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Vollständig geimpft Nach Corona-Tod von Colin Powell: 100 Prozent Schutz gibt es nicht

Colin Powell an Corona-Komplikationen gestorben
Colin Powell war von 2001 bis 2005 Außenminister der Vereinigten Staaten – die Aufnahme entstand im Jahr 2005
© Indranil Mukherjee / AFP
Der frühere US-Außenminister Colin Powell ist an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben – trotz vollständiger Impfung. Der Fall ist tragisch. Aber kein Grund, am Nutzen der Impfungen zu zweifeln. 

Der frühere US-Außenminister Colin Powell ist diese Woche im Alter von 84 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Powell war vollständig gegen das Virus geimpft. "Wir haben einen bemerkenswerten und liebevollen Ehemann, Vater und Großvater und einen großen Amerikaner verloren", heißt es in einem Facebook-Beitrag, mit dem die Familie den Tod des früheren Politikers und US-Army-Veteranen bekanntgab. 

Corona-Tod trotz vollständiger Impfung? Meldungen wie diese können verunsichern und werden von Impfskeptikern genutzt, um Misstrauen gegen die Impfstoffe zu schüren. Für Medizinerinnen und Mediziner sind sie aber keinesfalls überraschend. Ein Blick auf die Daten.

Studie belegt sehr hohe Wirksamkeit

Die aktuellen Impfstoffe bieten grundsätzlich einen sehr sicheren Schutz vor schweren Verläufen und Todesfällen durch Covid-19. Wie gut dieser Schutz ausfällt, zeigte erst kürzlich eine Untersuchung des französischen Epi-Phare-Instituts mit Daten von rund 7,7 Millionen vollständig geimpften Personen ab 50 Jahren und ebenso vielen Ungeimpften. Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca senkten demnach die Zahl zu erwartender schwerer Krankheitsverläufe in dieser Altersgruppe um mehr als 90 Prozent. Ähnlich war die Größenordnung bei Covid-19-bedingten Todesfällen in Kliniken. Wohlgemerkt: Die Studie umfasste ältere Personen ab 50 Jahren, die aufgrund des Alters ohnehin ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe hatten.

Eine 90-prozentige-Risikoreduktion in dieser Altersgruppe bedeutet aber auch: nicht 100 Prozent. In seltenen Fällen können Menschen trotz vollständiger Impfung schwer erkranken und auch sterben.

Einen hundertprozentigen Schutz vor schweren Verläufen oder Tod gibt es in der Medizin nicht – auch nicht bei den anderen gängigen Impfstoffen, etwa gegen Grippe. Jede Person bringt unterschiedliche, individuelle Voraussetzungen mit sich. So kann es passieren, dass eine Impfung oder eine Arznei sehr vielen Menschen großen Nutzen bringt und Leben rettet, während andere hingegen weniger profitieren.

Im Fall der Corona-Impfungen zeichnet sich zunehmend ab, dass die Immunantwort bei Älteren, immungeschwächten Menschen und auch bestimmten Krebspatienten schwächer ausfallen kann. Wie US-Medien berichteten, litt Colin Powell an Parkinson sowie einem Multiplen Myelom, einer Form von Blutkrebs, die unter anderem die Infektanfälligkeit erhöht. Die Erkrankung, die Therapie, aber auch das fortgeschrittene Lebensalter dürften die Wirkung der Impfung deutlich gehemmt haben. 

Impfungen verhinderten bislang Zehntausende Todesfälle in Deutschland

Neu sind diese Informationen nicht. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt längst Booster-Impfungen mit einem mRNA-Impfstoff für Menschen mit Immunschwäche, Personen ab 70 Jahren und medizinisches Personal. Auch sollten Menschen, die den Einmal-Impfstoff von Janssen ("Johnson & Johnson") bekommen hatten, eine zweite Impfung erhalten. Bereits in den Zulassungsstudien zeigte dieser Impfstoff eine etwas geringere Wirksamkeit als die Zweifach-Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca. Mehr als 1,4 Millionen sogenannter Auffrischungsimpfungen hat das Robert Koch-Institut (RKI) bislang in seinem digitalen Impfquotenmonitoring erfasst. Die allermeisten dieser Personen können davon ausgehen, dass dank des "Boosters" schwere Verläufe noch zuverlässiger verhindert werden. Aber auch hier gilt: 100 Prozent Schutz gibt es nicht. 

Bei der Einordnung all dieser Informationen hilft eine weitere Zahl: 38.300. Das ist die Anzahl an Menschen in Deutschland, denen die Corona-Impfung laut einer Modellrechnung und Schätzung des RKI bislang das Leben gerettet hat. Die Zahl der verhinderten Meldefälle wird auf über 706.000 beziffert – die der stationären Patienten auf mehr als 76.600, die der Patienten auf Intensivstation auf 19.600. Die Daten berücksichtigen allerdings nur den Zeitraum bis Ende Juli 2021 und dürften in der Zwischenzeit weiter gestiegen sein. Rund 90 Prozent der Personen, die in den vergangenen Wochen wegen einer Corona-Infektion auf der Intensivstation versorgt werden mussten, waren ungeimpft. 

Todesfälle und schwere Verläufe, die nicht verhindert werden können, erzeugen oft viel Aufmerksamkeit. Schicksale wie das von Colin Powell berühren. Allerdings darf dabei nicht aus dem Blick verloren werden, wie viel Nutzen die Impfstoffe im Kampf gegen Covid-19 bislang erbracht haben und weiterhin bringen.

Die Epidemiologie und Medizin kennt für dieses Phänomen einen Namen: das Präventions-Paradox. Vereinfacht lässt es sich auf folgenden Spruch herunterbrechen: "There is no glory in prevention". Mit Vorbeugen lässt sich kein Ruhm verdienen. 


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