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Junge Forscher: Schüler veröffentlichen Studie in Fachjournal

Schüler, die sich gesund ernähren, Sport treiben und selten fernsehen, haben bessere Noten. Das zeigt eine neue Studie. Interessanter als die Nachricht selbst ist jedoch das Alter der Autoren. Mit 12 und 14 Jahren sind sie die jüngsten Publizisten in der Geschichte der Deutschen Medizinischen Wochenschrift.

So jung war noch kein Autor, der seine Studie in der renommierten Fachzeitschrift veröffentlichen durfte: Die zwölfjährige Hannah und ihr zwei Jahre älterer Bruder Philipp aus Mannheim haben das Ernährungs- und Bewegungsverhalten von Schülern untersucht - und ihre Studie prompt in der "Deutschen Medizinischen Wochenschrift" publiziert. Der Artikel der beiden jungen Forscher erscheint am 21. Dezember. "Ich gehe davon aus, dass dies die erste Publikation von Autoren in dem Alter in Deutschland, möglicherweise auch weltweit ist", sagt Chefredakteur Martin Middeke.

Der Medizin-Professor hat die Geschwister im Mai kennengelernt, als sie ihre Untersuchung auf einem Kongress der Deutschen Diabetes- Gesellschaft in Hamburg vorstellten. Im Programm war schlicht der Vortrag "Bewegung und Ernährung von Schülern" von "H. und P. Neumann" angekündigt, erinnert sich Middeke. "Es war eine echte Überraschung, als plötzlich die beiden Kids auftraten - zwar angespannt, aber sehr professionell." Nach dem Referat habe er ihnen gleich angeboten, sie könnten die Ergebnisse in der Wochenschrift veröffentlichen. Einen "Kinderbonus" habe es nicht gegeben, betont der Chefredakteur. "Die Arbeit durchlief das übliche Gutachterverfahren."

Es begann als Projekt für "Jugend forscht"

Die umfangreiche Studie habe sich aus einem "Jugend-forscht"- Projekt entwickelt, erzählt Philipp Neumann. In der Zeitung hätten sie einen Artikel über ungesunde Ernährung bei britischen Schulkindern gelesen - "und da wollten wir wissen, wie das bei uns an der Schule ist". Also verteilten die Geschwister 729 Fragebögen an ihre Mitschüler am Mannheimer Lessing-Gymnasium, um Daten rund um Ernährung, Bewegung und Freizeitverhalten zu bekommen. 84 Prozent der Fragebögen kamen zurück - eine erstaunlich hohe Rücklaufquote, wie Wissenschaftler sagen. Mit Unterstützung einer Statistikerin werteten Hannah und Philipp die Bögen aus.

Besonders viel Spaß habe ihm gemacht, "dass so viele Schüler so begeistert mitgemacht haben", erzählt der 14-Jährige. "Und außerdem wollen wir an unserer Schule etwas bewegen", etwa Geld auftreiben für eine Schulcafeteria - "mit gesunden Sachen wie Suppen und Salaten, die man auch bezahlen kann". Es sei schließlich wichtig, dass man sich gesund ernährt, sagt Philipp, "sonst gehen die Schulnoten den Bach runter". Denn das ist ein Fazit ihrer Studie: Wer sich gesund ernährt und viel Sport treibt, aber wenig Zeit vor dem Fernseher oder dem Computer verbringt, hat in der Schule zugleich bessere Noten. Woran das liegt, haben die Schüler nicht untersucht.

Dass Kinder selbst ihre Gesundheit erforschen, findet Chefredakteur Middeke "ermutigend". "Leider wird eine große Zahl der Kinder und Jugendlichen dieser und künftiger Generationen erstmalig in der Geschichte bereits vor ihren Eltern sterben." Prävention sei daher das Gebot der Stunde, um zu verhindern, dass bereits Kinder am sogenannten Alters-Diabetes oder Bluthochdruck erkranken. "Wir müssen verhindern, dass schon Zehnjährige zehn Kilo Übergewicht haben." Die Untersuchung der beiden Schüler zeige nun sehr schön, dass Gesundheit und Bildung zusammengehören.

An einer neuen Untersuchung basteln die Geschwister im Moment noch nicht. "Das, was wir bisher gemacht haben, ist ja fast nicht mehr zu toppen", sagt Philipp begeistert. Auch seine Schwester findet die Ergebnisse "ziemlich spannend". Der Berufswunsch steht daher bei beiden schon fest: Hannah will Ärztin werden, Philipp Tierarzt.

DPA

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