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Macht des Mikrobioms: Mehr als die Hälfte unseres Körpers ist nicht menschlich

Unser Körper besteht nur aus menschlichen Zellen? Weit gefehlt! In und auf uns tummeln sich unzählige Mikroorganismen. Sie verändern unser Verständnis über das, was uns als Menschen definiert.

Heimat von Millionen Mikroorganismen: die Haut

Heimat von Millionen Mikroorganismen: die Haut

Getty Images

Sie leben auf uns und in uns: zahllose Mikroorganismen, Bakterien und Hefen. Wie viele es tatsächlich sind, haben Experten nun im Gespräch mit der "BBC" verraten: Demnach besteht die Gesamtzahl aller Zellen unseres Körpers nur zu 43 Prozent aus menschlichen Zellen. Der Rest entfällt auf unsere mikroskopisch kleinen Besiedler. Mit anderen Worten: Mehr als die Hälfte unserer Körpers ist demnach nicht menschlicher Natur. 

"Ihr Körper besteht nicht nur aus Ihnen", erklärt Ruth Ley, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie in Tübingen im Gespräch mit der "BBC". Dies ist keinesfalls schädlich - im Gegenteil. Nach Ansicht der Expertin sind unsere Mitbewohner "essenziell" für unsere Gesundheit. 

Forscher haben sich in den letzten Jahren verstärkt der Erforschung dieser Mikroorganismen verschrieben. Und haben herausgefunden, wie unsere Mitbewohner unseren Körper unterstützen: Auf unserer Haut tummelt sich beispielsweise eine wahre Keimflora, die aus nützlichen, für die Hautabwehr wichtigen Bakterien besteht. Dieser Bakterienteppich übernimmt wichtige Funktionen wie die Immunabwehr und beeinflusst unter anderem die Regulation von Entzündungsvorgängen. 

Lebensraum Darm

Ähnliches ist aus unserem Körperinneren zu berichten - insbesondere dem Darm. Die Darmbakterien, die uns bewohnen, spielen eine wichtige Rolle für unser Immunsystem. Mehr noch: Die richtigen Keime können uns sogar vor Krankheiten schützen. Die Bakterien Bacteroides fragilis interagieren beispielsweise mit unserer DNA und können uns so vor entzündlichen Darmerkrankungen bewahren. Außerdem wird diskutiert, inwiefern bestimmte Bakterienstämme Übergewicht fördern beziehungsweise hemmen können.

"Was uns zu Menschen macht, ist meiner Meinung nach das Zusammenspiel unserer eigenen DNA plus der DNA unserer Darmbakterien", erklärt der Mikrobiologe Sarkis Mazmanian gegenüber der "BBC". "Die Gene unseres Mikrobioms stellen im Grunde genommen ein zweites Genom dar, welches die Aktivität unseres eigenen steigert." Interessant dabei: Das gesamte Genom des Menschen kommt auf rund 20.000 Gene. Zählt man jedoch die Gene der in und auf uns lebenden Mikroorganismen verfügen diese schätzungsweise über zwei bis hin zu 20 Millionen Genen.

"Es wäre naiv zu glauben, dass wir so viel mikrobielles Material mit uns herumtragen, ohne damit zu interagieren", heißt es im BBC-Bericht. Das Bild, das jahrzehntelang über Keime vorherrschte, wandelt sich allmählich: weg vom Feind, hin zum Freund.

+++ Lesen Sie hier, wie Stuhl-Übertragungen Menschen mit schweren entzündlichen Darminfektionen helfen können +++


ikr
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