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H1N1-Welle in Deutschland: Schweinegrippe breitet sich rasant aus

Die Schweinegrippe-Welle hat laut Robert-Koch-Institut Deutschland erfasst. In der vergangenen Woche haben sich 3075 Menschen angesteckt. Das sind fast doppelt so viele wie in der Woche davor.

Die Schweinegrippe breitet sich auch in Deutschland stark aus. Insgesamt sind bislang 29.907 Fälle in Deutschland gezählt worden, allein in der vergangenen Woche mehr als 3000. Das berichtet das Robert-Koch-Institut. 90 Prozent der Infizierten hätten sich im Inland angesteckt. Besonders betroffen seien derzeit Bayern und Mecklenburg-Vorpommern. "Die Welle hat begonnen", sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Jörg Hacker.

Bislang verläuft die Infektion zwar in den allermeisten Fällen milde. "Aber wir sehen zunehmend auch schwere Fälle", sagte der RKI-Präsident. Der Tod einer 48-Jährigen Patientin ohne Vorerkrankungen am Freitag sei angesichts ähnlicher Fälle im Ausland nicht überraschend gekommen. Hacker sagte, es sei nicht ausgeschlossen, dass es zusätzlich zu den bisherigen sechs Todesopfern in Deutschland noch weitere geben werde.

Lassen Sie sich gegen die Schweinegrippe impfen?

Er rief die Bevölkerung daher erneut auf, sich impfen zu lassen. Wichtig sei aber auch die Beachtung von Hygienemaßnahmen wie das mehrfache Händewaschen am Tag und das Vermeiden von Husten und Niesen in Menschenmengen. Noch gebe es keine Notwendigkeit, Großereignisse vorsorglich abzusagen, sagte Hacker. Allerdings müsse man abwarten, wie sich die Krankheit weiter entwickle.

Impfaktion läuft schleppend an

Trotz eines schleppenden Auftakts der bundesweiten Schweinegrippe-Impfung in der vergangenen Woche sehen die Gesundheitsbehörden die größte Aktion dieser Art in der Geschichte des Landes auf einem guten Weg. Die Immunisierung gegen das Virus sei in allen Bundesländern angelaufen, sagte ein Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums. Thüringen hat derzeit den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz inne. Der Sprecher räumte ein, dass der Auftakt mitunter schleppend gewesen sei und dass es vereinzelt schwankende Liefermengen gebe. Das sei aber im Produktionsprozess begründet und von vornherein bekannt gewesen. Von einem Lieferengpass oder Pannen bei der Versorgung könne keine Rede sein.

In den meisten Bundesländern war die Impfaktion vergangene Woche mit der Immunisierung des sogenannten Schlüsselpersonals gestartet. Dazu zählen wichtige Berufsgruppen wie Ärzte, Schwestern, Rettungskräfte und Polizisten. Mitunter konnten sich aber bereits alle Patienten impfen lassen. Der Ministeriumssprecher sprach von einer Impfbereitschaft zwischen 10 und 30 Prozent in dieser Gruppe.

Quarantäne in der Ukraine

Nicht nur in Deutschland ist die Schweinegrippe ein Thema: In der Ukraine wurden Schulen und Kindergärten, Massenveranstaltungen verboten und eine Quarantäne in neun Regionen des Landes ausgerufen. Dabei war es bis Mitte voriger Woche in der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik ganz ruhig in Sachen Grippe. Nun aber überschlagen sich die Akteure plötzlich mit dramatischen Zahlen. Die Grippe habe inzwischen fast 70 Menschenleben gefordert, 255.000 Menschen seien infiziert, teilte das Gesundheitsministerium in Kiew mit. Dramatisch sei die Lage im Westen des Landes um die Region Lwiw (Lemberg). Dabei war unklar, ob es tatsächlich nur um die Schweinegrippe geht.

Bei vielen der Todesfälle laufen die Untersuchungen auf das H1N1-Virus noch. Doch der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko warnte wegen der Schweinegrippe nun sogar vor einer Gefahr für die nationale Sicherheit. Er rief deshalb nicht nur die benachbarten Länder um Hilfe an, sondern auch die EU und die Nato. Der Staatschef erklärte aber nicht, was das Militärbündnis gegen die Epidemie tun könne. Wohl auch wegen der inzwischen weit verbreiteten Panik wollte sich eine Delegation der Weltgesundheitsorganisation WHO am Montag selbst ein Bild von der Lage im Land machen.

Regierungschefin Julia Timoschenko ließ Bildungseinrichtungen und Kindergärten für drei Wochen schließen. Sie verbot auch Veranstaltungen mit größeren Menschenmengen. Die Lage verschärfte sich am Wochenende, als in den Apotheken keine Schutzmasken oder Medikamente mehr zu haben waren.

Als einer der wenigen Politiker warnte Gesundheitsminister Wassili Knjasewitsch seine Kollegen davor, weiter Panik zu verbreiten. "Bei uns gibt es Probleme wie in jedem Land der Erde auch", sagte der Minister. Einige Parlamentarier warfen dem Präsidenten und der Regierungschefin vor, die Schweinegrippe als Wahlkampfthema zu missbrauchen. Die beiden Rivalen treten am 17. Januar 2010 bei der Präsidentenwahl zusammen mit weiteren Kandidaten an. Timoschenko machte deutlich, dass auf keinen Fall der Ausnahmezustand im Land verhängt werden solle. Dies würde die Wahl sonst gefährden.

DPA/AP / AP / DPA

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