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Malaria: Afrikas größter Kinderkiller

Malaria tötet in Afrika mehr Kleinkinder als Hunger, Aids oder Bürgerkrieg. Bekämpft wird die Krankheit aber immer noch mit Waffen von gestern.

Wilfred Mbacham beugt sich über eine Emailleschüssel, die halb voll mit Wasser ist. Aus der Nähe lassen sich winzige Larven erkennen, die zu hunderten an der Wasseroberfläche herumwuseln. "Wenn wir den Feind besiegen wollen, müssen wir ihn gut kennen", sagt der Mediziner.

Mbacham leitet ein Forschungszentrum in Kamerun, das sich dem Kampf gegen Malaria verschrieben hat - die Krankheit ist die häufigste Todesursache bei Kleinkindern in Afrika. Während Aids auch im Westen Panik verursacht und damit einen großen Forschungseifer auslöst, wird Malaria in Afrika noch immer mit den Waffen von gestern bekämpft.

Allein in Kamerun leiden jährlich zwei Millionen der 16 Millionen Einwohner an der von Mücken übertragenen Krankheit. Mbacham und seine Kollegen versuchen, den Feind Malaria von allen Seiten einzuzingeln: "Wir erforschen, was die Mücken anzieht, was sie tötet, wie der Krankheitserreger genetisch aufgebaut ist und welche Medikamente gegen ihn wirken."

Malaria verursacht ein Viertel aller Krankheitstage

Die Krankheit hat massive Auswirkungen auf die Volkswirtschaft: Knapp 60 Prozent aller Krankenhauspatienten werden wegen Malaria behandelt, rund ein Viertel aller Krankheitstage der arbeitenden Bevölkerung geht auf ihr Konto. Die Regierung beschränkt sich darauf, an schwangere Frauen Moskitonetze zu verteilen - finanziert durch Spenden und importiert aus Thailand.

Medikamente sind zu teuer

Professor Mbacham ist wütend, dass in Kamerun noch immer Malaria-Medikamente verkauft werden, gegen die der Krankheitserreger längst weitgehend resistent ist. "Die Regierung sagt zwar, dass sie auf eine moderne Kombinationstherapie umsteigen will, aber die Medikamente sind viel zu teuer", sagt er. Während die alten Chloroquin-Tabletten etwa 15 Cent pro Behandlung kosten, müssen für die neuen Tabletten, die Artemisin enthalten, etwa acht Euro bezahlt werden. Die Hersteller müssten dringend ihre Preise senken, damit sich Afrika den Kampf gegen Malaria überhaupt leisten kann, sagt Mbacham.

Neben Mückennetzen und Pillen gibt es noch eine Waffe, die Kamerun und vielen anderen afrikanischen Staaten jedoch tabu ist: Das Besprühen von Wänden mit einem Insektengift, das den Wirkstoff DDT enthält. DDT erinnert in Europa vor allem an vergiftete Äcker. Nach Ansicht mancher Wissenschaftler ist der Einsatz geringer Mengen in geschlossenen Räumen zwar vertretbar. Doch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann sich bislang nicht durchringen, den Einsatz von DDT im Kampf gegen Malaria zu fördern.

Keine Lobby für Patienten

Die Suche nach einem Impfstoff ist indessen noch nicht sehr weit fortgeschritten. Immerhin hat Mbacham mit seinem Team kürzlich einen Wirkstoff in einer Pflanze entdeckt, der die Resistenz eines Erregers gegen das alte Mittel Chloroquin wieder abbauen kann. Doch verglichen mit der Aidsforschung kommt die Malariaforschung nur extrem langsam voran. "Malaria-Patienten haben keine Lobby", meint Mbacham. "Entweder sterben sie als Kleinkinder, oder sie haben sich als Erwachsene an die Malaria-Anfälle gewöhnt."

Ulrike Koltermann/DPA / DPA
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