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Stiftung Warentest: Hoffnung für Millionen Kopfschmerz-Patienten? Das sagt Warentest zur "Anti-Migräne-Spritze"

Migräne ist eine Volkskrankheit. Seit kurzem gibt es ein neues Medikament, das Attacken vorbeugen soll: die "Migräne-Spritze". Was kann das Mittel? Und für wen ist es geeignet? Ein Überblick.

Stiftung Warentest bewertet die Spritze gegen Migräne

Die Experten der Stiftung Warentest haben verschiedene Mittel zum Vorbeugen von Migräne-Attacken bewertet

Getty Images

Die Attacke kündigt sich oft mit einem Flackern an: Im Sichtfeld des Patienten erscheinen Lichtblitze, Flimmer oder Flecken. "Aura" nennt sich dieses Phänomen, unter dem jeder zehnte Migräne-Patient leidet. Danach kommt es zur eigentlichen Migräneattacke: Betroffene klagen über pulsierend-pochende Kopfschmerzen, Übelkeit und reagieren empfindlich auf Licht, Lärm oder Geräusche. Migräne ist eine Volkskrankheit. Ungefähr 10 bis 15 Prozent der Menschen in Deutschland leiden an den wiederkehrenden Schmerzen.

Für sie gibt es nun ein neues Medikament, das Attacken vorbeugen soll: die "Migräne-Spritze". Sie ist seit November in deutschen Apotheken verfügbar und setzt auf ein neues Therapieprinzip: Der Antikörper Erenumab in den Spritzlösungen blockt einen Rezeptor, der an der Entstehung von Migräne beteiligt ist. In der Regel verabreichen sich Patienten das Mittel alle vier Wochen selber. Künftige Attacken sollen so verhindert werden. Doch wie effektiv ist die Spritze wirklich?

Stiftung Warentest urteilt über "Anti-Migräne-Spritze"

Stiftung Warentest hat das Mittel in der aktuellen Ausgabe näher unter die Lupe genommen und die Studienlage geprüft. Das Fazit der Tester fällt zunächst positiv aus, auch wenn es noch offene Fragen bezüglich der Langzeitanwendung gibt. So erwies sich der Antikörper in Zulassungsstudien zwar als gut verträglich - Probleme könnten jedoch auch erst in Langzeitanwendungen an vielen Patienten auffallen, erklärt Warentest. Grundsätzlich sei die Wirkung der Spritze belegt, wenn auch begrenzt.

"Die neuen Mittel wirken, wenn auch in Grenzen", heißt es in der aktuellen Test-Ausgabe. Im Vergleich zu einem Placebo - also einem Scheinmedikament ohne Wirkstoff - konnte Erenumab die Migräneattacken im Schnitt um etwa ein bis drei Tage pro Monat verringern. Grundsätzlich entspricht der Erfolg damit anderen rezeptpflichtigen Vorbeugemitteln, urteilt Warentest. Dazu zählen etwa Betablocker oder Botulinumtoxin.

Patienten sollten zunächst prüfen, ob sie die Attacken mit rezeptfreien Medikamenten in den Griff bekommen, rät Warentest. In einem nächsten Schritt könne der Arzt stärkere Medikamente verschreiben.

"Für ernste Fälle"

"Denkbar ist die Spritze bei häufigen, ernsten Attacken und wenn mehrere andere Vorbeugemittel versagen", heißt es in der aktuellen Test-Ausgabe. Aber selbst bei dieser Patientengruppe scheinen nur etwa 30 Prozent der Patienten "deutlich zu profitieren". Patienten sollten mit ihrem Arzt besprechen, ob das Medikament für sie in Frage kommt. Zu berücksichtigen seien dabei auch die offenen Fragen zur Langzeitverträglichkeit. 

Derzeit forschen mehrere Pharmafirmen an dem Prinzip der vorbeugenden Spritzen. In deutschen Apotheken gibt es aktuell ein Präparat zu kaufen: Aimovig mit dem Antikörper Erenumab. Schon bald könnte noch ein zweites Präparat hinzukommen: Emgality mit dem Wirkstoff Galcanezumab. Die europäische Arzneimittelbehörde empfahl bereits dessen Zulassung. 

Ein gesunder Lebensstil ist wichtig

Migräne-Geplagte sollten sich aber nicht ausschließlich auf die Wirkung von Medikamenten verlassen. Attacken lassen sich beispielsweise mit einem gesunden Lebensstil und einem regelmäßigen Tagesablauf vorbeugen. Manchen Patienten helfen Entspannungsübungen, Yoga oder moderater Ausdauersport. Außerdem ist es hilfreich, nach bekannten Auslösefaktoren zu suchen – und diese konsequent zu meiden.

Quellen:

Stiftung Warentest: Was die Qual lindert

Unerträglicher Kopfschmerz: Diese sieben Tipps helfen Migräne vorzubeugen

ikr

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