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Mikrochip-Tabletten zur Patientenüberwachung: Digitale Pille lässt Daten durch den Magen gehen

Was wie die Idee zu einem Science-Fiction-Streifen klingt, wurde von der amerikanischen Arzneimittelbehörde zugelassen: Mikrochips in Pillen, die Daten aus dem Körperinneren an ein Smartphone senden.

Wer regelmäßig Medikamente einnehmen muss, kennt die Situation: Mal vergisst man die Tabletten zuhause, mal fällt einem erst Stunden nach dem eigentlichen Einnahmezeitpunkt auf, dass die Pille noch in der Verpackung ist. In den USA könnte in diesen Fällen bald eine Erinnerungs-SMS vom Arzt kommen: Mit einem in eine Tablette eingebauten Mikrochip können die Mediziner künftig nahezu in Echtzeit informiert werden, ob die Patienten sich an die Einnahme der Medikamente halten. Zudem soll der verschluckbare Mikrochip auch andere Daten aus dem menschlichen Körper sammeln, wie das Wissenschaftsmagazin "Nature" berichtet.

Der Chip hat etwa die Größe eines Sandkorns und ist in eine gewöhnliche Pille eingebaut. Sobald der Sensor in Kontakt mit Magenflüssigkeit kommt, wird er aktiviert und überträgt sodann Informationen wie Herzfrequenz, Körpertemperatur, Bewegungen oder auch eingenommene Substanzen und Medikamente. Diese Daten gelangen über ein auf der Haut aufgeklebtes Pflaster mit Batterie nach außen und werden von dort auf ein Smartphone übermittelt. Sofern der Patient vor der Einnahme des Chips dem zugestimmt hat, werden die Werte dann per SMS oder über das Internet an den behandelnden Arzt weitergeleitet, der die Daten auswerten und kontrollieren kann.

Smart, aber nicht neu

Das sogenannte System der "Smart Pill" mit Pflaster und Smartphone wurde in den USA an unterschiedlichen Krankheitsfällen getestet, wie Tuberkulose, Buthochdruck oder Diabetes. Ende Juli hatte die amerikanische Behörde für Arzneimittelzulassungen (FDA – Food and Drug Administration) der kalifornischen Herstellerfirma "Proteus Digital Health" die offizielle Zulassung erteilt. Bereits Anfang des Jahres sorgte das Unternehmen damit in Großbritannien für Aufsehen, nachdem erste Anwendungen der Tablette Ende 2012 angekündigt wurden.

Laut dem englischsprachigen Wissenschaftsmagazin sind die "Schlauen Pillen" aber keine brandneue Erfindung. So habe die NASA bereits in den 1980er Jahren einnehmbare Thermometer eingesetzt, um die Körpertemperatur von Astronauten zu messen, was später auch im Sport Anwendung fand. Kleine "essbare" Kameras in Tablettenform werden bereits eingesetzt, um die Verdauungsorgane von innen zu fotografieren.

juho
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