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An Lepra erkrankt: Frau ohne Hände verliert Anspruch auf Rente, weil sie keinen Fingerabdruck abgeben kann

Eine an Lepra erkrankte Frau in Südindien hat den Anspruch auf ihre Rente verloren, weil sie nicht in der Lage war, ihren Fingerabdruck für den notwendigen Ausweis abzugeben. Ein Krankenhausmitarbeiter sprang der 65-Jährigen nun helfend zur Seite.

Fraru mit Lepra Händen

Die Frau konnte keinen Fingerabdruck mehr abgeben und bekam daraufhin monatelang keine Rente (Symbolbild)

In Indien leidet eine Frau seit Jahren an Lepra, einer chronischen Infektionskrankheit, die unter anderem Haut und Nerven angreift. Die Krankheit hat die Frau verstümmeln lassen, sie hat keine Finger und Zehen mehr und ist erblindet. Monatelang bekommt sie nicht die ihr zustehende Rente, da sie der Regierung weder Fingerabdruck noch Netzhaut-Scan für ihren biometrischen Ausweis übermitteln kann, berichtete die regionale Zeitung "New Indian Express" am Dienstag. 

Sajida Begum ist 65 Jahre alt und wird schon über zehn Jahre im Krankenhaus in Bangalore stationär behandelt. Ohne Finger und Sehkraft ist sie nicht in der Lage, die nötigen Daten für ihren Aadhaar-Ausweis bereitzustellen. Der Staat verweigert ihr kurzum die monatliche von 1000 Rupien, umgerechnet etwa 13 Euro. 

Ohne Aadhaar gibt's kein Geld

"Aadhaar" ist die persönliche Identifikationsnummer für jeden Bürger . Darunter werden biometrische und biographische Daten in einer zentralen Datenbank bei der "Unique Identification Authority of India" (UIDAI) gespeichert. Das System wurde 2009 ins Leben gerufen und ist seit 2016 verpflichtend, um sämtliche Staatsleistungen in Anspruch nehmen zu können.

Sajida Begum besaß nie einen Ausweis, sie kam vor 2009 ins Krankenhaus und hat keine Familienangehörigen, die sich um sie kümmerten, berichtete ein Mitarbeiter aus der Verwaltung. Dr. Ayub Ali Zai beantragte eine Ausnahmeregelung und der Fall - der bei weitem kein Einzelfall ist - kam in die Medien. Drei Monate später sei endlich ein UIDAI-Mitarbeiter gekommen, der die Dame im Krankenhaus aufsuchte, um den Fall zu überprüfen und ihr den neuen Ausweis auszustellen. "Wir konnten feststellen, dass hier ein besonderer Fall vorliegt. Sofern die Personen sehen können, können auch biometrische Daten erfasst werden, die die Maschine erfasst. Nur wenn die Maschine absolut keine Daten erkennt, können Ausnahmen stattgegeben werden", sagte er der Zeitung. Damit war die Sache dann erledigt, Sajida Begum bekam ihre Rente kurz darauf wieder ausgezahlt. 

Was ist Lepra?

Indien ist weltweit das am stärksten von Lepra betroffene Land, die Krankheit kommt vor allem in ländlichen Regionen vor. Lepra begleitet Menschen bereits seit Jahrhunderten: Schon in der Bibel spielte die Krankheit eine Rolle; selbst an Mumien im alten Ägypten wurde der Erreger namens "Mycobacterium leprae" nachgewiesen. Auch heute, tausende Jahre später, ist die stigmatisierte Krankheit entgegen landläufiger Meinung nicht ausgerottet, sie gilt jedoch als heilbar.

1873 wurde das Bakterium entdeckt, das die Krankheit auslöst. Die wird über Tröpfchen übertragen. Auch wenn Lepra nur schwach ansteckend ist, wurden viele Erkrankte wie Aussätzige behandelt und abgeschoben. Der Name leitet sich ab vom griechischen "lepros", was "schuppig" oder "aussätzig" bedeutet - die Haut wird eben auch fleckig und schuppig. Nach und nach sterben die Nerven ab, alles wird taub. Betroffene verlieren ihr Schmerzempfinden und fügen sich oft selbst Verletzungen zu. Die Krankheit äußert sich dann in Geschwüren und Wunden und führt zu Verkrüppelungen und Behinderungen.


dm

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