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Arbeitsunfähigkeit: Kommt jetzt die Teilzeit-Krankschreibung? Warum Psychotherapeuten sie fordern

Bedeutet psychisch krank automatisch arbeitsunfähig? Nein, sagt der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer - und wagt deshalb einen interessanten Vorschlag.

Auf einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung liegt ein Stift

Krankschreibung bei psychischen leiden - künftig auch in Teilzeit?

Getty Images

Die Psychotherapeuten in Deutschland wollen die Krankschreibung flexibler handhaben. Der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Dietrich Munz, schlug vor, dass kranke Arbeitnehmer im Einzelfall künftig auch nur teilweise arbeitsunfähig geschrieben werden können - "also auch zu 25, 50 oder 75 Prozent". Dies könne sinnvoll sein für Menschen, die weder "uneingeschränkt gesund" noch "vollständig arbeitsunfähig" seien, erklärte Munz gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe.    

Gerade bei psychischen Erkrankungen sei es häufig hilfreich, dass Patienten nicht vollständig oder zu lange aus dem Arbeitsprozess ausscheiden, sagte der oberste Standesvertreter der Psychotherapeuten. Arbeit könne zwar belastend sein und zu Arbeitsunfähigkeit führen, sagte Munz. Wenn Arbeit aber funktioniere, "dann hat sie viele positive Seiten und kann zur Gesundung beitragen".    

Psychische Erkrankungen - zweithäufigster Grund für Krankschreibungen

Anlass für die Forderung ist ein Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). In dem Entwurf für das "Gesetz für schnellere Termine und bessere Versorgung" sollen Ärzte verpflichtet werden, ab einer Krankschreibung von sechs Wochen "die Option einer stufenweisen Wiedereingliederung regelmäßig zu prüfen". Die Teilnahme an dieser Maßnahme soll für die Arbeitnehmer freiwillig sein.    

Wenn der Bundesgesundheitsminister über einen schrittweisen Wiedereinstieg in das Arbeitsleben nachdenke, "dann kann man auch beim Krankschreiben flexibler entscheiden", argumentierte Munz. 

Nach Angaben der Krankenkasse DAK hatten psychische Erkrankungen im Jahr 2016 einen Anteil von 17 Prozent am Gesamtkrankenstand. Zu den häufigsten Gründen für eine psychisch bedingte Krankschreibung zählen demnach Depressionen mit 114,4 Fehltagen je 100 Versicherte, gefolgt von Reaktionen auf schwere Belastungen, etwa einen Todesfall in der Familie.

Psychische Erkrankungen sind der zweithäufigste Grund für Krankschreibungen und liegen noch vor Erkältungskrankheiten. An erster Stelle stehen Rückenleiden und andere Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 22 Prozent. Mehr als jeder fünfte Fehltag geht auf das Konto dieser Leiden.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
ikr / AFP

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