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Wissenschaftsjournalist: Ranga Yogeshwar macht sich Luft: Kritik an Virologen "ein Irrsinn"

Erst waren sie die gefeierten Virus-Erklärer, nun schlägt die Stimmung um: Virologen, die vor einer voreiligen Lockerung der Corona-Beschränkungen warnen, stehen am Pranger. Dem Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar ist nun der Kragen geplatzt.

Ranga Yogeshwar

Der Moderator und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar nimmt die Virologen gegen aufkommende Kritik in Schutz

DPA

Zu Beginn der Coronakrise waren sie die neuen neuen Helden, all jene Welt- und Viruserklärer, die den staunenden Menschen jede Menge noch nie gehörte Erkenntnisse vermittelten: über Kohorten, Reproduktionszeiten, PCR-Tests. Gebannt hing das ganze Land an den Lippen von Christian Drosten, Hendrik Streek, Melanie Brinkmann und wie sie alle heißen.

Doch nun, nach vier Wochen Lockdown, ist die Stimmung offenbar umgeschlagen. Die Warnungen der eben noch gefeierten Wissenschaftler vor einer zweiten Welle verhallen ungehört, stattdessen gieren die Menschen nach Lockerungen. Statt Fanpost erhält Christian Drosten plötzlich Morddrohungen.

"Würden wir die Feuerwehr abschaffen, weil es nicht gebrannt hat?"

Nun ist dem Moderator und Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar angesichts des aufkommenden Virologen-Unmuts der Kragen geplatzt. In einem Gespräch mit "ZDFheute" redet sich der studierte Physiker in Rage: "Statt die Maßnahmen als Erfolg zu feiern und sich über den bislang glimpflichen Verlauf zu freuen, wächst die Kritik an den Experten. Ein Irrsinn: Würden wir die Feuerwehr abschaffen, nur weil es im vergangenen Jahr nicht gebrannt hat?"

In Yogeshwars Wahrnehmung ist die Stimmung in den vergangenen Tagen vom Rationalen ins Emotionale gekippt - befeuert von Politikern wie etwa Armin Laschet. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen hatte sich bei "Anne Will" darüber beklagt, dass die Wissenschaftler ständig ihre Meinung ändern würden und es den Politikern so schwer machten, zu einem klaren Urteil zu kommen.

Solchen Politikern wirft Yogeshwar vor, "sich allzu oft am Volk zu orientieren, an Umfragewerten und Beliebtheitsskalen, statt den Menschen Orientierungshilfen zu geben".

"Wir wünschen uns Erlöser"

Dass die Menschen inzwischen eine große Sehnsucht nach der Rückkehr zur Normalität haben, sei verständlich. "Wir wollen keine analytischen Denker, die uns schlechte Nachrichten verkünden und uns weiterhin einsperren wollen, sondern wünschen uns Erlöser, die uns von der Last dieser ansteckenden Geißel befreien", so Yogeshwar in dem ZDF-Interview.

Aber Aufgabe der Politik sei es gerade, diesen verständlichen Wünschen notfalls auch entgegenzutreten und aufzuklären. ""Es bräuchte jetzt Leadership, also eine aufgeklärte und aufklärende politische Klasse, die in der Lage wäre, den unbequemen Lockdown in seiner Notwendigkeit zu vermitteln und trotz verständlichem Widerstand dafür einzustehen", so Yogeshwar.

Quelle: ZDFheute

kng

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