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Keime im Trinkwasser: 230.000 Erfurter müssen Wasser abkochen

Im Trinkwasser in Erfurt und Umgebung wurden Durchfall-Auslöser gefunden. Die Anwohner müssen Wasser abkochen oder kaufen. Mediziner sehen aber keinen Grund zur Panik.

Colibakterien im Trinkwasser - das kann zum Beispiel nach starken Regenfällen vorkommen. Nach dem Fund von Darmbakterien im Trinkwasser sei die Chlordosierung erhöht worden, um die gesundheitsgefährdenden Erreger abzutöten, sagte eine Sprecherin des Versorgers Thüringen Wasser GmbH in Erfurt. Rund 230.000 Menschen in der Landeshauptstadt sowie einigen Orten der Umgebung sollten ihr Leitungswasser mindestens fünf Minuten lang abkochen, sagte eine Sprecherin der Stadtwerke Erfurt. Dies gelte bis mindestens Donnerstagabend. Wie die Darmbakterien ins Trinkwasser gelangten, war zunächst unklar.

Nach Ansicht eines Mediziners ist der Fund der Bakterien im Trinkwasser aber kein Grund zur Panik. Der Darmkeim komme bei jedem Menschen natürlich vor und löse normalerweise erst bei hohen Konzentrationen Erkrankungen wie Durchfall aus, sagte der Leiter der Klinischen Infektiologie der Uniklinik Jena, Mathias Pletz. "Bei dem ermittelten Wert von 10 Colibakterien je 100 Milliliter müsste ein gesunder Mensch 1000 Liter trinken, um in den Bereich einer gesundheitsgefährdenden Dosis zu kommen", sagte der Professor für Infektiologie. Vorsichtig sollten allerdings alte oder von Krankheiten geschwächte Menschen sein.

Die Gefahr, dass sich Menschen durch mit Darmkeimen verunreinigte Nahrung anstecken, sei in Deutschland gering, sagte Pletz. Trinkwasser darf laut Verordnung in Deutschland keine Colibakterien aufweisen, weil sie ein Indikator für andere, gefährlichere Darmkeime sein könnten. Diese ließen sich durch das vom Amt empfohlene fünfminütige Abkochen jedoch sehr gut abtöten. "Auch die Versetzung des Trinkwassers mit Chlor reicht wahrscheinlich schon zur Abtötung der nachgewiesenen Darmkeime", sagte der Infektiologe.

Nullwert im Trinkwasser vorgeschrieben

"Unter den verschiedenen Gruppen der Colibakterien gibt es auch einige gesundheitsgefährdende", erklärte Pletz. In Ländern wie Mexiko oder Indien lösten bestimmte Stämme auch schon in geringeren Dosen etwa den sogenannten Reisedurchfall aus. Erkrankungen durch Colibakterien seien auch in Deutschland keine Seltenheit - allerdings steckten sich die meisten Patienten an ihren körpereigenen Erregern an. "Bei schwerer Blutvergiftung oder Harnwegserkrankungen sind die eigenen Colibakterien häufig der Auslöser", sagte Pletz.

Mehrere Proben in der Region um Erfurt waren am Wochenanfang positiv auf die Colibakterien getestet worden. "Die Belastung war eher gering, für Colibakterien ist jedoch ein Nullwert im Trinkwasser vorgeschrieben", sagte die Sprecherin. Die Darmbakterien können unter anderem Durchfall auslösen. Sie weisen auf eine fäkale Verunreinigung des Wassers hin.

In einigen Erfurter Supermärkten war am Dienstag Tafelwasser nahezu ausverkauft, ergab eine Nachfrage bei mehreren Supermarktketten. "Wir haben die Meldung auch erst gestern bekommen und bereiten eine Sonderlieferung vor", sagte eine Tegut-Sprecherin. Auch andere Händler wollten zusätzlich Wasser ordern. Einige Gastronomen in Erfurt schenkten keinen Kaffee aus. "Bei vielen Restaurants sind die Kaffeeautomaten direkt an die Wasserleitung angeschlossen. Ein Vorbrühen ist daher oft nicht möglich", sagte die Sprecherin des Thüringer Hotel- und Gaststättenverbandes, Susanne Ritzmann.

jat/DPA / DPA

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