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Neuer Impfweltmeister Dieses südamerikanische Land hängt den Rest der Welt beim Impfen ab

Stolz zeigt die Seniorin Alicia Martinez nach zweimal pieksen ihren Impfausweis: "Yo me vacuno" (zu deutsch: "Ich lasse mich impfen").
Stolz zeigt die Seniorin Alicia Martinez nach zweimal pieksen ihren Impfausweis: "Yo me vacuno" (zu deutsch: "Ich lasse mich impfen").
© Esteban Felix / AP / dpa
Lange Zeit hatte Israel beim Impfen weltweit die Nase vorn. Doch seit dieser Woche gibt es einen neuen Spritzenreiter und der heißt Chile. Wie das südamerikanische Land so schnell vorankommt – und warum es trotzdem nicht nur gut da steht.

Kein Land impft derzeit so schnell wie Chile. Während in vielen Ländern Südamerikas die Impfkampagnen nur schleppend vorankommen, hat der Andenstaat innerhalb der letzten sieben Tage die meisten Menschen pro 100 Einwohnern gegen das Coronavirus geimpft - und damit den vormaligen Impfweltmeister Israel vom Thron gestoßen. "Heute haben wir einen neuen Grund, stolz zu sein: Chile hat den ersten Platz im weltweiten Ranking der (innerhalb der letzten sieben Tage) verabreichten Dosen pro 100 Einwohnern eingenommen", schrieb die chilenische Regierung am Dienstag auf Twitter.

Nach den Daten des Statistikportals "Our World in Data" hat Chile in den vergangenen sieben Tage im Durchschnitt täglich 1,08 Dosen pro 100 Einwohnern geimpft – Israel liegt mit 1,03 knapp dahinter. Seit Beginn der chilenischen Impfkampagne Anfang Februar haben insgesamt 4,1 Millionen Menschen mindestens eine Impfstoff-Dosis bekommen. Das entspricht mehr als 21 Prozent der Bevölkerung des 18-Millionen-Einwohner-Landes. Am Montag registrierte Chile einen Tagesrekord mit 319.014 Geimpften, wie die Zeitung "La Tercera" berichtete.

Chile setzt auf Erfahrung und den chinesischen Impfstoff

Doch Chiles Impferfolg kommt nicht über Nacht. Ganz im Gegenteil. Das chilenische Gesundheitssystem hat viel Erfahrung mit großangelegten Impfkampagnen, erklärte Gesundheitsminister Enrique Paris der spanischen Tageszeitung "El País". Bereits seit 1978 gebe es einen nationalen, "sehr robusten" Impfplan. "In Chile wird niemand geimpft, ohne seinen Namen, seinen Personalausweis und den Impfstoff, den er erhalten soll, zu registrieren", sagte Paris. "So können wir genaue Statistiken führen."

Genau wie Mexiko und Costa Rica gehört Chile zu den Ländern in Lateinamerika, die als erste mit der Impfung der Bevölkerung begonnen und frühzeitig um Impfstoff-Lieferungen verhandelt haben. So gelang es dem vergleichsweise wohlhabenden Andenstaat 35 Millionen Dosen zu garantieren, von denen 10 Millionen bereits eingetroffen sind. Was auffällt: Neben BioNTech/Pfizer, AstraZeneca und Johnson & Johnson stammen die meisten Dosen von dem chinesischen Unternehmen Sinovac.

Chile hat hier einen bemerkenswerten Deal gemacht: Bereits im Mai 2020 beauftragte der konservative Präsident Sebastián Piñera seinen Außenhandelsexperten Rodrigo Yañez mit den Impfstoffherstellern in Verhandlungen zu treten. Dank der guten Beziehungen zu Chinas Präsident Xi Jinping wurde unbürokratisch und zügig ein Vertrag vereinbart: Die chilenische Regierung ermöglicht dem Hersteller Sinovac gemeinsam mit der "Päpstlichen Katholischen Universität von Chile" eine Impfstoff-Studie im Land durchzuführen. Im Gegenzug erhält Chile bevorzugten Zugang zu dessen Vakzin "CoronaVac". Dabei wurden zunächst 60 Millionen Dosen für die nächsten drei Jahren vereinbart. 

Solidaritäts-Spende für Ecuador und Paraguay

Das erste Quartalsziel – fünf Millionen Menschen zu impfen – hat die Regierung nun schon fast erreicht. Bis Ende Juni sollen 80 Prozent der Bevölkerung, circa 15 Millionen Menschen, mindestens eine Dosis bekommen haben. Als eines der ersten Länder weltweit könnte Chile so eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus erreichen. Das Ziel ist bei dem aktuellen Tempo durchaus realistisch – aber auch dringend nötig.

Denn trotz der erfolgreichen Impfkampagne verzeichnet der Andenstaat hohe Infektionszahlen. Zuletzt gab es an mehreren Tagen hintereinander jeweils mehr als 5000 neue Infizierte. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums haben sich in Chile 864.064 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Insgesamt 21.182 Menschen sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Da jedoch längst nicht alle Staaten in Südamerika so gut beim Impfen vorankommen, hat Chile aus Solidarität 40.000 Impfstoff-Dosen an Ecuador und Paraguay geliefert. Die Spende habe "keinen Einfluss" auf den Impfstoff-Bestand oder den Impfplan im eigenen Land, betonte Innenminister Rodrigo Delgado. Das Sinovac-Vakzin ist vor allem für das medizinische Personal in beiden Ländern vorgesehen.

"Danke an die chilenische Kooperation, für das medizinische Personal an vorderster Front", teilte das paraguayische Außenministerium mit – und bestätigte den Erhalt von 20.000 Dosen. "Die chilenische Regierung hat 20.000 Sinovac-Impfstoffe für das Gesundheitspersonal nach Ecuador geliefert. Dies ist ein Zeichen der Solidarität zwischen den Ländern", schrieb auch der ecuadorianische Präsident Lenín Moreno bei Twitter

Weitere Quellen: "Our World in Data", "El País", "La Tercera", DPA

les mit DPA

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