VG-Wort Pixel

Michael Schumacher Der lange Weg aus dem Koma zurück ins Leben


Vier Wochen lag Michael Schumacher im künstlichen Koma, nun holen die Ärzte ihn langsam zurück. Der Prozess kann Wochen dauern, die große Frage ist: Wacht der Patient überhaupt auf?
Von Lea Wolz

Er soll "geblinzelt" oder positiv auf das Aufwachen reagiert haben, doch noch handelt es sich bei diesen Aussagen um Gerüchte. Sicher hingegen ist: Die Ärzte holen Michael Schumacher aus dem künstlichen Koma. "Michaels Narkosemittel werden seit Kurzem reduziert, um ihn in einen Aufwachprozess zu überführen, der sehr lange dauern kann", bestätigte seine Managerin Sabine Kehm.

Vor gut einem Monat wurde der Formel-1-Rekordweltmeister mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma in das Krankenhaus von Grenoble eingeliefert. Kurz darauf versetzen die Ärzte Schumacher in ein künstliches Koma. Das war nötig, um den Hirndruck zu senken und den Stoffwechsel so weit herunterzufahren, dass das Gehirn möglichst wenig Sauerstoff verbraucht. So sollten weitere Schäden an dem Organ vermieden werden.

"In der Aufwachphase werden die Narkosemittel langsam reduziert", sagt Uwe Kehler, Leiter der Neurochirurgie am Asklepios Klinikum in Hamburg-Altona. "Dabei schaut man, was passiert, ob der Patient reagiert und der Kreislauf stabil bleibt." Geduld ist dabei gefragt, diese Phase kann sich über Tage und Wochen hinziehen. "Je länger die Narkose war, desto länger dauert in der Regel auch die Aufwachphase", sagt Kehler.

Dass muss gar nicht daran liegen, dass Komplikationen auftreten: Vielmehr sind die Wirkstoffe der Narkosemedikamente nicht gleich mit dem Absetzen aus dem Körper verschwunden. "Sie haben sich etwa im Fettgewebe angesammelt, die Wirkung kann daher auch zeitverzögert noch anhalten", sagt Kehler.

Die wichtigste Frage: Wacht der Patient überhaupt auf?

Mit etwa vier Wochen war das künstliche Koma bei Schumacher recht lang, das deute auf eine eher schwierige Ausgangslage hin, vermutet der Neurochirurg. "In der Regel wird jemand im Koma gehalten, bis der Hirndruck unter Kontrolle ist." Ist das der Fall, kann der Patient langsam wieder aufgeweckt werden. Ein langes Koma schließe allerdings eine gute Erholung der Hirnleistungen nicht aus, so Kehler. "Die Chancen stehen aber schlechter."

Die große Frage ist nun allerdings: Wird der Patient überhaupt wach oder bleibt er in einem durch die Gehirnverletzungen selbst verursachten Koma? Eine frühe Reaktion - etwa ein Augenblinzeln oder eine Bewegung - werten die Ärzte daher als gutes Zeichen. "Dann kann man hoffen, dass noch mehr kommt", sagt Kehler. Eine Reaktion, spätestens nach einigen Tagen, sei daher wünschenswert.

Mit jedem Tag, der vergeht, können die Ärzte sich auch ein besseres Bild davon machen, wie es um die Entwicklungsmöglichkeiten des Patienten bestellt ist. Reagiert er auf Schmerzreize? Öffnet er die Augen? Ist es möglich, dass er sich bewegt? Dabei sei es nicht ungewöhnlich, dass diese Aufwachphase mit vorübergehenden Verwirrtheitszuständen einhergehe, sagt Kehler - dazu zählen etwa Unruhe, Orientierungsprobleme oder auch Denkstörungen. Auch epileptische Anfälle können auftreten.

Früh-Reha beginnt noch während des Komas

Die Rehabilitation beginnt recht früh: "Noch während des Komas heben und beugen Therapeuten die Arme und Beine vorsichtig, um sie beweglich zu halten", sagt Kehler. Auch das Atmen muss der Patient langsam wieder selbst lernen, wenn er aus der Narkose zurückgeholt und die Beatmungsgeräte abgestellt werden. Der Weg zurück ins Leben verläuft bei jedem anders, für Prognosen im Fall Schumacher sei es deutlich zu früh, sagt Kehler. "Das ist ein langwieriger Prozess." Und für viele bedeutet es erst einmal wieder, grundlegende Fähigkeiten zu erwerben: atmen, schlucken, sprechen, sich bewegen.

Trotz früher und intensiver Therapie bleiben nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma oftmals Einschränkungen zurück, etwa Gedächtnis - oder Konzentrationsstörungen. Auch die Persönlichkeit kann sich verändern. "Nach einer langen und schweren Verletzung ist zu befürchten, dass derjenige, der aufwacht, nie mehr ganz der Alte wird", sagt Neurochirurg Kehler.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker