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Neuanfang Wie Sie Ihr Leben in kleinen Schritten ändern

Zeit für einen Neuanfang: Kleine Schritte zeigen oft große Wirkung
Zeit für einen Neuanfang: Kleine Schritte zeigen oft große Wirkung
© iStockphoto
Endlich im Chor singen, eine neue Sportart auszuprobieren, drei Wochen mit dem Rucksack durch Thailand reisen. Kleine Dinge zu ändern, das klingt immer so einfach. Warum tun wir uns bloß so schwer damit?
Von Birgit Schönberger

Oft fehlt uns der Mut zu kleinen Veränderungen. Warum?

Ich weiß ja nicht, was mich im Chor oder beim Aikidotraining erwartet. Vielleicht habe ich noch den Satz des Musiklehrers "Du hast eine Stimme wie ein Reibeisen" im Ohr. Dann kollidiert meine Lust zu singen mit meiner Angst, mich furchtbar zu blamieren und die anderen mit heiseren, schiefen Tönen zu erschrecken. Und beim Aikido plumpse ich vielleicht wie ein nasser Sack auf die Matte, statt elegant zu fallen. Jetzt ist die Frage: Wie wichtig ist es mir? Bin ich bereit, ein Risiko einzugehen? Will ich mir den Spaß am gemeinsamen Singen nicht verderben lassen, schmettere aus voller Kehle und pfeife darauf, was die anderen denken? Wage ich es, beim Training eine schlechte Figur zu machen? Darf ich Anfängerin sein? Herausfinden kann ich es nur, wenn ich es ausprobiere.

Muss ich mir ein konkretes Ziel setzen, um etwas zu verändern, oder genügt schon der Wille zur Veränderung?

Schön wäre es. Ich will etwas verändern, bleibe ganz entspannt auf meinem Sofa sitzen, denke vor mich hin, und wie von Zauberhand stellt sich das gewünschte Ergebnis von selbst ein, ohne dass ich mich vorher festlegen muss, was genau ich wie verändern will und welchen Preis ich zu zahlen bereit bin. Leider ist das magisches Denken und hat mit der Realität wenig zu tun. Der Wille kann zwar bekanntlich Berge versetzen. Aber nur wenn er sich mit Sehnsucht, Ausdauer, Kraft und einem konkreten Bild meines Veränderungswunsches paart, komme ich in die Gänge, gehe Schritt für Schritt, nehme Rückschläge mit Humor und warte nicht mehr darauf, dass ein Wunder geschieht.

Ich habe tatsächlich den Mut gefunden, etwas in meinem Leben zu ändern. Aber trotzdem regt sich permanent in mir ein innerer Widerstand gegen das Neue. Ist das normal?

Wenn ich mich nach einer langen Karriere als Couchpotato aufraffe, endlich Sport zu machen, habe ich wahrscheinlich erst einmal fiesen Muskelkater, müde Beine und miese Stimmung. Von wegen Runners High. Dass sich dagegen Widerstand regt, ist völlig normal, aber nach der fünften Laufrunde kommen allmählich die Endorphine in Schwung, und bei der achten fühlt es sich schon ganz gut an, spätestens unter der Dusche. Ähnlich ist es auch bei anderen Veränderungen, die erst einmal Anstrengung kosten. Wenn der innere Widerstand nach einer Weile unverändert stark bleibt, ist das ein Signal zu prüfen, ob es wirklich ein inneres Ja zur Veränderung gibt oder ich mich zu etwas zwinge, was mir eigentlich gegen den Strich geht. Veränderungsvorhaben, die vor allem kopfgesteuert und nicht mit unseren Bedürfnissen verbunden sind, fühlen sich meist nicht gut an.

Was sind die größten Stolpersteine auf dem Weg zur Veränderung?

Mangelnde Entschlossenheit, mangelnde Ausdauer, zu wenig Frustrationstoleranz, unrealistische Vorhaben und die Erwartungshaltung, das Glück solle sich gefälligst sofort nach den ersten kleinen Schritten einstellen.

Wie groß soll die Veränderung sein?

Wenn ich mich zu Hause unwohl fühle, genügt es dann, meine Wohnung neu zu streichen? Und wenn danach die Unzufriedenheit bleibt, soll ich dann andere Ursachen suchen oder mich aufraffen und umziehen? Seit wann fühlen Sie sich in Ihren vier Wänden nicht wohl? War das von Anfang an so? Oder hat sich etwas verändert? Fällt Ihnen zu Hause die Decke auf den Kopf? Fühlen Sie sich einsam? Können Sie nichts mit sich anfangen? Dann bringt es vermutlich wenig, das Wohnzimmer gelb zu streichen. Oder hat Ihr Unwohlsein tatsächlich mit der Wohnung zu tun? Fehlt Licht? Ist es zu laut? Werden Sie einfach nicht heimisch in Ihrem Viertel oder kommen mit den Nachbarn nicht klar? Wenn Sie zu dem Schluss kommen, dass Sie bei Ihrer Wohnung danebengegriffen haben, sollten Sie sich auf die Suche machen nach einem Ort, der besser zu Ihnen passt.

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