VG-Wort Pixel

USA Forscherinnen finden heraus, warum aufgebrezelte Frauen anscheinend nicht frieren

Wer in sexuell objektivierenden Kulturen lebt, der zieht das Aussehen den Grundbedürfnissen vor, sagen Forschende aus den USA
Wer in sexuell objektivierenden Kulturen lebt, der zieht das Aussehen den Grundbedürfnissen vor, sagen Forschende aus den USA
© Getty Images
Trotz Minusgraden sieht man im Winter trotzdem Frauen, die in Minikleidern und offenen Schuhen ausgehen. Forscherinnen wollen nun den Grund herausgefunden haben, warum viele von ihnen trotz knapper Kleidung nicht frieren. 

Frauen wirken oft verfroren. Im Winter sitzen sie mit dickem Schal, Wollsocken, Tee und einer Wärmflasche auf dem Sofa, weil ihnen angeblich ständig kalt ist – das ist zumindest ein gängiges Klischee. 

Dennoch stehen Frauen trotz Minusgraden gerne in knapper Bekleidung vor dem Club an, Models können stundenlang in Unterwäsche im Freien shooten und manche stapfen sogar in offenen Schuhen durch den Schnee. Forscherinnen der University of Florida haben im "British Journal of Social Psychology" eine Studie veröffentlicht, die erklärt, warum Frauen nicht frieren, wenn sie aufgebrezelt und knapp bekleidet sind. 

Das Schönheitsideal steht über dem Komfort 

Die Studie trägt den Namen "When looking 'hot' means not feeling cold: Evidence that self-objectification inhibits feelings of being cold" (Deutsch "'Heiß' aussehen bedeutet, nicht zu frieren: Beweise, dass Selbstobjektivierung das Kältegefühl hemmt") – und erklärt mit einem Satz eigentlich schon, dass es sich hier um ein psychologisches Phänomen handelt. Dafür wurden 224 Frauen mittels eines Fragebogens befragt, die in einer großen Stadt im Südosten der USA leben und in einem Stadtteil unterwegs waren, der für sein Nachtleben bekannt ist. Zusätzlich wurden die Outfits der Teilnehmerinnen mittels verschiedener Variablen kodiert und in Relation zu ihren Antworten gesetzt. 

Dabei kam heraus: Die Frauen, die dem vorgeschriebenen Schönheitsideal mehr Bedeutung beimessen, sind so sehr mit ihrem Aussehen beschäftigt, dass Grundbedürfnisse an zweiter Stelle stehen. "Vom Korsett bis zur Shapewear, vom Füßebinden bis zu den Stöckelschuhen, die gesellschaftliche Schönheitsnorm wurde stets dem Komfort vorgezogen", erklären die Psychologinnen in dem Paper. 

Frauen seien nicht immun gegen Kälte 

"Ein Beispiel dafür, dass man um der Mode willen Unannehmlichkeiten in Kauf nimmt, findet man heute in Städten auf der ganzen Welt, wo selbst in Winternächten viele Frauen mehr von ihrem Körper preisgeben, als sie bedecken, wenn sie abends ausgehen", schreiben die Wissenschaftlerinnen. Die Forscherinnen betonen, dass Frauen biologisch nicht immun gegen Kälte seien, sondern dass die Erklärung für dieses Phänomen rein psychologischer Natur sei. "Wenn Frauen sich in einem Zustand der Objektivierung befinden, sind sie sich ihres Hungers oder gar ihres Herzschlags weniger bewusst", heißt es in der Publikation.

Wer sich "heiß" fühlt, dem wird nicht kalt 

Obwohl weitere Untersuchungen erforderlich seien, um festzustellen ob die Ergebnisse auf ein reduziertes Bewusstsein per se oder auf eine Verweigerung von Kälteempfinden zurückzuführen seien, biete diese Studie die erste wissenschaftliche Untersuchung darüber, warum in einer sexuell objektivierenden Kultur für viele Frauen "heiß" aussehen bedeutet, nicht zu frieren, heißt es im Fazit der Publikation.

Quelle: Studie aufgerufen über "Researchgate.net"


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker