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Covid-19-Erkrankung Mediziner über Trump: "Ich hätte ihn nur ungern von meiner Station entlassen"

Trump auf dem Balkon des Weißen Hauses
Die Maske fällt: Kurz nach seiner Rückkehr nahm Donald Trump am Montag den Mundschutz auf dem Balkon des Weißen Hauses ab
© Ken Cedeno / Pool via CNP/MediaP/ / Picture Alliance
US-Präsident Donald Trump ist zurück im Weißen Haus, die Botschaft klar: Covid-19 ist überstanden. Doch ein Mediziner warnt: Die Symptome der Krankheit könnten sich erneut verschlechtern. Die kommenden Tage gelten als besonders kritisch.

Wie steht es um die Gesundheit von US-Präsident Donald Trump? In den vergangenen Tagen war diese Frage nicht immer leicht zu beantworten. Oft schienen sich die offiziellen Angaben des Weißen Hauses und die Insider-Infos aus dem Umkreis des Präsidenten zu widersprechen. Auch die Medikamente, die er erhielt, ließen viele Fragen offen. So gaben seine Ärzte am Sonntag bekannt, dass der Präsident Dexamethason erhalte – ein Kortisonpräparat, das üblicherweise nur bei schweren Covid-19-Verläufen zum Einsatz kommt. Gleichzeitig erklärten sie, der Zustand des Präsidenten habe sich weiter gebessert, er könne womöglich bald entlassen werden. Wie, fragten sich viele Beobachter, passen diese Infos zusammen?

Am Montag schließlich war es soweit: Trump verließ das Militärkrankenhaus Walter-Reed, in dem er zuletzt wegen seiner Corona-Infektion behandelt worden war. Auf dem Balkon des Weißen Hauses salutierte er und zog demonstrativ seinen Mundschutz ab. Die Botschaft dieser Geste könnte deutlicher nicht sein: Trump will das Kapitel seiner Covid-19-Erkrankung abhaken und wieder in den Wahlkampfmodus wechseln.

Mediziner melden Zweifel an schneller Genesung an

Dass Trump vollständig von Covid-19 genesen ist, halten Mediziner rund eine Woche vor dem zweiten TV-Duell mit Herausforderer Joe Biden aber für ausgeschlossen; auch, dass der US-Präsident zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mehr ansteckend ist, gilt als unwahrscheinlich. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Biden hatte bereits angekündigt, das für den 15. Oktober geplante TV-Duell mit Trump aussetzen zu wollen, sollte der Präsident zu diesem Zeitpunkt noch positiv auf das Virus getestet werden. Trump twitterte trotzig: "Ich freue mich auf die Debatte am Donnerstagabend, dem 15. Oktober, in Miami." Und weiter: "Es wird großartig!"

Im Raum steht die Frage, wie lange Covid-19-Patienten nach Symptombeginn noch ansteckend sind. "Wenn sein PCR-Test am Freitag positiv ausfiel und sich am Samstag der letzten Woche mehr Symptome entwickelten, ist er wahrscheinlich immer noch infektiös und scheidet beim Atmen Viren aus", erklärt der Virologe Julian Tang von der University of Leicester. "Wir gehen davon aus, dass die meisten akut erkrankten Covid-19-Patienten bis zu zehn Tage nach Beginn der Symptome noch lebensfähige Viren ausscheiden." Trump habe aber auch recht früh das antivirale Mittel Remdesivir und eine experimentelle Antikörper-Therapie erhalten, was die Dauer der Virus-Ausscheidung signifikant verkürzen könnte, so Tang.

Kritische Phase nach Ende der ersten Krankheitswoche

Der Mediziner David Strain zeigte sich von Trumps früher Rückkehr ins Weiße Haus überrascht. "Bei den meisten Covid-19-Patienten, die wir behandelt haben, besserten sich die Beschwerden im Laufe der ersten Krankheitswoche", so Strain, der als Dozent an der University of Lexeter arbeitet. Doch bei einem nicht unwesentlichen Anteil der Betroffenen würden sich die Symptome zwischen dem siebten und zehnten Krankheitstag wieder verschlechtern. Auch beim britischen Premierminister Boris Johnson sei dies der Fall gewesen. Er musste schließlich intensivmedizinisch behandelt werden. 

"Die meisten Studien deuten darauf hin, dass Personen mit einer symptomatischen Covid-19-Erkrankung während der ersten fünf bis sieben Tage keine Behandlung im Krankenhaus benötigen", so Virologe Tang. Danach könne sich die Erkrankung jedoch weiter verschlechtern, oder aber die Beschwerden besserten sich von allein.

Die Gründe für das erhöhte Risiko am Ende der ersten Krankheitswoche sind noch nicht vollständig geklärt. Doch vieles spricht dafür, dass sich die Infektion nach Ablauf dieser Zeit in die unteren Atemwege verlagern kann. "Meist in der zweiten Krankheitswoche kann sich eine Pneumonie entwickeln", schreibt dazu das Robert Koch-Institut (RKI). Die Lungenentzündung kann dazu führen, dass die Patienten zusätzlichen Sauerstoff benötigen oder an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden müssen.

Medizinische Versorgung rund um die Uhr

Laut Strain befindet sich Trump noch in diesem kritischen Zeitfenster. Und unter der Annahme, dass das Dexamethason aufgrund schwerer Symptome verabreicht wurde, sagt er: "Ich hätte ihn nur ungern von meiner Station entlassen."

"Die meisten Patienten mit Covid-19, die im Krankenhaus waren und eine Behandlung benötigten, wären zum gegenwärtigen Zeitpunkt sicher noch nicht zu Hause oder würden arbeiten – insbesondere dann nicht, wenn sie noch Symptome zeigen und ansteckend sind", betont auch Virologe Tang. Gleichzeitig räumt er ein, dass der Präsident sicher kein "alltäglicher Patient" sei.

Mikrobiologe Andrew Preston warnt indes davor, Trumps Situation mit der von anderen Covid-19-Patienten zu vergleichen. So habe Trump sofortigen Zugang zu Medikamenten gehabt, die für die meisten Patienten kaum zugänglich seien. Außerdem stehe ihm rund um die Uhr ein medizinisches Ärzte-Team mit Experten verschiedenster Fachrichtungen zur Verfügung. Auch biete das Weiße Haus eine medizinische Versorgung an, deren Ausstattung durchaus mit der eines kleineren Krankenhauses zu vergleichen sei. 

Klar ist daher bereits jetzt: Sollte sich Trumps Zustand erneut verschlechtern, steht auch außerhalb der Klinik eine hervorragende medizinische Versorgung für ihn bereit. 

Quellen:Robert Koch-Institut (RKI) / Science Media Centre


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