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E. v. Hirschhausen: Sprechstunde: Müll trennen im Kopf - eine kleine Anleitung zum Glücklichsein

Eckart von Hirschhausen verrät ein verblüffend einfaches Rezept, um ein angeknackstes Selbstbewusstsein innerhalb von drei Sekunden zu stärken und zu heilen.

Glücklich ist, wer zufrieden mit sich selbst sein kann

Glücklich ist, wer zufrieden mit sich selbst sein kann

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"Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind." (Montesquieu)

Mensch, der Montesquieu war schon ein verdammt guter Psychologe. So gern wir uns öffentlich für gute Autofahrer, Liebhaber und Bürger halten, so kritisch gehen wir mit uns im stillen Kämmerchen und im Hinterkopf zu Gericht. Ganz tief in ihrer Seele sind überraschend viele Menschen davon überzeugt, dass sie nicht von sich überzeugt sein dürfen. Sehr verbreitete Gedanken sind: "Ich bin nicht gut genug", und: "Wenn andere wüssten, wie ich wirklich denke und bin, wäre ich nicht liebenswert."

Wir neigen dazu, uns Dinge von innen an den Kopf zu werfen, die wir niemandem von außen durchgehen lassen würden. Aber weil diese Stimmen ja von "innen" kommen, halten wir sie voreilig für höhere Weisheit statt für das, was sie wirklich sind. Ein paar Stimmen unter vielen. Denn, Achtung!, hier kommt eine verblüffend einfache und erfrischend banale Erklärung, die Ihr angekratztes Selbstbewusstsein innerhalb von drei Sekunden stärken und heilen kann: Wir halten uns vor allem deshalb für schlechter als die anderen, weil wir von uns selbst mehr wissen als von den anderen.

Weil dieser Gedanke Ihre Stimmung und Glücksfähigkeit nachhaltig verändern kann, noch mal ganz leise und langsam:

1. Wenn ich gerade etwas sage, kann ich gleichzeitig denken: "Na ja, ganz so einfach ist es nicht. Hoffentlich merkt mein Gegenüber nicht, dass ich selbst daran Zweifel habe", oder gar: "Gestern hab ich noch was ganz anderes gesagt." Sich widersprechende Gedanken sind normal!

2. Von dem Mist, der uns den ganzen Tag durch den Kopf geht, bekommen wir 100 Prozent mit. Von jedem Hin und Her, von jeder Notlüge, von jeder Lust auf etwas Verbotenes, von jedem neidischen, gehässigen und notgeilen Gedanken sind wir selbst Zeuge.

3. Von dem, was die anderen an Mist im Kopf haben, bekommen wir nicht alles mit. Zum Glück! Wir bekommen mit, was die Doofes tun und aussprechen. Das aber sind vielleicht nur 50 Prozent von dem, was die selbst heimlich noch so Doofes gedacht haben.

Weil wir von unserem Gedankenmüll 100 Prozent mitbekommen, von dem der anderen aber nur 50, denken wir: Wir sind doppelt so zugemüllt wie die. Das sind wir aber nicht! Der Rechenfehler basiert schlicht auf der Tatsache, dass wir mit unserem Hirn enger verbunden sind als mit jedem anderen Hirn der Welt.

Gedankenlesen wäre ein Fluch

Wie viele Menschen träumen davon, die Gedanken von anderen lesen zu können! Dabei wäre die Gabe kein Segen, sondern ein Fluch. Das ist vergleichbar mit dem Problem der Geheimdienste, die Gespräche mitschneiden. Stundenlang, Megabites auf riesigen Festplatten, ein Datenheuhaufen, bei dem noch nicht mal klar ist, ob es eine Nadel gibt, für die sich die Suche lohnt. Wer soll sich das alles anhören?

Wir sind zwangsläufig unser eigener Geheimdienst, unsere eigenen Abhörer. Wir können den Gedankenstrom im Kopf schwer ausschalten. Dafür braucht es Hilfsmittel, wie Meditation oder Alkohol. Die gesunde Kunst des Glücklichseins besteht darin, was da so im Alltag durch den Kopf quakt, nicht allzu ernst zunehmen. Und sich auch nicht. Mit anderen Worten: Mach dich nicht kleiner als du bist, so groß bist du auch wieder nicht.

Dieser Artikel stammt aus unserem Archiv. Zum Start des Magazins "DR. v. HIRSCHHAUSENS STERN GESUND LEBEN" spielen wir die besten Kolumnen des Arztes.

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