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Hitzewelle über Deutschland: Ist das noch ein normaler Sommer - oder schon der Klimawandel? Das sagen vier Klimaforscher

In den kommenden Tagen wird es in weiten Teilen Europas extrem heiß, auch in Deutschland. Vier Klimaforscher erklären, ob die Extremtemperaturen noch normal sind - und welchen Einfluss trockene Böden auf Hitzewellen haben.

Die Wettervorhersage für Deutschland kennt aktuell nur eine Farbe: tiefes Rot. In den kommenden Tagen werden nicht nur hierzulande, sondern auch in weiten Teilen Europas extreme Temperaturen erwartet. Vor allem den Westen soll es hart treffen: Im Rhein-Main-Gebiet werden am Mittwoch Spitzenwerte von bis zu 39 Grad erwartet. Auch die Marke von 40 Grad Celsius könnte vereinzelt geknackt werden, befürchten Meteorologen.

Viele Menschen sind wegen der aktuellen Hitzewelle verunsichert: Sind die aktuellen Temperaturen bereits bedrohliche Anzeichen der Erderwärmung? Vier Klimaforscher haben die aktuelle Wetterlage beurteilt - hier sind ihre Einschätzungen.

Prof. Dr. Mojib Latif

Leiter des Forschungsbereiches Ozeanzirkulation und Klimadynamik, Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung (GEOMAR), Kiel

"Einzelne Ereignisse kann man nur schwer dem anthropogenen (menschengemachten; Anm. d. Red.) Klimawandel zuordnen. Man kann aber die Häufung der Ereignisse der Erderwärmung zuschreiben. Deutschlandweit nehmen die Sommertage mit Temperaturen von 25 Grad Celsius und darüber und auch die heißen Tage mit Temperaturen von 30 Grad Celsius und darüber deutlich zu. Das Jahr 2018 hat in dieser Hinsicht viele Rekorde gebrochen."

Prof. Dr. Douglas Maraun

Leiter der Forschungsgruppe Regionales Klima, Wegener Center für Klima und Globalen Wandel, Universität Graz, Österreich

"Die aktuelle Hitzeperiode würde es auch ohne den Klimawandel geben, sie wäre nur (etwas) kälter. Ich schätze, die Temperaturen wären zwischen ein und zwei Grad niedriger – das hängt davon ab, wie sehr die Austrocknung des Bodens durch die höheren Temperaturen im konkreten Fall eine Rolle spielt. Zusätzlich sollte man erwähnen, dass solche Hitzewellen in Zukunft entsprechend heißer werden. Sollten wir jetzt die 40-Grad-Celsius-Marke knacken, würden wir in 100 Jahren vielleicht die 45- oder die 46-Grad-Celsius-Marke knacken."

Dr. Christian Franzke

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsbereich Dynamik und Variabilität des Klimasystems, Universität Hamburg

"Es gab schon immer Hitzewellen. Von daher kann man die jetzt anstehende Hitze-Episode nicht dem Klimawandel zuschreiben. Hitzewellen sind ein natürliches Wetterphänomen. Aber der Klimawandel sorgt dafür, dass die Hitzewellen viel intensiver und heißer werden – einfach dadurch, dass die Temperatur generell angestiegen ist. Für die Intensität von Hitzewellen ist auch der Feuchtegehalt des Bodens von großer Bedeutung; sehr trockene Böden führen zu viel stärkeren Hitzewellen. Die Intensität von Hitzewellen im Sommer kann dadurch schon durch die Niederschlagsmenge, die im vorangegangenen Frühling oder sogar Winter gefallen sind, teilweise bestimmt werden."

Prof. Tapio Schneider

PhD Professor of Environmental Science and Engineering, NASA Jet Propulsion Laboratory Senior Research Scientist, California Institute of Technology, Pasadena, Vereinigte Staaten

"Das Klima erwärmt sich global und Kontinente erwärmen sich schneller als Ozeane. Die Mitteltemperatur in Europa ist inzwischen etwa 1,8 Grad höher als in den 1970er Jahren. Damit werden auch Hitzewellen wärmer. Oder anders gesagt: Eine Temperaturschwelle wie zum Beispiel 40 Grad Celsius wird häufiger überschritten, weil sich der natürliche Bereich der Temperaturschwankungen Richtung warm verschoben hat. Dass solche Temperaturschwellen jetzt häufiger überschritten werden, lässt sich – wie die allgemeine globale Erwärmung – dem Klimawandel zuschreiben. Allerdings spielen nicht nur Treibhausgase eine Rolle: Luftverschmutzung (Smog) reflektiert Sonnenlicht und hat deshalb – als die Verschmutzung stärker war als heute – Europa etwas abgekühlt. Die sauberere Luft heute trägt ironischerweise zur Erwärmung seit den 1970ern bei."

Quelle: Science Media Center

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