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Welt-Hepatitis-Tag: WHO drängt auf weltweite Hepatitis-B-Impfungen bei Neugeboren

Die Zahl der Hepatitis-Fälle steigt weltweit. Das Gefährliche: Viele Infizierte wissen nichts von ihrer Krankheit. Die WHO informiert anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags über den Stand des Kampfs gegen die Gelbsucht.

Marc Bulterys, Leiter des Hepatitis-Programms der WHO

Marc Bulterys, Leiter des Hepatitis-Programms, informiert über die Krankheit und ihre Behandlungsmöglichkeiten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beobachtet die weltweite Hepatitis-Epidemie mit großer Sorge. Auch in wohlhabenderen Ländern ist nach Angaben des Teamleiters des WHO-Hepatitis-Programms Marc Bulterys die Anzahl der Fälle gestiegen. Dies käme unter anderem durch Migration zustande. Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages am Freitag mahnte er in Genf zur Impfung gegen Leberentzündung von Hepatitis B bei Neugeborenen. 

Hepatitis, auch Gelbsucht genannt, kann zu Krebs führen. Die WHO sieht gute Fortschritte, neue Infektionen bis 2030 um 90 Prozent und die Zahl der Todesfälle um 65 Prozent zu reduzieren, sagte Bulterys in Genf. In Deutschland ist die Hepatitis-B-Impfung nach Angaben des Robert Koch-Instituts Bestandteil des Impfprogramms für Säuglinge und Kleinkinder und wird im Alter von zwei Monaten empfohlen. Nur Babys von Müttern mit chronischer Hepatitis B oder unbekanntem Hepatitis-B-Status sollen direkt nach der Geburt geimpft werden. 

Großteil der Infizierten weiß nichts von der Krankheit

Weltweit waren 2015 nach WHO-Schätzungen 71 Millionen Menschen mit Hepatitis C und 257 Millionen mit Hepatitis B infiziert, den beiden bedeutendsten der fünf Hepatitis-Typen. 1,3 Millionen Menschen starben durch die Infektionen, etwa so viele, wie durch Tuberkulose umkamen. Weniger als zehn Prozent der Infizierten wüssten aber überhaupt von ihrer Krankheit.

Die WHO empfiehlt deshalb stärkere Routine-Diagnoseprogramme. "Es gibt keinen Grund, warum Millionen von Menschen noch nicht getestet sind und deshalb die Medikamente nicht bekommen, die sie so dringend benötigen", sagte der Direktor der für HIV und Hepatitis zuständigen Abteilung, Gottfried Hirnschall.

Kampf gegen Hepatitis

Rund 70 Prozent der Hepatitis-Kranken leben nach WHO-Angaben in 28 Ländern, darunter China, Indien, Südafrika und Brasilien. 89 Prozent der Länder hätten den Kampf gegen die Hepatitis inzwischen zur Priorität gemacht. 30 Prozent der Infektionen passieren durch falschen Spritzengebrauch.

Gegen Hepatitis C gebe es seit vier Jahren gute Medikamente, die 95 Prozent der Patienten mit einer Dreimonatsbehandlung heilen können. Der Preis dafür sei drastisch auf inzwischen rund 230 Euro gesunken. Nur sieben Prozent der Infizierten wurden 2015 aber behandelt. Die WHO rechnet mit der Zulassung mehrerer weitere Medikamente in naher Zukunft. Bei Hepatitis B brauchten Patienten lebenslang Medikamente, die teils aber nur noch rund 40 Euro für ein Jahr kosteten.


fri / DPA

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