherkennung. Zwar werden diese Viren mit der Krebsentstehung in Verbindung gebracht, aber der Nutzen des Tests ist noch nicht mit Sicherheit belegt - zumal die Virusinfektion an sich momentan nicht behandelbar ist. Der HPV-Test wird deshalb auch nicht von den Krankenkassen bezahlt.

Gibt es eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs?

Ja. Seit Herbst 2006 ist in Deutschland ein Impfstoff gegen so genannte humane Papillomviren (HPV) erhältlich. Die Impfung schützt vor den beiden häufigsten an der Krebsentstehung beteiligten Virustypen.

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut hat sie als Standardimpfung für Mädchen von 12 bis 17 Jahren empfohlen. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung. Die jährliche Früherkennungsuntersuchung beim Frauenarzt kann die Impfung aber nicht ersetzen.

Welche Früherkennungsuntersuchungen gibt es sonst noch?

Einen allgemeinen Check-up beim Hausarzt können alle gesetzlich Krankenversicherten ab 35 Jahren in Anspruch nehmen. Es ist außerdem sinnvoll, Haut und Prostata regelmäßig vom Arzt auf verdächtige Veränderungen untersuchen zu lassen.

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