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Lebensmittelpreise steigen: Deutsche müssen tiefer in die Tasche greifen

Butter ist deutlich teurer geworden, der Preis für Obst und Gemüse stark gestiegen. Nur Süßes ist in den letzten fünf Jahren günstiger geworden. Und: 2011 werden sich die Preise erneut erhöhen.

Der Bummel über den Wochenmarkt und die Einkaufstour im Supermarkt belasten das Portemonnaie der Deutschen immer stärker. Die Preise für Nahrungsmittel sind 2010 kräftig gestiegen. Im Dezember kosteten Lebensmittel 3,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag zur Eröffnung der "Internationalen Grünen Woche" mitteilte. Damit wurde im Dezember der stärkste Preisanstieg des Jahres bei Nahrungsmitteln gemessen.

Im Jahresdurchschnitt mussten Verbraucher für ihre Nahrungsmittel 1,6 Prozent mehr bezahlen als 2009. Die Lebensmittelpreise trieben damit die Inflation: Die Verbraucherpreise erhöhten sich 2010 insgesamt um lediglich 1,1 Prozent.

Butter und Obst wurden seit 2005 deutlich teurer

In der Vergangenheit wirkten sich Nahrungsmittelpreise auch mittelfristig preistreibend auf die Gesamtteuerung aus: Mit 13 Prozent Teuerung seit 2005 stiegen sie deutlich schneller als die allgemeinen Verbraucherpreise, die nur um 8,2 Prozent zulegten.

Die größten Preissprünge maßen die Statistiker 2010 bei Speisefetten und -ölen mit plus 8,7 Prozent. Das sei ist in erster Linie auf die Preisentwicklung von Butter (plus 23,7 Prozent) zurückzuführen. Spürbar teurer wurden zudem Obst (plus 5,2 Prozent) und Gemüse (plus 6,3 Prozent). Für Fisch und Fischwaren mussten Verbraucher 3,6 Prozent mehr bezahlen als 2009.

Schleckermäuler leben günstiger

Günstiger waren hingegen Süßwaren (minus 1 Prozent) und vor allem Zucker, dessen Preis um 11,6 Prozent purzelte. Relativ stabil war die Preisentwicklung 2010 bei Brot- und Getreideerzeugnissen (minus 0,3 Prozent gegenüber 2009). Die Preise für Fleisch und Fleischwaren sowie Molkereiprodukte und Eiern zogen nur leicht um jeweils 0,4 Prozent an.

Preise werden auch 2011 steigen

Auch im laufenden Jahr müssen sich die Deutschen auf höhere Lebensmittelpreise einstellen. Am Mittwoch hatten Bauern und Ernährungsindustrie die Zeit vergleichsweise stabiler Preise für beendet erklärt. Grund dafür sei, dass die Agrarrohstoffpreise im Laufe des Jahres 2010 "sprunghaft" gestiegen seien. "Wir haben seit Jahren stabile Preise", sagte Jürgen Abraham, der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Rohstoffe wie Weizen, Mais oder Zucker hätten sich aber extrem verteuert.

Seit Mai 2010 hätten Agrarrohstoffe insgesamt um 40 Prozent zugelegt. "Das kann die Industrie nicht allein wegstecken, irgendwann müssen wir das an die Verbraucher weitergeben." Viele Hersteller hätten bereits Preiserhöhungen angekündigt. Die Lebensmittelpreise waren bereits im Jahr 2007 massiv gestiegen. Auch damals hatte der Boom vor der Finanzkrise zu einem Boom am Rohstoffmarkt geführt. Zwischenzeitlich waren die Rohstoffpreise im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise aber wieder in den Keller gefallen.

swd/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters

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