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Fragen zur Kindergesundheit: Eine Stunde Schwitzen jeden Tag!

"Haben Sie Fragen zum Thema Kindergesundheit?", hat der stern gefragt. In Teil vier der Serie sagt der Karlsruher Sportwissenschaftler Klaus Bös Eltern größerer Kinder, wie viel Bewegung sein muss und was in der Pubertät zu beachten ist.

Keine Zeit für Sport?

"Meine Kinder sind auf einer Ganztagsschule, die um 16 Uhr endet. Während meine Tochter, 14, im Anschluss noch zweimal pro Woche reiten geht und auch in der Schule Sport-AGs gewählt hat, hängt sich mein 16-jähriger Sohn (nach der Computer-AG) nur noch vor den Computer oder trifft sich mit Freunden zu 'Ballerspielen'. Für Sport habe er keine Zeit, sagt er, und er brauche die Computerspiele als Ausgleich für die Anstrengungen in der Schule. Was soll ich tun?"
Martina Ernst

Antwort:

Die Situation, die Sie beschreiben, ist aus wissenschaftlichen Studien bekannt. Anhand von Bewegungstagebüchern konnte festgestellt werden, dass Kinder im Durchschnitt neun Stunden am Tag sitzen: in der Schule, bei den Hausaufgaben und dann am Abend noch vor Fernseher oder Computer. Das ist zu viel! Mindestens eine Stunde täglich sollten sich Kinder - am besten an der frischen Luft - bewegen und dabei auch ins Schwitzen kommen.

Sie sollten daher unbedingt intervenieren! Passen Sie auf, dass Ihr Einfluss nicht verloren geht, und steuern Sie den Konsum an Computerspielen. Unterbreiten Sie Ihrem Sohn andere attraktive Angebote für den Nachmittag oder die Wochenenden.

Keine Lust mehr auf Sport. Was nun?

"Meine Tochter hat jahrelang sehr engagiert Leichtathletik betrieben, ist zu Wettkämpfen gefahren und war recht erfolgreich. Jetzt ist sie 15 und hat alles hingeschmissen - weil sie jetzt nun mal 'andere Interessen' habe. Soll ich das hinnehmen oder sie zum Weitermachen drängen?"
Petra Brieger

Antwort:

Das Phänomen, das Sie schildern, zeigt sich oft. Gerade in der Pubertät hören viele Mädchen und Jungen auf, viele Vereinsgruppen müssen deswegen in diesem Altersbereich aufgelöst werden. Die Kinder wollen noch einmal etwas anderes ausprobieren, vielleicht auch etwas Verrücktes und vor allem das, was ihre Freunde machen.

Unterstützen Sie in diesem Alter den Selbstfindungsprozess Ihrer Tochter, fragen Sie aber auch nach den Gründen, und werfen Sie daneben einen Blick auf die Aktivitäten ihrer Freunde. Vielleicht möchte sie eine andere Sportart ausprobieren?

Wenn Ihre Tochter jedoch über einen überschaubaren Zeitraum auf Vereinssport verzichten will, sollten Sie darauf achten, dass sie sich im Alltag ausreichend bewegt. Meistens kehren sportliche Kinder später im Erwachsenenalter auch wieder zu den alten Gewohnheiten zurück. So wird sicherlich auch Ihre Tochter wieder zum Sport finden - wenn auch nicht auf Wettkampfebene.

Süßigkeiten als Belohnung für Sport?

"Was halten Sie von dem Belohnungssystem nach dem Motto: Einen Schokoriegel gibt's nur, wenn du dich dafür eine Stunde lang bewegt hast?"
Nur Ardan

Antwort:

Es gelingt am besten, Kinder zu körperlicher Aktivität zu ermuntern, wenn wir als Eltern mit gutem Beispiel vorangehen und auch gemeinsam mit unseren Kindern laufen, wandern, Rad fahren oder Fußball spielen.

Wenn Bewegung Freude macht, muss sie nicht mit einem Schokoriegel belohnt werden. Lob und Belohnung, die für Kinder ja sehr wichtig sind, sollten nicht regelmäßig in Süßigkeiten ausgedrückt werden.

Welcher Sport für Sportmuffel?

"Meine Tochter Pia ist 12 und kommt in die Pubertät. Leider neigt sie dazu, mollig zu werden. Sie isst eben sehr gern Süßes. Ich achte zwar auf ihre Ernährung, würde sie aber gern zu einer Sportart bewegen, bei der sie ein paar Kalorien verbrennen kann. Welche könnte das sein?"
Angela Krause

Antwort:

Die Figur kann sich in der Pubertät - auch bedingt durch den vorherigen extremen Wachstumsschub - ändern, sie pendelt sich jedoch meistens danach wieder ein. Kalorienverbrauch kann durch Sport zwar unterstützt werden, muss aber Hand in Hand mit einer gesunden und mäßigen Ernährung gehen.

Sie sollten mit Ihrer Tochter eine Sportart finden, bei der sie Spaß hat. Klassisches Ausdauertraining gefällt Kindern in der Regel nicht und führt dazu, dass sie die Lust am Sport verlieren. Versuchen Sie also, Ihre Tochter mit altersgerechten Sportarten zu motivieren - zum Beispiel mit Aerobic oder Inlineskaten.

Kann Skateboarden Vereinssport ersetzen?

"Mein 13-jähriger Sohn verweigert jede Art von Vereinssport mit der Begründung, er fahre ja Skateboard. Tatsächlich ist er mit seinen Freunden täglich auf der Halfpipe. Reicht das? Und ist das überhaupt Sport?"
Verena Schneider

Antwort:

Wenn Ihr Sohn jeden Tag Skateboard fährt, ist er sehr aktiv. Er hat dadurch sicherlich eine hervorragende Koordination (Geschicklichkeit, Gleichgewichtsfähigkeit) und verbessert diese ständig. Sein Training an sich ist also schon eine Art Sport.

Nichtsdestotrotz wäre für Ihren Sohn als Ergänzung eine andere Sportart im Verein positiv, da Vereinssport auch lebenslanges Sporttreiben ermöglicht. Am besten würde Ihnen die Motivation dazu natürlich gelingen, wenn auch seine Freunde mitmachen würden.

Doch verzagen Sie nicht, wenn es im Moment nicht klappt, sondern versuchen Sie es nach der Pubertät erneut.

Wie findet man den richtigen Verein?

"Wie finde ich den richtigen Fußballverein für meinen Sohn Sven, 12? Was kann ich erwarten, welches Training ist passend, welches Ziel sollte der Trainer haben?"
Petra Hartmann

Antwort:

Um einen Einstiegsverein für Ihren Sohn zu finden, sollten Sie Ihren Sohn mitreden lassen, da er sich sicherlich nach seinen Freunden richten möchte. Sie sollten zudem zunächst einen Verein in Ihrer Nähe suchen, da es sich zumindest für den Anfang nicht lohnt, weite Strecken auf sich zu nehmen.

Die Fachkompetenz des Trainers können Sie schwer einschätzen; hier muss man auch ein Stück weit Vertrauen haben. Sie merken allerdings relativ schnell, ob es Ihrem Kind gut geht und ob es Spaß hat.

Welcher Sport schadet in der Pubertät?

"Gibt es Sportarten, die in der Pubertät schädlich für ein gesundes Wachstum sein können?"
Melanie Mundt

Antwort:

Grundsätzlich können Kinder in der Pubertät alle Sportarten betreiben, die ihnen Spaß machen. Lediglich intensives Krafttraining mit Geräten sollte sehr behutsam eingesetzt werden.

Mitarbeit: Susanne Bappert / print
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