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Exotische Kopfschmerzen: Vergnügen wird zu Pein

Manche Kopfschmerztypen sind so ausgefallen, dass sie eigentlich zum Lachen wären, wenn sie den Betroffen nicht solche Schmerzen zufügen würden.

Hot Bath Headache, Turtle Headache, Exploding Head Syndrome… Diese Bezeichnungen muten exotisch an. Trotzdem sind sie wissenschaftlich anerkannte Kopfschmerzformen. Im Vergleich zu Migräne und dem Spannungskopfschmerz sind sie jedoch eher selten. "Diese Kopfschmerztypen sind zwar klinisch beschrieben und von der International Headache Society klassifiziert, für sie gibt es aber keine pathologische Begründung", betont Professor Cornelius Weiller, Leiter der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) in Hamburg.

Ein warmes Bad wirkt entspannend und hilft bei Erkältungen und Muskelkater. Die vermeintliche Wohltat kann aber auch Kopfschmerzen auslösen. Manche Menschen können von einem Bad oder einer Dusche Hot-Bath-Kopfschmerzen bekommen. "Kurz nach der Applikation mit warmem Wasser entsteht ein dumpf-drückender, ziehender Kopfschmerz", erläutert Ingo W. Husstedt von der Abteilung für Neurologie des Universitätsklinikums Münster. Dieser fühle sich so ähnlich an wie ein Spannungskopfschmerz.

Selten, aber schmerzhaft

"Es ist davon auszugehen, dass der Hot-Bath-Kopfschmerz einen eigenständigen, seltenen idiopathischen Kopfschmerz darstellt", schreibt Husstedt in einer Publikation im "MedReport". Idiopathisch bedeutet, dass die Ursachen für die Beschwerden in neurologischen Untersuchungen nicht erkennbar sind. Eine Kernspintomographie zeigt keine Veränderungen im Gehirn. Die Diagnose eines idiopathischen Kopfschmerzes ergibt sich aus dem Gespräch mit dem Arzt. "Sie ist Resultat der erzählenden Medizin", erläutert Husstedt.

Das Gegenteil zum Hoth-Bath-Kopfschmerz ist der Kältekopfschmerz. Er entsteht durch kalte Luft oder kaltes Wasser, besonders wenn der Kopf nicht geschützt ist. In einer schwedischen Studie mussten rund 700 weibliche Testpersonen eiskaltes Wasser durch einen Strohhalm trinken. Jede 13. Frau bekam davon Kopfschmerzen. Kalte Getränke wirken sich auf die Blutgefäße im Mundraum aus, die dann verkrampfen, erklärt Jan-Peter Jansen von der Stiftung Kopfschmerz in Berlin. Das führe zu Schmerzen in Stirnbereich oder an den Schläfen. Husstedt vermutet, dass Hot-Bath- und Kältekopfschmerz mit den Temperaturrezeptoren der Gesichts- und Kopfhaut zusammen hängen. "Eine Überempfindlichkeit der Rezeptoren löst bei Temperaturen, die von der eigenen Körpertemperatur abweichen, Schmerzen aus".

Schlafen in Schildkröten-Stellung

Auch der Turtle-Kopfschmerz ist eine seltene Erkrankung. "Es gibt nur einige Fallberichte", betont Husstedt. Der dumpfe Schmerz tritt auf, wenn Langschläfer nach dem Aufwachen wieder einschlafen und sich dabei die Bettdecke über den Kopf ziehen, um das Tageslicht auszusperren. Für einen Außenstehenden sieht der Schläfer dann aus wie eine Schildkröte. Nach wenigen Stunden lässt der Kopfschmerz von alleine nach. "Wie es zu den Schmerzen kommt, weiß man nicht genau", sagt Weiller.

Besser erforscht, ist der Sexualkopfschmerz. Nach dänischen Studien leiden ein Prozent der Menschen an den Kopfschmerzattacken. "Die Dunkelziffer ist aber sehr hoch", meint Ulrike Bingel von der Kopfschmerzambulanz des UKE. "Vielen ist es peinlich, darüber zu sprechen". Der heftige Schmerz kann vor, während oder nach dem Orgasmus auftreten. "70 Prozent der Patienten erleben einen explosiven Schmerz, der während des Orgasmus auftritt", erklärt Husstedts Kollege Stefan Evers. Andere Patienten klagten über dumpfe Schmerzen in Kopf und Nacken, die mit zunehmender sexueller Erregung anstiegen. Nur fünf Prozent würden nach dem Höhepunkt an Kopfschmerzen leiden.

"Das Exploding Head Syndrome ist im Prinzip kein Kopfschmerz", sagt Husstedt. Die Betroffen hören beim Einschlafen einen lauten Knall im Kopf, begleitet von Lichtblitzen und dem Gefühl, benebelt zu sein. Dem Arzt würden sie dieses Phänomen aber häufig als Kopfschmerz beschreiben. Meistens geht das Exploding Head Syndrome nach einigen Wochen oder Monaten wieder vorbei. Schlafentzug, Übermüdung und psychischer Stress können die Kopf-Geräusche auslösen. "Aber es ist umstritten, woher sie genau stammen", ergänzt Husstedt. Einige Neurologen vermuten zum Beispiel eine funktionelle Störung des Hörsystems.

Irena Güttel