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Globale Studie Blutige Überraschung: Corona-Impfung kann die Periode verändern

Einfluss der Corona-Impfung auf Periode
Die Menstruation kann nach der Corona-Impfung aus dem Rhythmus kommen.
© Iuliia / Adobe Stock
Die einen werden von einer unerwartet einsetzenden Periode überrascht, andere bluten plötzlich stärker, manche hingegen kaum noch. Nach der Corona-Impfungen sind solche Veränderungen der Menstruation nichts Ungewöhnliches. Ein Grund zur Sorge?

Neu ist die Nachricht nicht. Schon länger ist bekannt, dass eine Corona-Impfung Einfluss auf den weiblichen Zyklus haben kann. Bereits Anfang des Jahres war von vorübergehenden Veränderungen der Menstruation, von stärkeren und ausbleibenden Blutungen, berichtet worden. Gesundheitliche Folgen, einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit oder längerfristige Effekte, habe die veränderte Periode aber nicht, so das Resultat zweier Untersuchungen zum Thema. Und auch die Europäische Arzneimittelbehörde kündigte Mitte Februar an, die Zusammenhänge zwischen Corona-Impfung und Menstruationsstörungen genauer untersuchen zu wollen. Nun liefert eine Studie, die größte dieser Art bisher, neue Erkenntnisse. 

Im Rahmen einer weltweiten Online-Umfrage gaben mehr als 39.000 Menschen im Alter zwischen 18 und 80 Jahren zwischen April und Juli vergangenen Jahres Auskünfte über ihren Menstruationszyklus. Abgefragt wurden dabei auch Transgender-Männer und Frauen nach den Wechseljahren. Alle Teilnehmer:innen waren zum Zeitpunkt der Umfrage vollständig geimpft und gaben an, bis zur Impfung nicht mit Corona infiziert gewesen zu sein. Die Ergebnisse der Kooperationsstudie von Wissenschaftler:innen der Universitäten Illinois at Urbana-Champaign und School of Medicine in St. Louis wurden nun im Fachblatt "Science Advances" veröffentlicht. 

Veränderte Periode nach der Impfung

Demnach sind Veränderungen der Menstruation nach der Impfung keine Ausnahmeerscheinung. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer:innen berichtete von Störungen. 42 Prozent gaben an, in der Folge stärkere Blutungen gehabt zu haben. Es handelte sich dabei um Personen, die normalerweise einen regelmäßigen Zyklus haben. 14 Prozent berichteten von leichteren Blutungen. Andere, die normalerweise nicht menstruieren, hatten ungewöhnliche Blutungen. Menschen, die Langzeitverhütungsmittel nehmen, waren davon zu 71 Prozent betroffen. Auch zwei Drittel der Frauen, die ihre Menopause bereits hinter sich haben, bluteten wieder. Transgender-Männer, die eine geschlechtsangleichende Hormonbehandlung erhielten, berichteten ebenfalls von ungewöhnlichen Blutungen.

Die Ergebnisse der Studie legen außerdem nahe, dass manche Personengruppen stärker von Menstruationsveränderungen betroffen sind als andere. So bluteten oftmals ältere Frauen stärker als gewöhnlich. Auch Menschen, die beispielsweise hormonell verhüten, bereits eine Schwangerschaft hinter sich haben oder an Endometriose leiden, sind häufiger von diesem Phänomen betroffen. Personen, die ohnehin an Impfreaktionen litten wie Fieber und Müdigkeit, hatten auch vermehrt mit einer unregelmäßigen Periode zu tun.

Nach kurzer Zeit wieder alles normal

Die US-Studie gibt der bisherigen Datenlage zum Thema neues Futter. Bahnbrechend neue Erkenntnisse hat sie jedoch nicht geliefert. Bereits Anfang des Jahres erschien die Studie eines Forscherteams der Oregon Health & Science Universität. Die Ergebnisse deuteten bereits zu diesem Zeitpunkt daraufhin, dass sich die Zyklusdauer durch die Corona-Impfung verlängere. Im Schnitt um weniger als einen Tag. In einer norwegischen Studie hatte man zudem herausgefunden, dass auch das Risiko für eine stärkere Regelblutung nach der Impfung steige. Dort hatte man rund 5700 Frauen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren über eine App zu verschiedenen Menstruationsstörungen befragt. In beiden Studien zeigte sich jedoch, dass sich die Menstruation nach kurzer Zeit wieder normalisierte.

Schwankungen der Menstruation sind normal. Auch ohne Impfung. Die Hormonausschüttung kann sowohl von inneren wie äußeren Faktoren beeinflusst werden, dazu zählen unter anderem Stress und Krankheiten. Zwar dauern Zyklen in der Regel etwa 28 Tage, doch die genaue Dauer variiert von Frau zu Frau. Dennoch sollten Frauen ihren Zyklus, wenn sie ungewöhnliche Veränderungen wahrnehmen, im Blick behalten. "Eine signifikante Veränderung des Zyklusintervalls oder des Blutungsprofils rechtfertigt weitere Untersuchungen, um sicher zu sein, dass es keine zugrunde liegende endokrinologische, hämatologische oder anatomische Ursache gibt", erklärt die Reproduktionsendokrinologin Jennifer Kawwass der "New York Times" (NYT). Sie erläutert, dass die Periode wie der Blutdruck oder die Körpertemperatur als weiteres Vitalzeichen betrachtet werden könne. So können Durchbruchsblutungen bei Menschen, die eigentlich nicht mehr menstruieren, ein Hinweis auf Krankheiten wie Gebärmutter- oder Eierstockkrebs sein.

Was verursacht die Menstruationsveränderungen?

Was genau die Periode nach der Impfung aus dem Gleichgewicht bringt, ist noch nicht genau bekannt. Als mögliche Ursache für die Veränderungen nannte das Forscherteam aus Oregon bereits im Januar die Möglichkeit, dass es sich um eine Reaktion des Immunsystems auf den Impfstoff handele. Ein hochgefahrenes Immunsystem könnte sich demnach auf die sogenannte Hypothalamus-Hypophysen-Eierstock-Achse auswirken, die von den Studienautoren als "Autobahn der Kommunikation zwischen Gehirn und Eierstöcken und Gebärmutter" bezeichnet wird. Insbesondere scheint die Produktion von Entzündungsproteinen, den so genannten Zytokinen, die Art und Weise zu stören, wie diese Achse den Zeitpunkt der Menstruationszyklen reguliert.

Die Erstautorin der neuen US-Studie, die biologische Anthropologin Katherine Lee, will mit den Ergebnissen auch die Panik nehmen. "Ich denke, es ist wichtig, dass die Menschen wissen, dass dies passieren kann, damit sie keine Angst haben, nicht schockiert sind und nicht ohne Vorräte [Periodenartikel] dastehen", wird sie in der "NYT" zitiert. Sie weist jedoch daraufhin, dass die Studie nicht ohne Einschränkung zu betrachten ist. So wurden die Ergebnisse nicht mit einer Kontrollgruppe verglichen. Zudem sei es möglich, dass Menschen, die ohnehin Veränderungen an ihrem Zyklus bemerkt hätten, eher an der Umfrage teilnahmen.

Quellen:US-Studie, Studie aus Norwegen, NYT


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