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Gefährlicher Trend Kein Ersatz für Sonnencreme: Freibad in der Schweiz verbietet Speiseöle

Eine Frau sitzt am Pool und cremt ihr Bein mit Sonnencreme ein
Eine Sonnencreme sollte jeder Freibad-Besucher dabeihaben. Speiseöl sollten hingegen in der Küche bleiben.
© Panthermedia / Imago Images
Im Internet kursiert das Gerücht, Speiseöle seien ein natürlicher Ersatz für Sonnencreme – eine gefährliche Fehlinformation. Trotzdem hat sich der Trend so weit verbreitet, dass ein Freibad in der Schweiz sogar ein Verbot ausspricht.

Die Hitzewelle, die Südeuropa schon seit Wochen im Griff hat, soll in dieser Woche auch in Deutschland ankommen. Neben Schatten und Kleidung ist der wirksamste Schutz vor UV-Strahlung bekanntlich Sonnencreme. Der stehen einige Menschen jedoch kritisch gegenüber. Sie befürchten, dass die physikalischen und chemischen Sonnenfilter in den Cremes die Haut schädigen und setzen deshalb auf sogenannten "natürlichen Sonnenschutz".

Speiseöl statt Sonnencreme im Freibad

Einer davon soll Speiseöl sein. Auf Blogs und in sozialen Netzwerken kursiert vermehrt das Gerücht, Olivenöl, Kokosöl und Co. hätten einen ähnlich wirksamen UV-Schutz wie Sonnencremes. Zudem würden die Öle die Haut pflegen und mit Nährstoffen versorgen. Während Letzteres auf einige Öle, wie Kokosöl, zweifelsohne zutrifft, geht deren Sonnenschutz gegen null. Trotzdem hat sich der Trend so weit durchgesetzt, dass ein Freibad in der Schweiz sich gezwungen sieht, ein Verbot auszusprechen.

Wie das Nachrichtenportal "20 Minuten" berichtet, hat das Basler Frauenbad im Eglisee die Mitnahme von Speiseölen offiziell verboten. Ein Schild am Eingang informiert die Besucher darüber. "Es reiben sich vermehrt Damen mit Speiseöl ein", klärt Peter Portmann, Leiter Bäder beim Basler Erziehungsdepartement, auf. "Das hat negative Folgen für das Badewasser und ist deshalb verboten." Und auch für den Menschen kann Öl, wenn es anstelle von Sonnencreme eingesetzt wird, schädliche Konsequenzen nach sich ziehen, wie mehrere Studien zeigen.

Öle sind kein wirksamer Sonnenschutz

Am Center für Geowissenschaften in Akkulam haben indische Geologen mit einem Spektrometer die Durchlässigkeit für Sonnenstrahlen von Kokosöl, Erdnussöl, Riziniusöl, Olivenöl, Neemöl, Sonnenblumenöl, Sesamöl und Lebertranöl gemessen – mit ernüchterndem Ergebnis. Laut der "Pharmazeutischen Zeitung" haben die Ergebnisse den Ölen eine Durchlässigkeit von 60-70 Prozent nachgewiesen. Zum besseren Vergleich haben Dr. Chanchal Deep Kaur und Dr. Swarnlata Saraf von der Ravishankar Shukla Universität in Raipur (Indien) den Lichtschutzfaktor der Öle berechnet.

Eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50
Der Lichtschutzfaktor von Sonnencremes kann sogar bis 75 oder 100 gehen. Bei Speiseölen hingegen liegt er maximal bei 8.
© photothek / Imago Images

Oliven- und Kokosnussöle brachten es auf LSF-Werte von gerade einmal 7–8 – und sind dabei noch die Spitzenreiter. Mandelöl kommt auf einen Lichtschutzfaktor von 4, Senföl auf 2 und Sesamöl bildeten mit einem Wert von 1 das Schlusslicht. LSF-Angaben von teilweise 30-50, die den Ölen im Internet nachgesagt werden, sind laut der "Pharmazeutischen Zeitung" schlichtweg falsch. Ebenso wie die Behauptung, Sonnencremes würden die Vitamin-D-Aufnahme blockieren.

UV-Filter in Sonnencremes wissenschaftlich untersucht 

"Weitere Negativaspekte sind die Schwankungen, denen Naturprodukte unterworfen sind, sowie die Verunreinigungsgefahr wegen fehlender Konservierung", schreibt die "Ärzte Zeitung" über den vermeintlich "natürlichen Sonnenschutz". Sowohl Mediziner als auch das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) weisen ausdrücklich darauf hin, dass bei Sonnencremes keine gesundheitlichen Bedenken bestehen. Sonnencremes enthalten chemische oder mineralische Filtersubstanzen, die die UV-Strahlung von der Haut abschirmen. Diese müssen laut BfR vor der Verwendung auf europäischer Ebene auf gesundheitliche Risiken untersucht und wissenschaftlich bewertet werden.

"Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft sind gesundheitliche Beeinträchtigungen durch diese UV-Filter bei Sonnenschutzmitteln, die in der Europäischen Union erhältlich sind, nicht zu erwarten", heißt es von der Behörde. Auch die Sorge, dass in mineralischen Filtern enthaltene Mikropartikel in die Haut eindringen könnten, lasse sich entkräften. Studien belegen, dass zum Beispiel Nano-Titandioxid in den Formen, wie sie in kosmetischen Mitteln verwendet werden, nicht in den menschlichen Blutkreislauf eindringen können.

Der beste Schutz vor einem Sonnenbrand bestehe darin, die intensive UV-Strahlung der Sonne zu meiden. Bei einem Aufenthalt im Freien sollte die Haut mit Kleidung bedeckt und freie Stellen mit Sonnencreme eingecremt werden – das gilt auch für die Schweiz. "Der beste Sonnenschutz ist Schatten und an zweiter Stelle steht die Kleidung", zitiert "20 Minuten" Stefanie der Bora, Mediensprecherin der Krebsliga Schweiz. "Öle haben keine Filter, die effektiv vor UV-A- und UV-B-Strahlung schützen."

Quellen: "Apotheken-Umschau", "Ärzte Zeitung", Bundesamt für Risikobewertung (I), Bundesamt für Risikobewertung (II), "Pharmazeutische Zeitung", "20 Minuten"

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