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Ratgeber Alternativmedizin: Natürlich gegen Heuschnupfen

Tropfende Nase, tränende Augen, heftiges Niesen - für Pollenallergiker beginnt jetzt wieder die Leidenszeit. Doch sie können aufatmen: Gegen die Pein ist ein Kraut gewachsen.

Von Edzard Ernst

Eine wachsende Zahl von Menschen leidet unter Heuschnupfen, in Deutschland inzwischen etwa ein Fünftel der Bevölkerung. Ursächlich ist eine Allergie gegen Pollen. Daher ist die Erkrankung jahreszeitlich gebunden. Die typischen Symptome von Heuschnupfen sind Rötung und Schwellung der Nasenschleimhäute, häufig auch der Augen, lästiges Kribbeln in der Nase, Niesen, Tränenfluss und Nasenlaufen. Häufig treten sie zusammen mit anderen allergisch bedingten Erkrankungen wie einem Ekzem oder Asthma auf.

Die konventionelle Therapie besteht zunächst darin, den Kontakt mit den Pollen zu vermeiden. Das ist leichter gesagt als getan, häufig sind daher Medikamente wie Antihistamine oder Kortikosteroide erforderlich, um die Symptome im Zaum zu halten. Diese können allerdings erhebliche Nebenwirkungen aufweisen und sind zudem nicht immer 100-prozentig wirksam.

Daher ist es kein Wunder, dass sich viele Heuschnupfen-Patienten - nach einer Umfrage mehr als 60 Prozent der in Deutschland Betroffenen - für Mittel und Methoden der Komplementärmedizin interessieren. Was da gegen Heuschnupfen angeboten wird, ist vielfältig - und selbst für Eingeweihte oft verwirrend. Doch ein Teil davon wirkt erwiesenermaßen.

Tesalin nur in der Schweiz zugelassen

Das am besten untersuchte pflanzliche Mittel gegen Heuschnupfen ist ein Extrakt aus Blättern der Gewöhnlichen Pestwurz (Petasites hybridus). Drei gut angelegte klinische Studien zeigen, dass dieses "Phyto" die lästigen Symptome deutlich besser lindert als Plazebos. Zwei Studien belegen ferner, dass die Wirksamkeit nicht hinter der von synthetischen Medikamenten zurücksteht.

Das getestete Mittel ist unter dem Namen Tesalin bislang nur in der Schweiz zugelassen und zudem verschreibungspflichtig. In Deutschland ist es nur auf Privatrezept über internationale Apotheken erhältlich. Auch zu einigen chinesischen Kräutermixturen und zu einem Brennnessel-Extrakt existieren positive Studien; diese Daten sind aber weniger überzeugend als die für Petasites.

Homöopathie ist der vielleicht umstrittendste Bereich der Komplementärmedizin. Skeptikern fällt es schwer, zu glauben, dass diese hochverdünnten Mittel etwas anderes sein könnten als Plazebos. Es gibt jedoch ein Homöopathikum, für dessen Wirksamkeit wissenschaftliche Daten sprechen: Galphimia glauca. Sieben gut angelegte Studien kommen zu dem Ergebnis, dass dieses Mittel die Augen- und Nasen-Symptome bei Heuschnupfen deutlicher reduzieren als Plazebos.

Manche schwören auf die Einnahme von Vitamin E gegen das Leiden - und vielleicht haben sie sogar Recht. Denn eine Studie legt nahe, dass es bei den lästigen Nasen-Symptomen hilfreich sein könnte. Allerdings ist eine einzige Studie noch nicht ausreichend für ein abschließendes Urteil.

Akkupunktur ist zu wenig erforscht

Unter den "nicht-medikamentösen" komplementärmedizinischen Verfahren gegen Heuschnupfen ist die Akupunktur bei weitem am besten untersucht. Insgesamt sieben kontrollierte klinische Studien stehen hier zur Verfügung. Vier davon zeigen positive Effekte in Bezug auf Prävention der Erkrankung oder Linderung von Symptomen, die drei anderen bestätigen keine solchen Effekte. Für den Forscher bedeutet dies, dass weitere Studien erforderlich sind, um Klarheit zu schaffen. Für den Patienten mag es andeuten, dass Akupunktur in therapieresistenten Fällen vielleicht einen Versuch wert sein könnte.

Mehr bleibt nach Sichtung der vorliegenden Daten von der Vielzahl der angebotenen komplementärmedizinischen Verfahren unter dem Strich nicht übrig. Dafür aber sind die Wirkungen von Petasites und Galphimia nicht nur recht gut belegt, beide sind auch äußerst arm an Nebenwirkungen.

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