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Fragen zur Kindergesundheit: Zu viel Sport - geht das?

"Haben Sie Fragen zum Thema Kindergesundheit?", hat der stern gefragt. In Teil drei der Serie sagt der Karlsruher Sportwissenschaftler Klaus Bös, wie Kleinkinder sitzen sollten und warum Mannschaftssport so sinnvoll ist.

Zu viel Sport - geht das?

Meine Tochter, 7, macht seit zwei Jahren Judo und spielt seit einem Jahr Hockey. Nun möchte sie unbedingt auch noch Tennis spielen. Ist das zu viel?
Juliane Horst

ANTWORT:

Es ist schön, dass Ihre Tochter so viel Interesse an Sportarten hat. Sie bekommt dadurch eine breite Förderung und ist sowohl in einer Mannschafts- als auch in einer Individualsportart tätig, was sehr positiv ist.

Mannschaftssportarten sind für die Sozialkompetenz von großer Bedeutung und fördern die Teamfähigkeit. In Einzelsportarten können sich Kinder selbst profilieren und lernen ihre eigenen Grenzen und Möglichkeiten kennen.

Allerdings müssen Sie gut beobachten, ob drei Sportarten auf Dauer nicht doch zu viel sind. Erfahrungsgemäß werden nicht mehr als zwei Sportarten beibehalten.

Wann sollten Kinder laufen können?

Mein Sohn ist 18 Monate alt und läuft noch nicht. Er krabbelt und steht, aber tut keinen Schritt. Muss ich mir Sorgen machen?
Elisabeth Färber

ANTWORT:

Die Entwicklungsverläufe unterscheiden sich oft von Kind zu Kind. Sie sollten also nicht panisch werden, wenn Ihr Kind in dem einen oder anderen Fall Verzögerungen oder Vorsprünge aufzeigt. Da Kinder meistens etwa im Alter von zwölf Monaten laufen lernen, sollten Sie jedoch bei einer der U-Untersuchungen einem Kinderarzt Ihre Beobachtungen schildern und Ihr Kind untersuchen lassen.

X-Beine durch falsches Sitzen?

Mein zweijähriger Sohn sitzt immer mit nach außen und hinten abgeknickten Beinen auf dem Boden. Irgendjemand sagte mir, davon würde er X-Beine bekommen. Stimmt das?
Karolin Gardeta

ANTWORT:

Grundsätzlich ist es gut, wenn Ihr Sohn in dieser Stellung sitzen kann, denn es zeugt von einer gewissen Beweglichkeit. Jede Art von Dauersitzen ist für Kinder, aber auch für Erwachsene, schädlich. Ein variables Sitzen hingegen ist gut. Sie sollten daher Ihrem Kind andere Sitzmöglichkeiten (zum Beispiel den Schneidersitz) beibringen und dafür sorgen, dass es nicht immer in der gleichen Position sitzt.

Was tun mit Sportmuffeln?

Mein neunjähriger Sohn Joschka leidet zurzeit sehr unter den "sportlichen Größen" in seiner 4. Klasse - wenn er zum Beispiel bei den Bundesjugendspielen zu langsam läuft, zu kurz springt, den Ball nicht weit genug wirft. Andererseits gelingt es mir nicht, ihn zu irgendeinem Sport neben dem Schulsport zu motivieren, um seine Ausdauer zu trainieren oder mehr Muskulatur aufzubauen. Was kann ich tun?
Ilona Biastoch

ANTWORT:

Versuchen Sie, Ihren Sohn zu motivieren, mal in einen Sportverein hineinzuschnuppern. Der Sport im Verein ist nicht der gleiche wie in der Schule und könnte ihm durchaus besser gefallen.

Wenn er sich dazu nicht überwinden kann, sollten Sie selbst mit ihm Sport treiben, Freunde hinzunehmen und gemeinsam aktiv sein. Sie können ihm dadurch Spaß an Bewegung vermitteln, ihm helfen zu trainieren und ihn auch in seinem Selbstbewusstsein stärken.

Sport machen - auch ohne Talent?

Mein Sohn Julius, 8, spielt seit einiger Zeit Hockey. Er geht in der Regel gern hin, ist aber beim Training oft unaufmerksam, und mein Eindruck ist, dass er nicht unbedingt talentiert ist. Soll ich ihn trotzdem weitermachen lassen? Und woran erkenne ich überhaupt, ob ein Kind Talent hat?
Tina Cheung

ANTWORT:

Das Wichtigste ist, dass Kinder Spaß an Bewegung und Sport haben, damit sie langfristig aktiv bleiben. Auch wenn Ihnen Ihr Sohn nicht unbedingt talentiert für diese Sportart erscheint, ist das überhaupt kein Grund aufzuhören.

Die Talentfrage kann in der Regel der Übungsleiter oder Trainer beurteilen. Sie ist jedoch für den Freizeitsport kein entscheidender Faktor.

Wie gut sind Indoor-Spielplätze?

Was halten Sie von Indoor-Spielplätzen zum Austoben? Wie kann ich erkennen, ob sie sicher für meine Kinder sind?
Birte Holländer

ANTWORT:

Das Tolle am Spielen sind die Erfahrungen, die Kinder dadurch sammeln. Gerade auch im Freien, wo sie bei unterschiedlicher Witterung zusätzlich ihr Immunsystem stärken. Indoor-Spielplätze können durchaus eine Ergänzung zu den Möglichkeiten im Freien darstellen.

Bewegung hat immer ein Restrisiko, durch das Kinder aber auch lernen, ihre Grenzen einzuschätzen. Eltern sollten daher nicht zu ängstlich sein, sondern den Kindern die Möglichkeiten geben, sich zu entwickeln.

Ist Leistungssport zuviel für Kinder?

Meine Tochter Sidney, 6, betreibt mit großem Ehrgeiz Eiskunstlauf. An fünf Nachmittagen pro Woche geht sie zum Training. Dazu kommen Wettkämpfe. Wie kann ich merken, ob sie sich überfordert?
Virginia Kleinwächter

ANTWORT:

Ihre Tochter betreibt ganz klar Leistungssport, und das ist positiv und muss gefördert werden. Eltern und Trainer haben im Leistungssport eine besondere Verantwortung. Sie sollten Ihre Tochter beobachten: Hat sie Spaß am Training und an den Wettkämpfen? Wirkt sie erschöpft? Wirkt sich ihre Erschöpfung auch auf andere Bereiche im Alltag aus?

Wenn ein Kind in diesem Alter Leistungssport betreibt, müssen die Eltern dazu stehen und das Kind unterstützen. Es wird immer zu Einschränkungen im Alltag kommen, aber natürlich auch zu einem Gewinn in der sportlichen Laufbahn.

Schadet Turnen dem Rücken?

Meine sechsjährige Tochter möchte sich gern im Sportverein zum Geräteturnen anmelden. Ich habe gehört, dass viele Turnübungen nicht gut für den Rücken sind. Stimmt das? Und ab welchem Alter können Muskeln und Rücken Turnen überhaupt aushalten?
V. Schikowski

ANTWORT:

Sport ist gesund, bedeutet aber auch immer eine gewisse Belastung. Studien belegen jedoch, dass Sportler nicht häufiger an Schmerzen am Bewegungsapparat leiden als Nichtsportler.

Wenn sich Ihre Tochter in einem Sportverein zum Geräteturnen anmeldet, sprechen wir ja zunächst von Freizeitsport. Durch das Turnen an Geräten wird sie Erfahrungen sammeln, die sie ohne Geräte nicht erleben könnte. Sie wird ihren Rücken kräftigen, ihre Haltung verbessern und ihren Köper beherrschen lernen. Das sind alles positive Eigenschaften, die Sie ermutigen sollten, Ihrer Tochter diesen Wunsch zu erfüllen.

Was tun bei Angst vorm Wasser?

Meine Tochter, 8, hat sehr spät schwimmen gelernt. Sie hat immer noch Respekt vor dem Wasser und geht ungern ins Schwimmbad. Wie können wir ihr Spaß am Schwimmen vermitteln?
Anne B.ANTWORT: Zunächst ist es nicht sehr spät, mit acht Jahren schwimmen zu lernen. Schrauben Sie Ihre Erwartungen nicht so hoch, und geben Sie Ihrem Kind immer wieder die Möglichkeit, mit Wasser in Verbindung zu kommen. Auch die Haltung der Eltern und natürlich der Freunde zu Schwimmen, Schwimmbad oder Wasser wirkt sich auf das Verhalten der Kinder aus. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind viele Angebote erhält, mit Ihnen oder Freunden ins Schwimmbad zu gehen. Ängstlichkeit hat auch etwas mit Nichtkönnen zu tun. Wenn Ihr Kind immer wieder übt und lernt und dann Erfolgserlebnisse verspürt, wird es auch mehr Spaß am Schwimmen haben.

Was tun bei Fußproblemen?

Mein zweijähriger Sohn hat Plattfüße und X-Beine, außerdem läuft er oft auf den Zehenspitzen. Ist das normal?
Maja Werner

ANTWORT:

Grundsätzlich verändern sich die Füße im Laufe der kindlichen Entwicklung. Sie sollten jedoch mit Ihrem Sohn einen Kinderarzt oder einen Orthopäden aufsuchen, um dem Problem auf den Grund zu gehen und um Ihren Verdacht eines Zusammenhangs mit dem Zehenlauf untersuchen zu lassen. Generell ist das Laufen auf Zehenspitzen nicht schlecht, und es kräftigt zudem die Wadenmuskulatur.

Was ist die optimale Sportart für Kinder?

Gibt es eine optimale Sportart für Kinder, oder sollen Kinder einfach machen, was ihnen Spaß bereitet?
Pamela Schmitz

ANTWORT:

Ja, der Spaß steht bei Kindern absolut im Vordergrund. Ohne diesen werden sie entweder die Sportart wechseln oder ganz aufhören, Sport zu treiben. Grundsätzlich eignen sich Kinderturnen und Leichtathletik gut, um in frühen Jahren den eigenen Körper kennenzulernen und sich vielseitig und ganzheitlich zu bewegen.

Wichtig sind darüber hinaus jedoch auch Mannschaftssportarten, da diese die Teamfähigkeit fördern. Mannschaftssportarten steigern das "soziale Kapital" und erhöhen die Lebenszufriedenheit und das Vertrauen in andere Menschen. Bei der Wahl einer Sportart sollte man jedoch darauf achten, dass die Sportart auch zu dem Kind passt und dass seine Stärken berücksichtigt werden.

Ist Vereinssport unverzichtbar?

Ich selbst habe nie Sport getrieben, war nie in einem Verein. Trotzdem habe ich mich als Kind viel bewegt: laufen, springen, toben. Ich bin heute Anfang 40, laufe Treppen, fahre ab und zu Fahrrad - und bin gesund, schlank und glücklich. Meine Kinder, 5 und 7, machen auch keine Anstalten, in einen Verein zu gehen. Das muss doch auch nicht sein, oder?
Beate Lenzen

ANTWORT:

Die Bewegungswelten von Kindern früher und heute sind sehr verschieden. Ihr Beispiel zeigt, dass Sie sich allein durch die Alltagsbewegungen und das Spielen und Toben im Freien ausreichend bewegt haben und sich sowohl motorisch als auch gesundheitlich gut entwickeln konnten.

Heute haben Kinder jedoch immer seltener die Möglichkeit, unbeaufsichtigt draußen zu spielen. Es bilden sich in der Regel nur noch selten Gruppen zum Toben im Freien, da auch die Attraktivität der Spielsachen für den Innenraum gestiegen ist. Zudem werden Kinder oft - auch bedingt durch die größeren Wegstrecken und die stark befahrenen Straßen - von einem zum anderen Ort mit dem Auto gefahren. Sie müssen nun selbst einschätzen, wie die Bewegungswelt für Ihre Kinder im Vergleich zu Ihrer eigenen aussieht.

Sind Ihre Kinder im alltäglichen Leben eher eingeschränkt, sollten Sie sie neugierig auf Vereinssport machen, aber auch gemeinsam mit ihnen regelmäßig aktiv sein. Oft klappt dies noch besser, wenn Sie die Freunde Ihrer Kinder und deren Eltern mit einbeziehen.

Null-Bock-Phasen akzeptieren?

Mein achtjähriger Sohn wollte unbedingt Judo machen - wie seine Freunde. Ich habe ihn angemeldet und einen Anzug gekauft. Nach nur drei Wochen hat er nun aber schon keine Lust mehr. Soll ich das akzeptieren oder ihn zum Weitermachen bewegen?
Maria Hauser

ANTWORT:

Sie sollten Ihr Kind nach den Gründen fragen, warum es keine Lust mehr hat, zum Judotraining zu gehen, und prüfen, ob Sie die Gründe ausräumen können.

Wenn nicht, und wenn Ihr Kind glaubwürdige Gründe hat, sollten Sie ihm die Möglichkeit geben, in eine andere Sportart hineinzuschnuppern. Wenn Ihr Kind dann Interesse zeigt, sollten Sie mit ihm vor der Anmeldung unbedingt Regeln vereinbaren, damit es nicht ständig die Sportarten wechselt, sondern auch lernt, sich durch schwierige Phasen durchzukämpfen.

Unterstützung: Susanne Bappert / print

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