HOME

Medizin: Welche Klinik ist die richtige?

Seit kurzem müssen alle Krankenhäuser Qualitätsberichte veröffentlichen. Was sie darin verraten müssen, ist wenig. Aber wer die Angaben zu deuten weiß, dem helfen sie, Abteilungen mit erfahrenen Ärzten und besserer Ausstattung zu finden.

Von Silke Umbach

Als der US-Bundesstaat New York 1989 Qualitätsdaten zur Herzchirurgie öffentlich machte, konnte jeder nachlesen, dass das Erie County Medical Center bei Bypass-Operationen eine Sterberate von 17,6 Prozent aufwies. Der Durchschnitt aller Krankenhäuser lag bei 4,87 Prozent. Daraufhin verzichtete das Hospital so lange auf weitere Operationen, bis die Qualität der Behandlung wieder sichergestellt war. Über die Jahre hat sich das Krankenhaus hochgearbeitet und übertraf schließlich sogar den Landesdurchschnitt. Das sind nicht nur nackte Zahlen: Viele Menschen wären heute nicht mehr am Leben, wären die Daten seinerzeit nicht veröffentlicht worden.

Auch deutschen Krankenhäusern ist solche Offenheit erlaubt. Aber sie tun sich schwer damit. Nur wenige haben Todesfallzahlen veröffentlicht wie zum Beispiel die privaten HeliosKliniken (www.helios-kliniken.de). In deren via Internet abrufbaren Qualitätsberichten finden sich umfassende Auskünfte auch über Leistungsspektrum, Personal, Ausstattung, Spezialisierungen und den gebotenen Komfort.

Gäben alle Häuser so umfassend Auskunft, wäre es für Patienten einfacher: Niemand möchte heute bei einer komplizierten Behandlung zum erstbesten Arzt gehen und darauf hoffen, dass der sein Handwerk schon beherrscht. Doch jahrelanges Lobby-Gezerre verhinderte eine Verpflichtung deutscher Krankenhäuser zu auch nur annähernd so großer Offenheit, wie sie in Ländern wie den USA und Großbritannien üblich ist.

Immerhin: Durch eine neue Regelung musste bis zum 31. August jedes Krankenhaus in Deutschland einen Qualitätsbericht erstellen und an die "Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung" (BQS) in Düsseldorf schicken. Die gab die Daten zur Veröffentlichung weiter. Jeder kann sie jetzt im Internet herunterladen.

Das, was so ein Qualitätsbericht enthalten muss, sagt Laien noch recht wenig über die Qualität des betreffenden Krankenhauses. Denn Daten darüber, wie gut und wie oft die Behandlungen gelingen, fehlen im Pflichtteil. Wer Glück hat, trifft bei der Suche nach einer geeigneten Klinik schon auf eine der wenigen, die von sich aus mehr verraten - jeder Krankenhauschef kann in einem freiwilligen Berichtsteil umfassend Auskunft geben.

Mit etwas Mühe und Vorwissen lassen sich aber auch den mageren Pflichtangaben der öffentlichkeitsscheuen Spitäler nützliche Hinweise über deren Stärken und Schwächen entnehmen. Selbst so banal scheinende Angaben wie die Zahl der behandelten Patienten, die Aufzählung der häufigsten Eingriffe und die angebotenen Geräte und Therapieformen helfen weiter, sobald man mehrere Qualitätsberichte miteinander vergleicht. Im Folgenden steht, wie es geht.

Qualitätsberichte finden

1. Arzt gründlich befragen

Um sich schlau darüber machen zu können, welches Krankenhaus gut ist, sollten Sie sich vom einweisenden Arzt genau beschreiben lassen, woran Sie leiden und wie Sie behandelt werden sollen. Lassen Sie sich sowohl die umgangssprachlichen als auch die fachlichen Bezeichnungen geben. Beispiel: Ein Eingriff heißt fachsprachlich "Ablative Maßnahmen bei Tachyarrhythmie" und umgangssprachlich "Beseitigung von Herzrhythmusstörungen mit einem speziellen Herzkatheter."

2. Fachabteilung feststellen

Um Qualitätsberichte geeigneter Häuser zu finden, müssen Sie wissen, welche Fachabteilung den vorgesehenen Eingriff ausführt. Im Beispielfall ist das die Kardiologie. Vorsicht, es gibt Grenzfälle: Bei Verengungen der Herzkranzgefäße etwa übernimmt eine Behandlung mit dem Ballonkatheter der Kardiologe, eine Behandlung mit Bypässen der Herzchirurg.

3. Nach Krankenhäusern suchen

Kliniken finden Sie mit dem Branchenbuch, einer Arztempfehlung oder einer Internet-Suchmaschine, etwa der Such-Site www.qualitaetsbericht.de, deren Benutzung hier beispielhaft erklärt wird (Weitere Anbieter finden Sie im Kasten am Textende.) Eine geografische Suche um Ihren Wohnort können Sie am einfachsten über die Eingabe der Postleitzahl in das entsprechende Feld beginnen.

Noch besser wird das Ergebnis, wenn Sie eine "erweiterte Suche" durchführen. Sind Sie bereit, für beste Qualität einer Behandlung in einer Abteilung der Inneren Medizin 100 Kilometer Anreise in Kauf zu nehmen? Dann können Sie dies bei den "Sortier-/Filter-Optionen" festlegen. Im Feld "weitere Einschränkungen" können Sie noch genauer eingrenzen, welche Art der internistischen Behandlung Sie benötigen. Im Beispielfall ist es im Bereich "Innere Medizin" eine kardiologische. Lassen Sie nun bei "Abteilungsauswahl verfeinern" nur das Häkchen für "Innere Medizin/Schwerpunkt Kardiologie" stehen. Der Befehl "Weitersuchen" bringt Sie daraufhin zur Ergebnisliste.

Krankenhäuser, die einen Qualitätsbericht bereitgestellt haben, erkennen Sie auf der Liste an den Logos "Q" (für Pflichtberichte) und "E" (für eigene Berichte mit teilweise anderer Struktur). Ein Klick auf das Logo lädt den Bericht auf Ihren Bildschirm.

Qualitätsberichte Lesen

1. Strukturdaten der Klinik

Nach der Einleitung enthält jeder Bericht "Struktur- und Leistungsdaten" des Krankenhauses. Hier steht, mit welchen weiteren Einrichtungen das Krankenhaus kooperiert. Das ist zum Beispiel wichtig, wenn absehbar ist, dass Sie nach der Behandlung eine Rehabilitation benötigen, um wieder fit zu werden.

Dann folgen statistische Daten, sortiert nach einer Kombination aus Buchstaben und Ziffern: Wie viele Betten hat das Krankenhaus (A-1.5)? Wie viele Patienten hat es im Berichtsjahr behandelt (A-1.6)? Welche Fachabteilungen gibt es (A-1.7A)?

Setzen Sie Ihren Fall mit der Größe des Krankenhauses in Beziehung. Dabei gilt: Je komplizierter der Fall, desto eher ist ein Großkrankenhaus die richtige Wahl - etwa eine Universitätsklinik mit ihrer umfassenden Ausstattung und ihren großen Ressourcen an Spezialisten. Von der Regel ausgenommen sind natürlich kleinere Kliniken mit hoher Spezialisierung - eine Fachklinik für Diabetes zum Beispiel.

Ein Blick auf die große Tabelle der "Top-30 DRG" (A-1.7 B) zeigt, welche Behandlungen das Krankenhaus am häufigsten durchführt. Taucht eine Therapie weit oben auf der "Hitliste" auf, ist das ein gutes Zeichen. Denn die Faustregel lautet: Viel ist gut - Operieren ist Übungssache, und mehr Erfahrung ist ein Vorteil.

Die Punkte A-2.1.1 und A-2.1.2 geben Auskunft über die technische Ausstattung und die therapeutischen Möglichkeiten des Krankenhauses. Hier können Sie erkennen, ob etwa ein Herzkatheterlabor vorhanden ist - was Sie bei unserer Beispielsuche speziell nach kardiologischen Fachabteilungen erwarten sollten.

2. Strukturdaten der Abteilung

Eine wichtige Angabe ist die Größe der Abteilung (B-2.4, B-2.5). Hier ist die Zahl und Qualifikation der Ärzte und des Pflegepersonals aufgeführt. Wünschenswert ist eine "vollständige" Fachabteilung mit eigenem Chefarzt. Häufig lässt sich mit einem Seitenblick auf die Krankenhaus-Homepage ermitteln, ob der Stationschef auch noch andere Abteilungen mitmanagen muss. Wenn nicht, sollte man im Krankenhaus direkt nachfragen.

Sehr wichtig ist eine ausreichende Zahl an Fachärzten. Vier sollten es mindestens sein, damit rund um die Uhr spezialisierte Kompetenz - zumindest als Hintergrunddienst - erreichbar ist. Sonst kann es passieren, dass im Notfall fachfremde Mediziner ranmüssen. In kritischen Situationen kann das für den Patienten gefährlich werden.

Ist die Abteilung personalstark genug, gilt es, ihre Arbeitsschwerpunkte anzusehen und zu schauen, ob die erforderliche eigene Behandlung dabei ist - unter den Punkten B-1.5 bis B-2.2: > B-1.5 die (mindestens) zehn häufigsten Behandlungen generell, > B-1.6 die zehn häufigsten HauptDiagnosen (also die Grundkrankheiten, deretwegen behandelt wird), > B-1.7 die zehn häufigsten Operationen und Eingriffe. > B-2.1 und B-2.2 geben Auskunft darüber, welche ambulanten Operationen am häufigsten durchgeführt wurden.

Alle medizinischen Begriffe müssen im Bericht "in umgangssprachlicher Klarschrift" aufgelistet werden - also nicht in Medizinerlatein. Falls Sie in die Verlegenheit kommen, zwischen beiden "Sprachen" hin- und herzuübersetzen, helfen dabei die umfassenden Tabellen der AOK.

Zusätzlich zum Tabellenteil haben die Krankenhäuser die Möglichkeit, im Freitext über die Fortbildung ihrer Spezialisten zu berichten. Vorsicht: In diesem Bereich findet sich häufig wolkiges Marketing.

3. Behandlungsqualität

Der hintere Teil des Berichts enthält Daten zur Qualität der Behandlung oder zumindest zu den Anstrengungen, die das Krankenhaus unternimmt, um diese sicherzustellen. Davon allerdings viel zu wenig. Die BQS - die Stelle, über deren Tisch alle Qualitätsberichte laufen - weiß viel mehr, als den Bürgern verraten wird. Zum Beispiel über die Erfolgsquote bei der Entfernung der Gallenblase: Die Zahl der Eingriffe, bei denen nachoperiert werden muss, liegt laut BQS in deutschen Krankenhäusern zwischen null und 20 Prozent! In welches Krankenhaus man sich besser nicht begibt, weil es in jedem fünften Fall nachbessern muss, wird den Patienten allerdings nicht verraten.

Im BQS-Qualitätsreport 2003 wird zudem von einem Krankenhaus berichtet, bei dem in 42,5 Prozent der Fälle "die geforderten Indikationskriterien als nicht erfüllt dokumentiert wurden". Zu Deutsch: Mehr als zwei Fünftel der Patienten wurden operiert, obwohl nicht nachgewiesen wurde, dass dies nötig war. Wieder gilt: Welches Krankenhaus das war, bleibt der Allgemeinheit vorenthalten. Die BQS mahnt es lediglich sehr diskret zur Besserung.

Recht trocken ist Teil C des Qualitätsberichts, aus dem ersichtlich wird, welche formalen Qualitätssicherungsmaßnahmen das Krankenhaus durchführt. Anschließend hat die Klinik die Möglichkeit, freiwillig mehr zu verraten. So wie die Helios-Kliniken, die in ihren Berichten veröffentlichen, in wie vielen Fällen eine Therapie tödlich endet - und diese Daten mit Zielwerten vergleicht, die zu erwarten wären. Bei den jetzt veröffentlichten Berichten ist solche Offenheit die große Ausnahme. Das könnte sich aber auch ohne Gesetze ändern: Je mehr Patienten die Angaben einfordern und je mehr Kliniken ihre Daten veröffentlichen, desto größer wird der Druck auf Geheimniskrämer.

Vorsicht ist hier bei vorgetäuschter Offenheit angebracht: Wenn einzelne Ergebnisse bekannt gegeben werden, wichtige Daten zu anderen Erkrankungen aber fehlen. In so einem Fall kann ein neugieriger Anruf im Krankenhaus weiterhelfen - die Ansprechpartner müssen im Bericht genannt werden. Aufmerksam werden sollte man auch, wenn im Freitextteil ein Schwerpunkt des Hauses angepriesen wird, geringe Fallzahlen aber eine andere Sprache sprechen. Wird jemand, der im Jahr 15 Fruchtwasseruntersuchungen durchführt, einen Embryo genauso wenig gefährden wie jemand, der täglich zehn macht?

Natürlich gibt es Ausnahmen. Operationen, die in ganz Deutschland pro Jahr nur 500-mal vorkommen, werden in kaum einer Klinik in dreistelliger Zahl durchgeführt. In solchen Fällen ist es wichtig, überregional nach Qualitätsberichten zu suchen und so die führenden Spezialisten zu finden. Das immerhin ist durch die neue Veröffentlichungspflicht wesentlich einfacher geworden.

GesundLeben

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(