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Impfstrategie Urlaub oder Corona-Impfung? In Italien geht ab sofort beides

Touristen essen im Restaurant
Touristen genießen das Essen in einem Restaurants auf der beliebten Via delle Muratte in Rom
© Cecilia Fabiano / DPA
Erst Piks, dann Pasta: In Italien können sich Menschen während ihres Urlaubs unabhängig von ihrem Wohnort gegen Corona impfen lassen. Auch für ausländische Touristen sind das gute Nachrichten.

Deutschland steht vor einem Problem: Die Impfkampagne verliert immer weiter an Fahrt. Auch deswegen, weil viele Menschen ihre Termine absagen, um in den langersehnten Sommerurlaub zu fahren. Dass die Mehrheit der Bevölkerung für den wichtigen Piks im Oberarm nicht auf ihre Reise verzichten will, hat man in Italien verstanden.

Das beliebte Urlaubsland macht vor, wie sich Impfkampagne und Tourismus erfolgreich miteinander kombinieren lassen. Alle Regionen Italiens – vergleichbar mit den deutschen Bundesländern – sind aufgefordert, Menschen unabhängig von ihrem Wohnort zu impfen. An einigen Orten gilt das Angebot auch für Gäste aus dem Ausland.

"Impfsicherheit erhalten und Tourismus fördern"

Mit dem neu von der Regierung Draghi eingesetzten Sonderkommissar für die Covid-Pandemie, Francesco Figliuolo, hat die italienische Impfkampagne in den vergangenen Monaten an Fahrt gewonnen. Knapp 40 Prozent der Bevölkerung ist vollständig gegen Covid-19 geimpft. Bei den Erstimpfungen liegt das 60-Millionen-Einwohnerland fast gleichauf mit Deutschland.

Dieses Tempo will Italien auch über die Urlaubszeit halten und Impfungen so leicht wie möglich machen. Die neue Regelung der Zentralregierung zielt deshalb vor allem auf die Urlaubsregionen. Menschen sollen sorglos in die Ferien fahren können, ohne sich zwischen Urlaub und Corona-Impfung entscheiden zu müssen. 

So konnten sich auf Sizilien in den vergangenen Tagen bereits alle Touristen ohne Anmeldung impfen lassen. Rund um Rom will die Hauptstadtregion Latium Impfbusse einsetzen und zu den wichtigsten Stränden in der Nähe fahren. Ziel sei, "die Mobilität der Menschen zu erleichtern, die Impfsicherheit aufrecht zu erhalten und den Tourismus zu fördern", sagte der zuständige regionale Gesundheitsassessor Alessio D'Amato der ARD.

"Deutsche Freunde sind herzlich willkommen"

Für deutsche Touristen, die einen Urlaub in Italien planen, sind das gute Nachrichten: In einigen Regionen – wie Latium mit der Hauptstadt Rom – können auch Nicht-Italiener ihre Zweitimpfung mit dem Urlaub verbinden. Gesundheitsassessor D'Amato betonte: "Natürlich sind die deutschen Freunde herzlich willkommen, sich bei uns impfen zu lassen. Wir machen dies mit großer Freude und Hilfsbereitschaft."

Neben Latium bieten auch die Regionen Sizilien, Marken, Apulien sowie die Provinz Südtirol Zweitimpfungen für alle an. Im Latium reicht dafür eine Online-Anmeldung, in Sizilien, Apulien, den Marken und Südtirol ist eine Termin-Buchungen über die Hotline und per Mail notwendig. Voraussetzung ist, dass die Impfwilligen ihre erste Dosis bereits bekommen haben, sich mindestens zwei Wochen in Italien aufhalten und der Impftermin in die geplante Urlaubszeit fällt.

Gegen das von der Regierung gewünschte Impfangebot im Urlaub sperren sich bislang noch die Touristenhochburgen Emilia-Romagna (Rimini), Toskana und Kampanien an der Amalfiküste. Die zuständigen Regionalpräsidenten fordern von Regierung zuerst die Zusage für mehr Impfdosen. Der nationale Sonderkommissar Figliuolo zeigte sich jedoch optimistisch, dass in Kürze alle Regionen Impfungen im Urlaub möglich machen.

Impftourismus unerwünscht

Eines wollen die Italiener jedoch nicht: einen ausufernden Impftourismus. Gesundheitsassessor D'Amato warnte, man stoße an seine Grenzen, wenn die Nachfrage zu groß werde. "Im Moment haben wir noch Verfügbarkeiten und diese stellen wir gerne den Bürgern zur Verfügung, die ein paar Wochen Urlaub in Italien verbringen wollen." Bisher habe die Hauptstadtregion bereits rund 68.000 Dosen an Menschen verimpft, die ihren Wohnsitz außerhalb von Latium haben.

Insgesamt ist die Infektionslage in dem Mittelmeerland noch entspannt, die Inzidenz lag am Dienstag bei 8,8. Jedoch breitet sich auch hier die hochansteckende Delta-Variante aus und liegt laut der Viren-Datenbank GISAID mittlerweile bei einem Anteil von rund 32 Prozent.

Als Risikogebiet zählt Italien nach den Kriterien des Auswärtigen Amtes nicht mehr: Wer einreist, muss einen Nachweis über Impfung, Genesung oder einen negativen Test erbringen. Zudem ist ein digitales Einreiseformular erforderlich. Wer auf dem Landweg nach Deutschland zurückreist, muss keine Beschränkungen beachten.

Quellen: "Tagesschau", Johns Hopkins University, mit DPA


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