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Interview

Hitzewelle in Deutschland: Trinken ist das A und O – Mediziner erklärt, wie Sie sich gegen die Hitze wappnen können

36 Grad und es wird noch heißer. Dr. Ulrich Mayer-Runge und seine Kollegen in der Notaufnahme haben derzeit alle Hände voll zu tun. Im Interview mit dem stern erklärt der Mediziner vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, was die Hitze mit dem Körper macht und wie man in tropischen Nächten erholsam schläft.

Hitzewelle – Frau trinkt bei Sonnenschein aus einer Wasserflasche

Trinken ist und bleibt das Wichtigste in heißen Tagen wie diesen (Symbolbild)

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Die nächste große Hitzewelle rollt auf Deutschland zu. Die großen Städte melden erneut Temperaturen weit jenseits der 30 Grad Celsius. Im Westen und Südwesten rechnet der Deutsche Wetterdienst mit Rekordwerten von teils über 40 Grad. Die Luft kühlt sich auch nachts nur noch sehr langsam ab und verharrt an oder über der 20-Grad-Marke. Gesund ist das alles nicht. Doch man kann sich dagegen wappnen und damit verhindern, dass der Kreislauf in die Knie geht. Dr. Ulrich Mayer-Runge ist Koordinator der Zentralen Notaufnahme am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Im Interview mit dem stern erklärt er, was bei großer Hitze im Körper passiert, wie man trotz tropischer Temperaturen gesund schläft und warum die Fenster tagsüber geschlossen bleiben sollten.

Herr Dr. Runge, in diesen Tagen kommt aus der Sahara heiße Luft mit Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius nach Deutschland. Was macht das mit unserem Körper?

Vor allem kann die Hitze zu Herz-Kreislauf-Beschwerden führen. Durch die hohen Temperaturen verlieren wir viel Flüssigkeit. Dazu erweitern sich die Blutgefäße. Bei intensiver Sonneneinstrahlung auf den Kopf droht zudem ein sogenannter Sonnenstich. Dabei fühlen sich die Patienten meist unruhig, viele klagen zudem über Schwindel und Kopfschmerzen, einige müssen sich auch übergeben.

Ab wann spricht man von einem Hitzschlag?

Sobald die Körpertemperatur auf 40 Grad Celsius und darüber steigt. Wir beobachten das häufig an Menschen, die bei diesen Temperaturen noch Sport treiben. Das kann lebensgefährlich sein. Die physische Belastung kombiniert mit der Hitze bringt die Temperatur-Regulation im Körper aus dem Ruder. Wir schwitzen nicht mehr und die Wärme staut sich. Anzeichen für einen Hitzschlag sind ein hoher Puls, Müdigkeit, niedriger Blutdruck aber auch Krämpfe und Halluzinationen. Spätestens dann sollte man aus der Sonne gehen und im Zweifel einen Notarzt rufen.

Wie kann man verhindern, dass es dazu kommt?

Trinken ist das A und O. Für einen gesunden Erwachsenen heißt das, mindestens 2,5 bis drei Liter täglich. Bei körperlicher Aktivität muss durch den zusätzlichen Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen noch etwas hinzu gerechnet werden. Leichte und bequeme Kleidung lässt die Luft am Körper besser zirkulieren, Sonnencreme für die Haut und eine Kopfbedeckung schützen zusätzlich. Vermeiden Sie die Mittagssonne und verlegen Sie sportliche Aktivitäten auf den frühen Morgen oder Abend, wenn es etwas kühler ist.

Die Meteorologen haben auch tropische Nächte mit Temperaturen von über 20 Grad angekündigt. Wie schläft man bei solchen Temperaturen am gesündesten?

In leichter und luftiger Schlafbekleidung, die den Schweiß aufnimmt. Dazu am besten eine dünne Decke oder nur ein Bettlaken. Sinnvoll ist auch, sich etwas zu trinken ans Bett zu stellen. Kein Muss, aber durchaus zu empfehlen, ist eine lauwarme Dusche kurz vor dem Schlafengehen.

Aktuell wird heiß diskutiert, ob man die Fenster in der Wohnung tagsüber schließt, um den Raum kühl zu halten – oder dennoch durchlüftet – wenn man das bei diesen Temperaturen überhaupt so nennen kann. Was ist aus medizinischer Sicht sinnvoller?

Medizinisch sind Raumtemperaturen von 26 bis 28 Grad schlecht. Man schwitzt stark und verliert viel Flüssigkeit. Ich rate dazu, die Fenster nachts und am frühen Morgen zu öffnen, wenn die Außentemperaturen am niedrigsten sind – ansonsten Fenster zu und Jalousien runter, um die direkte Sonneneinstrahlung durch die Fenster zu verhindern. Nachts sollten die Temperaturen möglichst bei ca. 20 Grad Celsius liegen. Das ist aktuell schwer möglich. In diesem Fall sollte in den Schlafräumen aber zumindest die nächtliche Außentemperatur erreicht werden.

Viele Menschen retten sich am Wochenende oder nach der Arbeit ins Freibad oder an einen See, um sich abzukühlen. Stimmt es, dass man nach ausgiebigem Sonnenbad nicht überstürzt ins Wasser springen soll?

Das stimmt. Durch den großen Temperaturunterschied zwischen dem aufgeheizten Körper und dem kühlen Wasser verengen sich die durch die Hitze weit gestellten Blutgefäße sehr schnell. Dadurch steigt der Blutdruck plötzlich an. Das kann zu ernsten Kreislaufproblemen führen. Im schlimmsten Fall werden wichtige Organe nicht mehr ausreichend durchblutet und es kommt zum Kreislaufversagen. Zudem besteht die Gefahr, dass der Reflex des Luftanhaltens unter Wasser nicht mehr funktioniert. Wir Mediziner sprechen dann von einem Immersionsschock.

Quelle: Universitätsklinikum Eppendorf

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